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Tod von Koma-Patientin: "Eluana ist ermordet worden"

10.02.2009 | 14:26 |   (DiePresse.com)

Der überraschende Tod der italienischen Koma-Patientin Eluana Englaro sorgt für Empörung. Italiens Premier Silvio Berlusconi spricht von Mord. Der Staatsanwalt nahm Ermittlungen auf.

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Der Tod der Italienerin Eluana Englaro nach 17 Jahren im Wachkoma sorgt für Kontroversen in Italien. Die Frau, deren künstliche Ernährung am Samstag abgebrochen worden war, starb am Montag kurz nach 20 Uhr und damit deutlich früher, als von den Ärzten erwartet. Diese hatten vorausgesagt, dass die Patientin auch ohne Nahrung und Flüssigkeit noch "zwölf bis 14 Tage" leben könne. Über die Hintergründe von Eluanas Tod wird nun heftig diskutiert.

Eluana sei unerwartet an Herzversagen gestorben, nachdem ihre Nieren aufgehört hatten zu funktionieren, teilten die Ärzte der Klinik "La Quiete" in der norditalienischen Stadt Udine mit, die die 38-jährige Frau bis zuletzt betreut hatten. In katholischen Kreisen glaubt man an diese Version nicht.

Berlusconi spricht von Mord

Der italienische Premier Silvio Berlusconi formuliert die Umstände drastisch: "Sie ist ermordet worden, während andere über die Verfassungsmäßigkeit einer Eilverordnung der Regierung diskutierten", wurde Berlusconi von der rechten Tageszeitung "Libero" am Dienstag zitiert. Damit gab er indirekt dem Staatspräsidenten Giorgio Napolitano die Mitschuld für den Tod der Patientin. Das Staatsoberhaupt habe die Unterschrift unter einen Erlass verweigert, der die Ärzte der 38-Jährigen zu lebenserhaltenden Maßnahmen verpflichten sollte, warf der Regierungschef dem Präsidenten vor.

Staatspräsident Giorgio Napolitano erklärte, er empfinde "tiefe Anteilnahme an der Trauer der Angehörigen Eluana Englaros". Jetzt müsse die Politik schweigen, um der Trauer Raum lassen.

Staatsanwalt nimmt Ermittlungen auf

Eluanas Tod wurde verkündet, während der Senat über einen Gesetzentwurf beriet, mit dem die Fortsetzung der lebenserhaltenden Maßnahmen erzwungen werden sollte. Die Senatoren legten nach der Verkündung der Nachricht eine Schweigeminute ein.

Die Staatsanwaltschaft von Udine will die Hintergründe von Eluanas Tod überprüfen. Eine Obduktion soll angeordnet werden, berichteten italienische Medien am Dienstag. Katholische Verbände forderten die Staatsanwaltschaft auf, eine Untersuchung über den Tod der Frau einzuleiten. Der Tod sei nicht auf natürliche Weise erfolgt, meinten sie.

Beerdigung für Eluana im Familiengrab

Der Vater der Patientin, Beppino Englaro, der seit zehn Jahren für das Sterberecht seiner Tochter kämpfte, bat seine Freunde, ihn in diesem Moment der Trauer alleinzulassen. "Ja, Eluana hat uns verlassen. Ich will nichts dazu sagen. Ich habe alles allein gemacht und niemand soll sich um mich kümmern", sagte Englaro. Eluana wird sehr wahrscheinlich in der Ortschaft Paluzza bei Udine beerdigt werden, aus der die Familie Englaro stammt. Dort sind auch ihre Großeltern begraben.

Der vatikanische Pressesprecher Pater Federico Lombardi rief die Öffentlichkeit auf, den Ton zu mildern. "Eluana ist jetzt im Frieden. Wir hoffen, dass nach den heftigen Diskussionen die Öffentlichkeit einen konstruktiven Weg findet, um das Leben bis zum Ende zu respektieren", erklärte Lombardi.

Eluana Englaro stand jahrelang im Zentrum einer heftig geführten Debatte über Sterbehilfe. Sie lag seit einem Unfall im Jahr 1992 im Koma, ihr Zustand galt als irreversibel. Nach einem Urteil des Verfassungsgerichts zugunsten der Sterbehilfe hatte Eluanas Familie den Ärzten in der norditalienischen Stadt Udine grünes Licht gegeben, die künstliche Ernährung der Patientin zu beenden, um sie sterben zu lassen.

(APA/Red.)

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20 Kommentare
Gast: Tiger
11.02.2009 02:47
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Wieder mal das leidvolle Thema

Leider gibt es noch zu viele Länder in der EU in denen die Frage nach Patientenverfügung und Sterbehilfe nicht rechtlich geklärt sind.

Kein Politiker will das Thema auch mit einer Kneifzange anfassen und dauernd gibt es ein leidiges hin- und her.

Und die leidenden Menschen werden wieder mal total vergessen.

Die Politik sollte endlich Rechtssicherheit schaffen!

Und die Kirche hat sich bitte da raus zu halten! Das ist für eine Person primär seine eigene Frage und die für seine Familie bzw. behandelnden Ärzte.

Mohareb
10.02.2009 22:15
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Die Wahrheit scheint die zu sein, dass Europa kollektiven Selbstmord begeht...

Welche Lobby wird einst den Holocaust an ungeborenem oder nicht mehr "lebenswertem" Leben in die Medien bringen und die Schuldigen auf ewig jagen ?

Je länger man Zeitung liest desto klarer filtert sich dieser eine Gedanke heraus.
Europa stirbt.
Mit Genuß und Leidenschaft ...

"aber fesch in all der teuren Wäsch ... "

Kontrahent
10.02.2009 18:54
0 0

Das Gericht hat GNADE walten lassen,

der Vater hat meine Hochachtung, daß er nicht egoistisch war und sich überwunden hat. Einen Menschen an Drähten und Schläuchen 'zappeln' lassen, welcher ohne 'Hightech' Medizin schon längst beerdigt wäre, heißt dem Lieben Gott ins Handwerk pfuschen !

Antworten hugo3
10.02.2009 19:00
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Re: Das Gericht hat GNADE walten lassen,

genau richtig formuliert
die kirche soll sich nicht in medizinische sachen einmischen
was soll man nun machen, schwerverletzte retten?, sterben lassen? wieviele jahre sind genug wenn man leidet?
wer bestimmt wann jemand unheilbar ist und keine natürlichen lebenschancen hat?

ungenaue gesetzeslage bringt uns so weit

k19
10.02.2009 16:20
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gerade Berlusconi

der eigentlich im Gefängnis sitzen würde, hätte er nicht Gesetze nach persönlichem Bedarf beschließen lassen, sollte nicht von Verbrechen reden.

Antworten outsrc
10.02.2009 16:44
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Re: gerade Berlusconi

Der Meinung bin ich auch - außerdem was ist mit Trennung von Kirche und Staat? Mit dem Vatikan als Nachbarn anscheinend nicht so leicht...

hugo3
10.02.2009 16:09
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die katholische kirche

eine altertümliche kirche will bestimmen ob einmensch der 17 jahre lang unnatürlich am leben erhalten wurde, sterben darf oder nicht!!!
dann müsste die kirche alle in den krankenhäusern befindlichen maschinen zur rettung von menschen verbieten, da dies unnatürlich ist
ab dem zeitpunkt wo ein mensch künstlich am leben erhalten wird, hat die kirche nichts zu sagen

Gast: Cervix
10.02.2009 14:32
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Widerspruch in sich!

Ich finde es absolut unzulässig, dass sich die katholische Kirche das Recht nimmt, die Angehörigen des Mädchens zu verurteilen. "Gott nehme Eluana auf und verzeihe den Menschen, die ihr dies angetan haben"

Stellen Sie sich einmal vor, wenn Sie 17 jahre gefesselt im Bett verbringen müssten. Versuchen Sie es, einen ganzen Tag, 24 Stunden vollkommen ruhig im Bett zu liegen, ohne dabei auch nur die kleinste Bewegung machen zu dürfen.

Ich weiß, ich kann hier nicht für Eluana sprechen aber selbst wenn Hirnströme da gewesen wären, wäre es dennoch nicht zu verantworten, dass jemand 17 Jahre vollkommen bewegungslos im Bett verbringen muss.

Deshalb finde ich den Satz: „Jemanden in Würde gehen zu lassen“ für vollkommen angebracht.
Die katholische Kirche ist davon überzeugt, dass die Seele nach dem qualvollen Leben in den Himmel und somit ins Paradies aufsteigt, deshalb verstehe ich nicht, wie sie jetzt so strikt gegen eine Erlösung des Leidens auf Erden sein kann.

Antworten Gast: Weltschmerz
10.02.2009 15:38
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Re: Widerspruch in sich!

Willst du die Wahrheit erfahren?... kannst du sie denn überhaupt ertragen?...

Die wahrheit ist... Menschen sollen nicht selber über das Ende ihres Lebens entscheiden dürfen... erst wenn dein Bestzer, der Staat, dir erlaubt zu sterben oder es sogar will... wirst du sterben. Dein Leid, deine Qualen und der schmerz sind bei dieser Wahrheit nie ausschlaggebend dürfen daran nichts ändern.

Antworten Antworten Gast: Tiger
10.02.2009 18:01
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Re: Re: Widerspruch in sich!

Was haben Sie den geraucht?

Gast: Julius Franzot
10.02.2009 12:31
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Richtigstellung

1. Das Urteil, welches die Suspendierung der künstlichen Ernährung von Frau Englaro als "nicht strafrechtlich relevante Tat" einstufte, war vom italienischen Equivalent des Bundesgerichtshofes (Corte di Cassazione), nicht des Bundesverfassungsgerichts (Corte Costituzionale), das nie damit beschàfrigt wurde.

2. Es war kein "Wachkoma", sondern ein richtiges Koma, wobei die Frau auf keinerlei Reize reagieren konnte.

Als derzeit in Italien lebender Publizist kann ich nicht ausschließen, dass die Berichterstattung aus Italien zu diesem Thema, das als Tretmine dient, um das Grundgesetz umzukrempeln, bewusst irreführende Nuancierungen enthält und mahne daher zu besonderer Vorsicht bei der Lektüre einschlägiger Meldungen.

