11.02.2012 22:05 | Meine Presse Merkliste0

Indien: Der Subkontinent trocknet aus

27.08.2009 | 18:36 |  Von unserem Korrespondenten SASCHA ZASTIRAL (Die Presse)

Die üblichen Sommerregen bleiben in weiten Teilen des Landes aus. Indien leidet bereits unter Dürre und Nahrungsmittelteuerung. Und es könnte noch schlimmer kommen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Delhi. Lange Zeit haben sich Forscher und Politiker in Indien mit Äußerungen zurückgehalten, doch jetzt lässt es sich nicht mehr leugnen: In Indien herrscht Dürre. Beinahe die Hälfte des Landes ist betroffen. In 246 von rund 600 Distrikten sei während des Sommermonsuns, der – zumindest laut Kalender – im Juli begann, zu wenig Regen gefallen, erklärte Landwirtschaftsminister Sharad Pawar.

Sieben von zehn Menschen in Indien leben von der Landwirtschaft, die überwiegend von den sommerlichen Monsunregen abhängt. Bereits jetzt ist klar: Indien muss gewaltige Mengen Reis und Weizen importieren, um den Ausfall auszugleichen.

Eine Hungerkatastrophe droht zunächst nicht: Die Regierung kauft regelmäßig große Mengen an Getreide auf und hortet sie in Speichern, die über das gesamte Land verteilt sind. Bahnt sich eine Knappheit an, werfen Regierungsbeamte die Lebensmittel auf den Markt, damit die Preise nicht allzu rapide ansteigen. Dennoch ist schon jetzt vielerorts um zehn Prozent mehr für Getreide, Reis und andere Grundnahrungsmittel zu zahlen. Für die Armen in den Städten, die häufig ohnehin nicht genug zu essen haben, bedeutet das weitere Einschnitte. Auch gibt es bereits erste Berichte von Bauern, die sich wegen des Ernteausfalls das Leben genommen haben.

 

Sinkender Grundwasserpegel

Langfristig droht Indien jedoch ein viel größeres Dilemma: Dem Land geht das Grundwasser aus. Forscher der Nasa haben herausgefunden, dass der Grundwasserspiegel in Nordindien Jahr für Jahr rapide abnimmt. In manchen Gegenden ist der Pegel demnach zwischen den Jahren 2002 und 2008 um 30 Zentimeter gesunken. Vor allem Ballungszentren wie Delhi und Jaipur drohe eine akute Wasserknappheit, berichten der Hydrologe Matt Rodell und seine Kollegen in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Nature“.

Die Forscher machen den zunehmenden Wasserkonsum in der Landwirtschaft für den drastischen Abfall der Grundwasserpegel verantwortlich. Diesen Schluss ziehen sie aus den Ergebnissen ihres Erdgravitationsexperiments „Grace“. Die derzeitige Dürre dürfte diese Entwicklung in diesem Jahr noch beschleunigen.

Das Experiment begann im Jahr 2002. Getragen wird es von der Nasa und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Dabei kreisen zwei Satelliten in einem konstanten Abstand zueinander in der Erdumlaufbahn. Ein Laserstrahl misst die Höhe der Satelliten. Sinkt einer von ihnen ab, deutet das auf eine Erhöhung der Gravitation hin, wie sie durch Grundwasser verursacht wird. So konnten die Forscher über Jahre einen Abfall der Pegel beobachten.

„Wir kennen die genaue Wassermenge nicht, die in Nordindien verschwindet“, sagte Versuchsleiter Rodell. „Aber Grace liefert einen deutlichen Beweis dafür, dass die Wassernutzung in ihrem derzeitigen Umfang nicht nachhaltig ist.“ Um in der Region die Erträge aus der Landwirtschaft erhöhen zu können, müssen die Bauern bewässern. „Daher könnten wir einem größeren Problem als nur einer Wasserkrise gegenüberstehen.“

 

Schmelzende Gletscher

Dabei haben die Wissenschaftler saisonale Einflüsse wie unterschiedliche Regenmengen bereits in ihre Berechnungen einbezogen. Nimmt man die Tatsache hinzu, dass die Gletscher des Himalajas – Indiens größte Wasserquelle – Jahr für Jahr zurückgehen, wird klar, auf was für eine Katastrophe Südasien zusteuert.

