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Staudamm: Letzte Runde im Kampf um Ilisu

09.06.2009 | 18:53 |  WIELAND SCHNEIDER (Die Presse)

Tausende Menschen sollen umgesiedelt und die antike Stadt Hasankeyf geflutet werden. Kurz vor der Entscheidung über die Zukunft des Kraftwerksprojekts klagen NGOs, dass Ankara entgegen den Spielregeln Land enteignet.

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WIEN. Es ist ein ehrgeiziges Projekt: 22 Dämme und 19 Wasserkraftwerke sollen im Osten der Türkei errichtet werden, um den großen Hunger des Landes nach Energie zu stillen. Und um, wie Befürworter des Projekts beteuern, Fortschritt in die Region zu bringen.

Eines der Herzstücke dieses Systems ist das Ilisu-Kraftwerk, an dessen Errichtung die österreichische Firma VA Tech Hydro maßgeblich beteiligt ist. 1200 Megawatt soll es liefern. Dazu gilt es, den Tigris unweit der Grenze zu Syrien und dem Irak aufzustauen – sowie tausende Menschen umzusiedeln und die antike Stadt Hasankeyf zu fluten. Und genau dagegen laufen Umweltschützer und NGOs seit Langem Sturm. Sie wollen das Aus für den Ilisu-Damm.

Nun geht der Kampf um das Projekt in die letzte Runde. Diese Woche soll eine Expertenkommission in Ostanatolien prüfen, ob sich der türkische Staat an die Vorgaben hält, die ihm von den Exportkreditagenturen Österreichs, Deutschlands und der Schweiz auferlegt worden sind. Doch nun sind Dokumente aufgetaucht, die Projektgegner zu dem Fazit kommen lassen: Die Türkei hält sich nicht daran. Denn laut der Dokumente haben die türkischen Behörden in den vergangenen Monaten die Enteignung von Grundbesitzern im Baugebiet fortgesetzt.

Ende Dezember 2008 war der Türkei eine letzte Frist von 180 Tagen eingeräumt worden. In diesem Zeitraum sollten die Arbeiten an dem Projekt ruhen und die Türkei einen 153 Punkte umfassenden Katalog von Auflagen erfüllen – etwa bei der Umsiedlung der Bewohner und dem Schutz der Kulturgüter von Hasankeyf.

 

Brisantes Gerichtsurteil

Von der Einhaltung dieser Vorgaben hängt ab, ob Österreich, Deutschland und die Schweiz die Exportkreditgarantien für das Staudammprojekt übernehmen, an dem Firmen dieser drei Länder beteiligt sind, oder ob man aussteigt. Eine Entscheidung darüber soll Anfang Juli fallen.

In der Fortsetzung der Enteignungen im Baugebiet sehen Kraftwerksgegner nun eine „klare Verletzung der Kreditauflagen“. Der österreichische Sozialanthropologiestudent Ludwig Fliesser war auf die Dokumente bei seinen Recherchen in der Osttürkei gestoßen. Dabei geht es um ein Urteil des Gerichts in Batman vom 6.Mai dieses Jahres. Darin wird die Enteignung einer Parzelle im Dorf Kesmeköprü bestätigt. Das Gericht war eingeschaltet worden, weil sich der Besitzer geweigert hatte, sein Grundstück zu den ihm gebotenen Bedingungen herzugeben. Eingegangen war die Enteignungsklage des Staates am 22. Jänner, also als die 180-Tage-Frist zur Aussetzung des Projekts bereits lief.

Laut Urteil erhält der Besitzer nun eine Entschädigung von 46.852,46 Türkischen Lira (21.656 Euro). „Das Grundstück war laut Grundbuch zuvor um etwa 72.500 Lira an den Besitzer verkauft worden“, berichtet Ludwig Fliesser der „Presse“. „Und Leute in dem Ort haben mir gesagt, dass sie so ein Grundstück um nicht weniger als 116.000 Lira verkaufen würden.“ Laut Fliesser ist der „Großteil des Dorfes“ von den Enteignungen betroffen.

