Während die Märkte für Kokain, Opiate und Cannabis weltweit stagnieren oder der Absatz zurückgeht, steigen Produktion und Konsum von synthetischen Drogen offenbar vor allem in Entwicklungsländern an. Das geht aus dem Welt-Drogen-Report 2009 des in Wien ansässigen UN-Büros für Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung UNODC hervor, der am Mittwoch anlässlich des Welt-Drogen-Tags am kommenden Freitag (26.6.) in Washington präsentiert wurde. UNODC-Direktor Antonio Maria Costa appellierte für mehr Mittel zur Behandlung Suchtgiftabhängiger und zur Bekämpfung der Drogenkriminalität.
Der Opium-Anbau in Afghanistan - 93 Prozent der weltweiten Ernte stammen aus dem Land - ist 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent zurückgegangen. In Kolumbien, wo die Hälfte des weltweit hergestellten Kokains produziert wird, ging der Anbau um 18 Prozent zurück, die Produktion sogar um 28 Prozent. In beiden Ländern gab es zuvor allerdings einen massiven Anstieg.
50 Milliarden Dollar umgesetzt
Der Kokain-Markt, auf dem jährlich weltweit 50 Milliarden Dollar umgesetzt werden, befindet sich laut Costa im Umbruch. Reinheitsgrad und Aufgriffe in den großen Verbraucherländern sind gesunken, die Preise gestiegen, die Konsum-Muster ändern sich. "Das könnte eine Erklärung für den furchtbaren Anstieg von Gewalt in Ländern wie Mexiko sein. In Mittelamerika kämpfen die Kartelle um den schrumpfenden Markt", sagte der UNODC-Direktor. Im mexikanischen Drogenkrieg wurden in diesem Jahr bereits 3000 Menschen getötet.
Die UNODC-Fachleute schließen aus dem Rückgang der Sicherstellungen in Westafrika, dass nach fünf Jahren Zunahme erstmals weniger Kokain über den Atlantik dorthin geschmuggelt wurde. Nicht geändert haben sich allerdings mit Suchtgift in Zusammenhang stehende Gewalt und politische Instabilität in der Region. "Solange die Nachfrage nach Drogen besteht, werden schwache Staaten immer das Ziel von Schmugglern sein. Wenn Europa Afrika wirklich helfen will, sollte es seinen Appetit auf Kokain zügeln", empfahl Costa.
Während - so der Bericht - 41 Prozent des weltweit produzierten Kokains sichergestellt werden, ist es bei Opiaten nur ein Fünftel. Um die Bekämpfung des Schmuggels zu verstärken, hat das UNOCD eine Initiative in Afghanistan, im Iran und in Pakistan ins Leben gerufen. "Je mehr Opium wir in den Nachbarstaaten Afghanistans beschlagnahmen, desto weniger kommt auf die Straßen Europas", erklärte Costa.
Cannabis am häufigsten konsumiert
Cannabis ist nach wie vor das weltweit am häufigsten konsumierte Suchtmittel - und weniger harmlos als vielfach angenommen, warnt das UNODC. Daten aus Nordamerika zeigen, dass sich der Gehalt des Wirkstoffs THC in selbstgezüchteten Marihuana-Pflanzen in den vergangenen zehn Jahren statistisch gesehen verdoppelt hat.
Große Sorgen bereitet den Drogenbekämpfern das zunehmende Auftreten von Designerdrogen außerhalb von Industrieländern. Die Laboratorien zur Produktion synthetischer Drogen vor allem in Südost-Asien haben industrielle Ausmaße erreicht, es geht um "big business" mit Methamphetaminen, Crystal Meth und Ketamin. Der Konsum des Amphetamins Captagon hat im Nahen und Mittleren Osten ungeahnte Ausmaße angenommen. In Saudi-Arabien wurde 2007 ein Drittel aller weltweit beschlagnahmten Amphetamine sichergestellt - mehr als in China und den USA zusammen.
Warnung vor Freigabe
Im Vorwort zu dem 341 Seiten starken Bericht warnt Costa vor der Freigabe des Drogenkonsums. Obwohl Verbote einen Schwarzmarkt von makroökonomischer Dimension inklusive Gewalt und Korruption erzeugt haben, wäre die Legalisierung von Drogen "ein historischer Fehler", ein freier Markt würde eine Missbrauchs-Epidemie auslösen.
Costa spricht sich für die Behandlung Drogenabhängiger als Kranke aus, denen uneingeschränkter Zugang zu Therapien zu gewähren sei. Darüber hinaus erneuerte er seine Aufforderung an Regierungen, internationale Übereinkommen zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität umzusetzen.
(APA)
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