In den USA hat sich die Schweinegrippe auf inzwischen 15 Bundesstaaten ausgeweitet. Bis Donnerstag zählten die Behörden 118 bestätigte Fälle. Seit dem Tod eines Kleinkinds aus Mexiko wurde aber kein neuer Todesfall mehr bekannt. In Kanada, dem nach Mexiko und den USA am schwersten betroffenen Land, stieg die Zahl am Donnerstag von 19 auf 34 bestätigte Fälle. Die peruanischen Behörden dagegen zogen ihre Verdachtsmeldung wieder zurück. Bei dem Fall habe es sich um eine 26-jährige Argentinierin gehandelt, die an normaler Grippe leide, sagte Gesundheitsminister Oscar Ugarte.
Sicherheitsberater von Obama erkrankt?
Auch ein Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama ist anscheinend an der Schweinegrippe erkrankt. Der Beamte hatte die Mexiko-Reise Obamas Mitte April mit vorbereitet, wie das Weiße Haus am Donnerstag mitteilte. Noch in Mexiko habe er grippeähnliche Symptome gezeigt und inzwischen auch drei Mitglieder seiner Familie damit angesteckt. Ob es sich tatsächlich um die Schweinegrippe handle, müsse aber noch bestätigt werden.
Zuvor hatte das Weiße Haus die Möglichkeit heruntergespielt, die US-Delegation könnte auf ihrer Reise nach Mexiko mit der Seuche infiziert worden sein. Pressesprecher Robert Gibbs betonte insbesondere, Obama sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen. Der Erkrankte sei nicht in der Präsidentenmaschine geflogen und sei auch nicht bis auf zwei Meter an Obama herangekommen. Keine anderen Mitglieder der Delegation seien bisher erkrankt, sagte Gibbs.
358 Infizierte in Mexiko
Die Zahl der Personen, die sich in Mexiko nachweislich mit dem neuen Schweinegrippe-Virus A(H1N1) infiziert haben, ist auf 358 gestiegen. Dies gab der mexikanische Gesundheitsminister Jose Angel Cordova am Freitag in Mexiko-Stadt bekannt. Die Zahl der Toten habe sich jedoch nicht weiter erhöht.
Bisher kamen in dem Land 15 Menschen durch die Schweinegrippe ums Leben. Ausländer seien nicht darunter, sagte der Minister. Cordova schloss aber nicht aus, dass unter den bisher 159 registrierten Grippetoten weitere mit dem neuen Virus infizierte Fälle sind. Dies müsse in den kommenden Tagen durch Untersuchungen geklärt werden.
Mexiko sagt öffentliche Veranstaltungen ab
Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, hat die mexikanische Regierung angeordnet, dass über die verlängerten Mai-Feiertage alle öffentlichen Veranstaltungen eingestellt werden. Präsident Felipe Calderon forderte seine Landsleute auf, bis zum kommenden Dienstag zu Hause zu bleiben. In Mexiko-Stadt sind zudem alle Gaststätten, Bars und Restaurants geschlossen. Geschäfte, Supermärkte, Lebensmittelmärkte und Apotheken sind aber weiter geöffnet.
USA schicken Medikamente nach Mexiko
Zur Eindämmung der Schweinegrippe wollen die USA ihre einschlägigen Arzneimittelvorräte um 13 Millionen Dosen aufstocken. Zugleich wurde am Donnerstag mit dem Transport von 400.000 Dosen nach Mexiko begonnen. Dort gelte es ganz besonders, der grassierenden Seuche entgegenzuwirken, erklärte US-Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius.
Ihren Angaben zufolge wird die Regierung für das Programm schätzungsweise 251 Millionen Dollar (189 Mio. Euro) aufwenden. Die USA verfügen auf Bundesebene über rund 50 Millionen Arzneimitteldosen zur Bekämpfung von Viruserkrankungen, insgesamt 23 Millionen weitere Einheiten sind bei den einzelnen Staaten gelagert.
Vizepräsident Joe Biden blamiert USA
Mit Aussagen zur Schweinegrippe hat der für seine bisweilen unkontrollierten Äußerungen bekannte US-Vizepräsident Joe Biden die Regierung in Washington in Verlegenheit gebracht. Er empfahl am Donnerstag, wegen der Schweinegrippe am besten überhaupt nicht zu fliegen - und erntete damit einen Aufschrei der Empörung von der US-Reiseindustrie.
Biden war in einem Interview des Senders NBC gefragt worden, was er Familienmitgliedern empfehlen würde, die jetzt nach Mexiko reisen wollten. "Ich würde mich zurzeit an keine geschlossenen Orte begeben", sagte Biden und schloss dabei neben Flugzeugen auch U-Bahnen ein.
Das Problem, so fuhr der Politiker fort, sei nicht die Reise nach Mexiko, sondern es seien die Reisebedingungen. "Wenn man abgeschottet in einem Flugzeug sitzt, wenn eine Person niest, dann geht das durch das ganze Flugzeug."
Weißes Haus bittet um Verzeihung
Das Weiße Haus sah sich zu einer Entschuldigung veranlasst, um die Sorgen der Bürger zu zerstreuen. "Ich entschuldige mich bei denjenigen, die unnötig in Furcht geraten sind", sagte Präsidentensprecher Robert Gibbs im Weißen Haus.
Auch Heimatschutzministerin Janet Napolitano widersprach dem Vizepräsidenten. Reisen in öffentlichen Verkehrsmitteln seien sicher, beteuerte sie. Nur wer an dem Virus erkrankt sei, solle solche Fahrten vermeiden.
Ein Vertreter des US-Reiseverbandes sagte dem Sender CNN, politische Führungspersönlichkeiten sollten derartige "aufstachelnde Kommentare" unterlassen. Die US-amerikanische Vereinigung für Lufttransport (ATA) nannte Bidens Bemerkungen "äußerst enttäuschend".
(Ag.)
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