26.05.2012 04:42 | Meine Presse Merkliste 0

Italien: Regierung und Kirche gegen Sterbehilfe im Fall Eluana

05.02.2009 | 12:54 |   (DiePresse.com)

Der Koma-Patientin Eluana Englaro soll in einer Privat-Klinik Sterbehilfe geleistet werden. Italiens Regierung überlegt nun, das zu verhindern. Die Kirche sieht Italien am "Abgrund der Euthanasie".

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Kirche und italienische Regierungsparteien kämpfen gegen die Zeit, um die italienische Koma-Patientin Eluana Englaro am Leben zu halten. Regierungschef Silvio Berlusconi überlegt eine Verordnung, um den Abbruch der künstlichen Ernährung für die 38-Jährige zu verhindern.

"Wir könnten eingreifen", sagte Berlusconi. Damit würde es jedoch zu einem gravierenden Konflikt mit der Justiz kommen: Das Kassationsgericht in Rom (die dritte und letzte Instanz im italienischen Justizsystem) im November der Familie Englaro das Recht zugesprochen hatte, die künstlicher Ernährung für Eluana zu einzustellen.

Seit 17 Jahren im Koma

Eluana Englaro befindet sich seit Montag in einer Privatklinik in Udine. Die Klinik hatte sich bereiterklärt, die künstliche Ernährung der Patientin abzubrechen. Zuvor war sie in einer katholischen Klinik in der lombardischen Stadt Lecco versorgt worden.

Englaro war 1992 nach einem Autounfall ins Koma gefallen und ist seitdem nicht wieder aufgewacht. Ihr Fall bewegt ganz Italien.

"Gefährlicher Präzedenzfall"?

Die Gesundheitsbehörden der Region Friaul Julisch Venetien riefen die Klinik in Udine auf, Eluana am Leben zu halten. Die Klinik-Leitung bekräftigte jedoch ihren Willen, dem Wunsch der Familie Englaro nahzukommen.

Die Vize-Sozialministerin, Francesca Martini, warnte vor der Gefahr, dass Eluanas Tod zum gefährlichen Präzedenzfall werden könne, der die Rechte der Behinderten und der Schwächeren in unserer Gesellschaft gefährden könnte. Im italienischen Parlament wird derzeit unter dem Druck von Staatschef Giorgio Napolitano über einen Gesetzesentwurf zur Einführung der Patientenverfügung diskutiert.

Kirche: "Abgrund der Euthanasie"

Der Präsident der italienischen Bischofskonferenz CEI, Angelo Bagnasco, warnte, dass Italien die Tore zur Euthanasie öffnen werde. Es handle sich um einen "schweren und traurigen Augenblick" für Italien, so der Kardinal. Man stehe am "Abgrund der Euthanasie". Er hoffe noch immer, dass die Entwicklung nicht unumkehrbar sei.

Der Präsident des Päpstlichen Rates für Krankenpastoral, Kardinal Javier Lozano Barragan, bekräftigte seine Verurteilung der geplanten Sterbehilfe für Eluana. Er sprach von einem "widermenschlichen Akt" und einer "falschen Lösung für das Drama des Leidens". In verschiedenen Orten Italiens fanden Gebetswachen für Englaro statt.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen