In New York sollte ab heute, Mittwoch, die Rolle des Shell-Konzerns an der Hinrichtung des nigerianischen Schriftstellers und Umweltaktivisten Ken Saro-Wiwa vor 14 Jahren in einem Zivilprozess geprüft werden. Der Prozessbeginn wurde jedoch auf kommende Woche verschoben, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.
Der Vorwurf an den Ölkonzern: Shell sei mitverantwortlich für Saro-Wiwas Tod. Das Aufsehenerregende am Fall Saro-Wiwa ist, dass Shell nun in den USA der Prozess gemacht wird.
Saro-Wiwa wurde am 10. November 1995 gemeinsam mit acht weiteren Aktivisten hingerichtet. Bereits unmittelbar nach dem Prozess wurden Vorwürfe laut, Shell habe das Verfahren beeinflusst.
Shell: Bestechung falscher Zeugen
Shell ist Beklagter in dem nunmehrigen Zivilprozess, der von den Angehörigen von Saro-Wiwa und acht weiteren Aktivisten, die am selben Tag gehängt wurden, angestrengt wurde. Hingerichtet wurden die neun Männer freilich von Helfern der damaligen Militärdiktatur unter Sani Abacha, die Anklage lautete auf Anstiftung zum Mord an vier prominenten Stammesältesten des indigenen Ogoni-Volkes.
Die Zeugen, die damals gegen Saro-Wiwa aussagten, sollen bestochen worden sein. An den Bestechungen waren auch Shell-Mitarbeiter beteiligt, so die Vorwürfe in dem beginnenden Prozess. Shell-Sprecher Rainer Winzenried weist alle Vorwürfe zurück. Der Konzern habe sich zu keiner Zeit gegen Saro-Wiwa gewandt, man habe sich für ihn und seine Mitstreiter sogar um Gnade eingesetzt. Shell sei sicher, dass der Prozess in New York mit einer völligen Entlastung des Unternehmens enden werde.
Sensations-Prozess in den USA
Schon, dass der Prozess überhaupt zustande kommt, ist eine kleine Sensation: Die Kläger berufen sich auf ein mehr als 200 Jahre altes Gesetz. Dieses besagt, dass Entschädigungen für Menschenrechtsverletzungen vor US-Gerichten eingeklagt werden können, auch wenn die Tat nicht in den USA begangen wurde.
Der Prozess könnte ein Meilenstein werden: Noch nie wurde ein multinationaler Konzern in den USA der Menschenrechtsverletzungen für schuldig befunden. Ein Urteil gegen Shell könnte die Praktiken multinationaler Konzerne in Entwicklungsländern zukünftig nachhaltig verändern.
Shells Aktivitäten in Nigeria
Shell war die erste und größte Ölfirma, die im Nigerdelta nach Öl zu bohren begann, das Delta ist heute die wichtigste Ölförderregion ganz Afrikas. Auf die Umwelt, so der Vorwurf der Bewohner des Deltas, nahm Shell aber keine Rücksicht, und vom Ölreichtum profitierten nur Shell und das Militärregime, nicht aber die Menschen im Delta.
Eine der dortigen Volksgruppen sind die Ogoni, Fischer und Ackerbauern waren sie stets. Ken Saro-Wiwa klagte an, dass Ölpipelines das einst fruchtbare Küstengebiet zerfurchen, dass giftige Dämpfe, offene Bohrlöcher und rücksichtslose Landerschließung den Ogoni ihre Lebensgrundlage raubten. Der bekannte Schriftsteller und Fernseh-Autor wurde damals, Anfang der 90er Jahren zum prominentesten Vertreter des Widerstands der Ogoni.
(Red. )
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