Antworten Gast: Graf Gudenus
10.02.2009 19:45
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K.K. Monarchie:

Oberster Gerichts- und Kassationsgerichtshof

Name in der Republik Österreich vereinfacht. Somit nicht Bundes-, so mag es allerdings bei den Germanskis heissen

Antworten Gast: redfox
10.02.2009 15:04
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Re: Richtigstellung

wie sicher sind sie sich bei dieser aussage:

2. Es war kein "Wachkoma", sondern ein richtiges Koma, wobei die Frau auf keinerlei Reize reagieren konnte.

es gibt nämlich durchaus (medien)berichte, die auf ein wachkoma schließen lassen.
bitte klären sie mich auf.

lg redfox

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Re: Richtigstellung

Dieser Fall zeigt wieder einmal eines deutlich: Man kann ALLES aufbauschen (wenn es ganz anderen eigenen Intentionen entgegen kommt); aber auch alles kleinreden, wenn es sich umgekehrt verhält. In der konkreten Causa hätte ein einfühlsames Gespräch zwischen den Ärzten und den Eltern die Sache schon vor vielen Jahren beenden lassen können. Aber da haben sich Politik und Kirche, aus welchen Motiven auch immer, voll rein gehängt und ihr ganz eigenes Süppcihen gekocht. Doch was hätte es der im Koma liegenden Frau nützen sollen?

Abschließend noch eine Frage, die ich normalerweise nicht stelle, wenn es um den realistischen Schutz von Menschenleben geht, bzw. um eine zumindest theoretisch mögliche Chance auf einen langfristigen Heilungsprozeß:

Und wer bezahlt das alles? Vielleicht noch weitere Jahrzehnte? Hätte man sich dann nicht die Frage stellen müssen, was mit den auf diese Weise sinnlos verschleuderten Summen nicht so alles an VERNÜNFTIGEN Therapien möglich gewesen wäre?

Antworten Gast:
10.02.2009 14:00
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DANKE !


exakte Berichterstattung ist leider aus der Mode.

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Berlusconi sollte mehr um die Mafia-Opfer kämpfen!

Während sich der Regierungschef förmlich abstrudelt, eine bereits seit 17 Jahre im Koma liegende Frau "am Leben" zu erhalten, tut er noch immer so gut wie nichts, das Leben von Menschen zu schützen, die überaus massiv vom Mafia-Terror bedroht werden!

Überspitzt formuliert könnte man sagen: Der italienische Staat hält Tote (per Sondergesetze) am Leben und liefert Lebende (durch Untätigkeit) dem Tod aus...

Doch genau SO war es anderseits schon immer: Bereits Erich Kästner schrieb in einem Gedicht, daß Staat und Kirche sich nur um das Leben der Ungeborenen (bzw., wie im aktuellen Fall, um im Koma Liegende) kümmern. Ist der Mensch einmal geboren, muß er sich selbst darum kümmern, wo er bleibt.

Würde Berlusconi sich im Kampf gegen die Mafia in ähnlicher Weise einbringen und engagieren, sähe es im Süden des Landes wohl ganz anders aus. Doch wenn man selbst Gesetze biegt oder sisiert, wie man¿s gerade braucht, kann man sich schwer als Verteidiger von Recht und Ordnung profilieren!

Antworten Gast: Lucky Luciano
10.02.2009 19:10
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Re: Berlusconi sollte mehr um die Mafia-Opfer kämpfen!

Signor Magnana, il Cavaliere Berlusconi ische doch eine vo uns, capisch? Also nix da Kampf gege Mafia, capisch?

ujvar
10.02.2009 11:39
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Ein Beispiel gnadenloser Nächstenliebe auf Kosten des Leidens des Menschen dessen Leben bereits zu Ende war


Antworten ujvar
10.02.2009 11:47
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Re: Ein Beispiel gnadenloser Nächstenliebe auf Kosten des Leidens des Menschen dessen Leben bereits zu Ende war

Die Kaste der Ärzte und brutalen Humanisten wollte ein Sterben verlängern. Im Tode liegt eine Würde wenn das Ende des Lebens erreicht ist, unwürdig ist es aus dem Tod ein Leiden ohne Ende zu machen. Definitiv nein zur Sterbehilfe, doch das was die nicht am Tropfe hängende Plebs nicht versteht, hier geht es um einen unmenschliche Zwang weiter vegetieren zu sollen. Der natürliche Tode beendet das Martern durch Medizintechnik. Ärzte fürchten die Klage vor Gericht, wenn sie unsinnige und quälende Apparate abstellen.
Um deren Interessen und der Versicherun gen geht es, neben den blinden Fanatikern, dass ein toter Mensch gänzlich erlöst werden darf :(

Antworten Antworten Gast:
10.02.2009 14:01
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wie wäre es einmal mit artikel-lesen-vor-dem-heissluft-posten ?