 

„Türkei hat viel getan“

Alexander Schwab von der VA Tech Hydro sieht in der Fortsetzung der Enteignungen noch keinen Bruch der Auflagen. Es müsse in jedem einzelnen Fall überprüft werden, ob die Behörden dabei die vorgegebenen Standards eingehalten hätten. „Das müssen die Experten beurteilen, die nun in der Türkei unterwegs sind.“ Als Vertreter des Hauptbetreibers des Dammprojekts hofft Schwab natürlich, dass sich Österreich, Deutschland und die Schweiz für eine Übernahme der Exportkredite entscheiden. „Die Türkei hat viel getan, um alle Auflagen zu erfüllen. Ich glaube an eine positive Beurteilung durch die Experten.“

Das letzte Wort haben dann Anfang Juli die Exportkreditagenturen. Wie eine Entscheidung aussehen könnte, will man dort freilich noch nicht sagen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.06.2009)

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16 Kommentare
Gast: Idealist!
15.06.2009 16:58
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fatima-khan@aon.at

meine Frage an Herr Alexander Schwab von der VA Tech Hydro,
Was hat Türkei unternommen um die Kulturschätze in Hasenkeyf zu retten?
Türkei hat, tatsächlich viel getan.. aber viel BÖSES..

Gast: kurdistan
12.06.2009 21:28
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diese stadt ist unser herz

Diese stadt ist sehr wichtig für uns kurden, unsere geschichte unsere kultur unsere vergangenheit liegt im diese alten stadt, das ist die erbe unsere ahnen und vorfahren, egal wer sich an diese projegt beteiligt begeht kulturmord, wir werden nicht einfach zusehen wie verdamte kapitalisten unsere kultur zerstören. egal wie die konziguensen auch immer sind, wir werden uns rächen an alle länder und völker die sich beteiligen an diese kulturmord. Das ist die erbe unsere ahnen geschichte der kurden und keine wird unbestraft davon kommen im unser wut werden alle brenen.

Antworten Gast: Realist
13.06.2009 15:47
0 0

Re: diese stadt ist unser herz

Gehört die Drohung auch zum kurdischen
Kultur ? Ausserdem haben die antike
Pfunde in diesem Gegend überhaupt nichts mit den Kurden zu tun. Sie sollten
am besten der Regierung mithelfen,damit
dieser Gegend endlich einen wirtschaft-
lichen Schwung bekommt. Was nützt
das Wort kurdistan, wenn die Menschen
im Mittelalter leben.

Gast: Kurdischer Intellektueller
12.06.2009 17:32
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Das ganze Theater kommt mir bekannt vor !

GAP ist ein türkisches Entwicklungsprojekt für
Ostanatolien, das man vor vielen Jahren
geplant und bis heute mehr als die Haelfte
verwirklicht hat. Bis jetzt wurden fast bei jedem
Grossprojekt (z.B. Keban- und Atatürk Stau-
daemme) aus verschiedenen Gründen von
den verschiedenen Interessenvertretern oder
Lobysten Einspruch erhoben. Hier geht es um
viel Wasser, Landwirtschaft und Energie, die nicht nur die Türkei, aber auch Syren, Irak,sogar
Israel, kurz gesagt den ganzen Nah-Osten
interessiert. Die kurdische Grundbesitzer sind
nur die Marionetten. Die Hauptspieler lassen
sich gar nicht sehen. Dieses Riesenprojekt wird mit oder ohne Fremdkapital fertiggestellt, auch wenn da und dort Hindernisse entstehen.

Antworten Gast: Ludwig Fliesser
12.06.2009 18:47
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Re: Das ganze Theater kommt mir bekannt vor !

