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Tschechien: An die Pilze, fertig, los...

16.07.2009 | 18:32 |  Von unserem Korrespondenten HANS-JÖRG SCHMIDT (Die Presse)

Die Tschechen sind derzeit außer Rand und Band: Die Schwammerlsaison ist in vollem Gange. Und kaum ein Volk ist so verrückt nach Pilzen wie unsere Nachbarn.

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PRAG. Da kommen sie wieder. Morgens schon gegen fünf Uhr schwärmen sie aus. Autos rattern über holprige Landstraßen, am Waldrand wird geparkt. Dann wird der Korb geschnappt, das Messer und ab geht's. Im Nachbarland Tschechien hat die Hauptsaison für ein besonders Vergnügen der Tschechen begonnen: das Schwammerlsuchen.

Welche Bedeutung die Pilze dort haben, verdeutlicht ein Blick in die Medienlandschaft. In welchem anderen Land wird auf den Titelseiten auch der seriösen Zeitungen schon gemeldet: „Rostou!“ – „Sie wachsen!“ Jeder weiß natürlich auf Anhieb, was da wächst: die Schwammerln natürlich. Auch die TV-Nachrichten versäumen es nicht, regelmäßig besonders große Funde zu dokumentieren. Derlei spornt die Sammelwut an, obwohl die ohnehin in den Genen der Tschechen zu liegen scheint. Nicht nur europa-, sondern weltweit gelten sie als die Verrücktesten und Eifrigsten in diesem Metier.

 

Überlebt er's?

Das erregt im Ausland schon einmal tiefe Verwunderung. Einer der großen Fußballer aus der einstigen Tschechoslowakei, Josef Bican, stieß in seiner Zeit in der belgischen Liga bei seinen Mannschaftskameraden auf strikte Ablehnung, als er sie zu einem großen Pilzessen einlud. Nicht ein einziger Mitspieler wagte, von dem Mahl zu kosten. Dafür schlossen die Belgier heimlich eine Wette ab, dass Bican nicht überleben würde. Am nächsten Tag kamen sie und schauten ernsthaft, ob ihr tschechischer Kollege noch lebe.

„Je westlicher ein Land, desto geringer ist das Interesse an Pilzen“, weiß Petr Müller, der Herausgeber der Zeitschrift „Houbar“ („Der Pilzesammler“). Und Ale? Vit von der Tschechischen Gesellschaft für Mykologie (Pilzkunde) ergänzt: „Weder in Nordeuropa noch in den USA oder gar Australien sammelt man Pilze als Speise. Ein Hauptgrund dafür ist die Angst, sich vergiften zu können.“ In Tschechien passiert das mit den Vergiftungen eher selten. Es gibt Heerscharen an Pilzberatern. Zudem veröffentlichen die Zeitungen in ihren Wochenbeilagen immer wieder auch halbe Pilzbücher. Mit Fotos natürlich, vor allem aber ausführlichen Beschreibungen bis hin zur Verarbeitung.

Das meistdiskutierte Thema unter tschechischen Pilzjägern ist, ob die Schwammerln bei Vollmond besonders schießen. Einige halten das für schlichten Aberglauben, andere schwören darauf. Petr Müller von der Zeitschrift „Houbar“ äußert sich salomonisch: „Sie wachsen bei Vollmond tatsächlich schneller – aber nur, wenn es auch genügend Luftfeuchtigkeit gibt.“

Und wie ist das mit den Pilzen nach ergiebigem Regen? „Davon allein hängt es auch nicht ab“, sagt der Experte. „Es braucht auch entsprechende Temperaturen.“ Während die Österreicher ihre Fundorte geheim halten, sind Tschechen mit ihren Informationen freigiebiger. Auf speziellen Internetseiten geben sie allen Ernstes Fundstellen preis. Die Kommunikationsfreudigkeit erklärt Petr Müller so: „Man kommt einfach mit anderen Sammlern ins Gespräch. Spätestens auf dem Parkplatz vor der Heimfahrt. Da prahlt man gern mit seinem vollen Korb.“

 

„Gefundenes Fressen“

Warum sind ausgerechnet die Tschechen so verrückt nach Schwammerln? „Sie waren in alten Zeiten ein billiges Essen“, sagen die Fachleute. Für die Tschechen, die nie zu den reichsten Völkern gehört hätten, somit ein „gefundenes Fressen“. Eine Speise übrigens, die auch Prominente stets zu schätzen wussten. Die Tennislegende Martina Navratilova behauptet, dass sie nie so gut abschalten konnte wie beim Schwammerlsuchen. Manche sind so prominent, dass ihnen geholfen wird beim Sammeln. Die erste Frau von Václav Havel, Olga, wurde etwa immer von Personenschützern in den Wald begleitet, was sie nicht erfreute. Bis sie einmal ein Leibwächter von hinten anhüstelte: „Frau Havlova, wenn Sie einmal nach rechts schauen würden, da steht ein herrlicher Steinpilz.“

AUF EINEN BLICK

Sieben von zehn Tschechen fröhnen dem Hobby des Schwammerlsuchens, davon gehen Experten der Tschechischen Gesellschaft für Mykologie aus. Somit gibt es fünf Millionen aktive Pilzjäger in Tschechien. Im Jahr sammelt eine Person rund eineinhalb Kilo – das macht insgesamt 7500 Tonnen Schwammerl, die die Tschechen aus den Wäldern holen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2009)

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2 Kommentare
Gast: BAVARICUS
17.07.2009 19:15
0 0

SCHWAMMERL SUCHEN GEHN: "Tun auch gerne Bayern und Österreicher"

Was nicht wenige Mitteleuropäer eint:
Schwammerl suchen UND SCHWAMMERL ESSEN.

Tipps zum Schwammerlsuchen
Nach der empfindlichen Kälte im Juli wird's langsam, aber sicher etwas mit dem Schwammerlsuchen. Sollten Sie bei der Suche nach den Pilzen aber notorische erfolglos sein, haben wir einige Tipps für Sie.

Korb mit Eierschwammerl
Im Jungwald suchen
Eine Expertin beim Schwammerlsuchen ist Marianne Weitgasser aus Eben (Pongau). Die Ennstalbäuerin aus dem Schattbachwinkel geht seit frühester Kindheit Schwammerl suchen und sie weiß, dass es nichts bringt, einfach irgenwo in irgendeinen Wald hinein zu rennen.

"Wir gehen in einen Jungwald, wo Äste herumliegen", sagt Weitgasser, "Darunter sind sie, die Schwammerl. Im Hochwald gibt's nichts. Wenn Sie den Jungwald säubern und Äste abhacken, dann hebst du einen Ast auf und darunter kann's passieren, dass alles gelb ist."



Fundstellen bei Fichten
Außerdem müsse es Fichtenwald sein: "Lärchen und ähnliches sind alles nichts. Ich schaue nur, wo Fichtenwald ist", sagt Weitgasser.

Schwammerlsucherin im Wald (Bild: ORF)
Rücksicht nehmen auf andere
Das gute Benehmen ließen viele Schwammerlsucher leider oft am Waldrand zurück, ergänzt Marianne Weitgasser.

Deshalb gibt¿s auch oft Ärger: "Sie lassen etwas liegen im Wald oder verstellen uns den Weg - haben sich einfach hingeparkt. Auch, dass sie uns immer die Felder verstellen, das mögen wir auch nicht."

http://salzburg.orf.at/magazin/leben/thema/stories/17624




Gast: Kapa
17.07.2009 12:39
0 0

bitte Abholen!!!!

an alle tschechen holt entlich den peter pilz in wien und esst ihm auf.