Ich möchte hiermit definitiv klar stellen, dass ich kein Lobbyist bin. Das bei einem derartigen Projekt sehr viele Interessen involviert sind ist offensichtlich. Die enteigneten türkischen Staatsbürger spielen dabei leider oft nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Gast: Hartmuth Höfle
11.06.2009 12:23
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Erfahrungszugewinn

Wenn Gerichte ihre Arbeit trotz der 180-Tage Aussetzungsfrist fortsetzen, so ist das wie überall auf der Welt, die Gerichte sind unabhängig.
Eine Enteigung wird erst dann wirksam, wenn derjenige dessen Vorgehen vom Gericht bestätigt wurde, dieses Urteil auch umsetzt. Das wird wohl sicher nicht innerhalb der 180-Tage-Frist geschehen. Sollte es aber anschliessend mit dem Projekt weitergehen, so hat man wenigstens nicht die Zeit für die gerichtliche Auseinandersetzung verloren.
Wenn die im Pressebericht angegeben Bodenwerte korrekt sind, so kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass auch im Südosten der Türkei Bodenspekulanten tätig sind - wie überall auf der Welt. Das wird auch für den studentischen Berichterstatter ein wichtiger Erfahrungszugewinn für seine Zukunft sein.

Antworten Gast: Ludwig Fliesser
12.06.2009 12:38
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KEINE BODENSPEKULATION

Aus Gründen, die den verantwortlichen Personen in den Exportkreditagenturen inzwischen auch bekannt sind, kann es sich nicht um ein Spekulationsobjekt handeln. Der Erfahrungszugewinn durch Ihr Posting beschränkt sich leider darauf, dass persönliche Eindrücke und die Realität mitunter stark voneinander abweichen.

Antworten Gast: Ludwig Fliesser
11.06.2009 23:39
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Re: Erfahrungszugewinn

Gestatten Sie, dass ich Sie aufkläre: Das Gericht muss natürlich seiner Arbeit unabhängig von den Exportkreditversicherungsverträgen nachgehen. Es tut dies aber im Falle einer Enteignung nicht ohne konkrete Veranlassung, der Enteignungsklage. Und die hat das Ministerium für öffentliche Arbeiten und Besiedelung eingebracht, und zwar NACH der temporären Aussetzung der Kreditverträge, wodurch das Projekt vollständig ruhen müsste. Das Ministerium ist ein Mitglied der türkischen Regierung und hat sich an die Verträge zu halten, die diese unterschrieben hat. Somit hat es auch während der „suspension of contract“ die seit 23. Dezember 2008 läuft, keine Enteignungsklagen einzubringen, die im Zusammenhang mit dem Ilisu Projekt stehen.

Gast: Weltbürger
11.06.2009 11:17
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Alles ist Politik

Hier geht es nur um den Kampf an wertvollen Wasserreserven der Türkei. Jeder weiss, dass
in naher Zukunft das Wasser viel kostbarer als
Öl wird.

Gast: Berivan
11.06.2009 11:12
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Die Lösung ist einfach

Zuerst eine Feststellung. D, Ö und CH spendie-
ren den Türken keinen einzigen Pfennig. Sie
geben Kredit, um davon selber zu profitieren.
Dieser Staudamm wird mit oder ohne diese
Laender gebaut, wie früher bei den anderen
Staudammprojekten im GAP-Projekt der Fall war.
Die Herrschaften sagen einfach 'nein' und die
Türken gehen ihren Weg trotzdem weiter. Wozu
die ganze Aufregung ?
P.S Übrigens, die Türkei ist kein Land für abend-
teuerlustige Studentchen aus Österreich.

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Mich würde es nicht wundern, wenn der

österreichische Sozialanthropologiestudent Ludwig Fliesser ab jetzt von der türkischen Regierung zur "Gefahr für die innere Sicherheit" bzw. überhaupt als 'Agent und Spion betrachtet würde und ein Einreiseverbot erhielte.
Bei mir reichte vor 5 Jahren die einmalige Erwähnung des Wortes "Kurdistan" für einen Entzug der Arbeitsgenehmigung an der "österreichischen Schule in Istanbul. Ich war damals - ohne Begründung - zur Gefahr für die innere Sicherheit des Staates erklärt worden. Sämtliche Entschuldigungen und Klarstellungen nutzten damals nichts.
Inzwischen verwendete sogar der türkische Präsident Gül Journalisten gegenüber dieses Unwort.

Antworten Gast: Sankt Georg-Istanbul
11.06.2009 10:57
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Re: Mich würde es nicht wundern, wenn der

Als Absolvent der Öst.Sankt Georg Kolleg
in Istanbul (1968) kann ich nur sagen, dass wir damals Gott sei Dank nicht
solche wie Sie als Lehrer gehabt haben.
Sie schaemen sich nichteinmal, ein
Land, wo Sie Ihr Geld verdienen wollten,
Kurdistan zu nennen. Ob es Ihnen passt
oder nicht, heisst dieses Land 'Türkei'
und solche hassgepraegte Typen sind
bei uns wirklich nicht sehr herzlich will-
kommen. Ausserdem glaube ich nicht,
dass es der einzige Grund war, dass man
Ihnen den Arbeitsgenehmigung entzogen hat.

Antworten Gast: Aus Istanbul
10.06.2009 09:45
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Re: Mich würde es nicht wundern, wenn der

Dank Strache und Co gehört es ja in Österreich zum guten Ton über die Türken und die Türkei zu schimpfen, zu urteilen bzw. zu beurteilen. Da diese Unart anscheinend in Istanbul bei Ihnen nicht durchgegangen ist (wobei ich glaube, dass da sicher mehr im Spiel war außer nur, das Wort Kurdistan), versuchen sie jetzt in gewohnter Manier wieder gegen die Türkei zu reden. Bei diesem Projekt wird Österreich sicher genug verdienen nicht um Sonst sind sie so dahinter…
Alles was im Sinne und des Fortschrittes der Türkei gemacht werden sollte, versucht man seitens Europas mit Fadenscheinigen Argumenten zu zerschlagen. In keinem Land (auch in Europa) gehen solche Großprojekte ohne gewisse Probleme über die Bühne aber das wird kaum Medial ausgeschlachtet.

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Re: Re: Mich würde es nicht wundern, wenn der

Wenn ich mir über manche Vorgänge in der Türkei nach 6 Jahren Aufenthaltes und unzähligen Reisen in die entlegensten Gegenden dieses Landes ein Urteil erlaube, dann würe ich das nicht unbedingt nur deshalb als "Unart" bezeichnen, weil es kritisch ist.
Ich kenne eben die Türkei in und auswendig und stehe außerdem nicht im Sold der EU-Erweiterungsfanatiker, wie dies bei den "Think-Tanks", die da immer wieder in den Medien zu Wort kommen, der Fall ist.

Gast: Blitzky
09.06.2009 22:36
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Was macht der Herr Schwab von der VA Tech...

... wenn z.B. in der Hälfte der Fälle die Standards bzw. Abmachungen nicht eingehalten wurden? Wahrscheinlich argumentiert er dann, dass die Türkei ja immerhin "oft" die Abmachungen einhält, dass man der Türkei eben Zeit geben muss, dass das alles nicht von Heute auf Morgen geht, dass immerhin ein Bemühen feststellbar ist, dass die Türkei "viel getan hat um alle Auflagen zu erfüllen".
Was würde in Österreich passieren, wenn sich der Staat bei einem Kraftwerksprojekt ganz klar nicht an 90% der Auflagen hält, Grundbesitzer nicht oder nur zur Hälfte des Grundstückswertes entschädigt etc.????
Das alles ist eine unwürdige Farce, bei der leider österreichische Unternehmen eine Hauptrolle spielen.

Antworten Gast: Zampano
10.06.2009 05:27
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Re: Was macht der Herr Schwab von der VA Tech...

"Jeder einzelne fall muss überprüft werden ". Dann wird man ab und zu auch einen fall finden, in dem türken keine abmachungen verletzt haben.
Dann kann man sagen, "Die Türkei hat viel getan, um alle Auflagen zu erfüllen". Dann können die von der VA Hydrotech bezahlten Experten auch das Ganze "positiv bewerten".
So einfach ist die Politik Türkei - EU.