Noch dazu weisen die ohnehin schon am meisten ausgetrockneten Bundesstaaten Rajasthan, Punjab und Haryana alle Merkmale auf, die eine Wasserknappheit verstärken: rapides Bevölkerungswachstum, großes Wirtschaftswachstum und die Kommerzialisierung der Landwirtschaft. Diese wurde in den 70er-Jahren im Rahmen der „Grünen Revolution“ von der Regierung vorangetrieben.

Die Marktöffnungen der vergangenen 15 Jahre haben diese Entwicklung maßgeblich beschleunigt. So wird seit einigen Jahren im Bundesstaat Punjab Reis angebaut, eine der wasserintensivsten Pflanzen überhaupt. Dabei wären viele Regionen im Punjab ohne Bewässerung eigentlich Wüste.

 

Am Import-Tropf

Eine kürzlich vorgestellte Studie appelliert an die Staaten Asiens, die Wassernutzung zu reformieren. Sonst sei es kaum möglich, die weiteren 1,5 Milliarden Menschen, die bis 2050 in Asien leben werden, aus der Region heraus zu versorgen. Die Studie, die von der UN-Organisation für Lebensmittel und Landwirtschaft und einem Forschungsinstitut bei der Weltwasserwoche in Stockholm vor zwei Wochen präsentiert wurde, warnt: Manche asiatische Staaten müssten dann mehr als ein Viertel ihrer Lebensmittel importieren, um ihre Einwohner ernähren zu können.

LEXIKON: DER MONSUN

Die mächtigeLuftzirkulation der Troposphäre im Gebiet der Tropen bzw. Subtropen im Einflussbereich der Passatwinde nennt man „Monsun“. Dabei wehen auf der Nordhalbkugel im Sommer Winde von Südwest, also meist übers Meer, weshalb sie viel Luftfeuchtigkeit befördern; im Winter wehen sie von Nordost und bringen trockene kontinentale Luft. In der Monsunzone der Südhalbkugel verhalten sich die Winde jahreszeitlich spiegelverkehrt.

Vor allem Indien ist von einem starken Sommermonsun mit viel Regen für die Landwirtschaft abhängig. Derzeit herrscht aber in vielen Bundesstaaten Trockenheit; Hindupriester beten daher allerorten um Regen (s.Foto). [Reuters]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2009)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

3 Kommentare
0 0

Wettermacher

können wir werden, um Indien wieder zum nassen Kontinent zu machen. Ich habe hier in Die Presse schon beschrieben, was Innertropische Konvergenz und darin stattfindende Konvektion sind, und wie das um das Horn von Afrika das Wetter für Südostasien und den Indischen Subkontinent wie auch für den Atlantik und desssen Hurricanes mitbestimmt. Wie ElNino ist das Horn von Afrika ein Ende der Weltwetterwippe. So müßte ab Beginn der Hurricanesaison und Monsunzeit die Konvektion beim Roten Meer erhöht werden, dann hätten wir mehr Beschattung Äquatorialafrikas mit weniger rasch sich erwärmender Meeresoberfläche um die Kapverdischen und weniger Hurricanegenese sowie auch mehr Jetstreamwasser nach Osten, das in Indochina niedergeht aber auch in Indien. Burma säuft deshalb nicht noch mehr ab, aber die Beschattung von Indochina bis weit über Ozeanien in den Pazifik wird so viel mehr, daß auch hier die Taifungenese abgeschwächt werden und der EnNino geschwächt werden kann. Das ist schon die Wollmilchsau der Wetterzucht, was ich mir da auf der Basis des Studiums der Meteorologie im Landbaustudium in Weihenstephan mit jahrzehntelangen Überlegungen jetzt der Welt präsentieren wage. Die Umsetzung meiner unübertrefflichen Erkenntnisse geht ganz einfach und rasch: wir schicken Hundertschaften von Baggern und Radladern und Muldenkippern der Firma Liebherr nach Eritrea, um dort einen 40km langen Kanal in die Danakilsenke ohne Beton einfach nur auszuschaufeln, so daß Meerwasser hindurch fließend ver

0 0

Geologisch

betrachtet ist ja der nordöstliche Eingang in die Danakilsenke ein Zuckerl mit den Sulfaten. Wenn wir nur Meerwasser darüber rinnen lassen, entsteht genug Leben, das absterbend Kondensationskeime für das verdunstende Wasser liefert. Weil ich immer die Eisensulfatdüngung mit der Polarstern im Südatlantik lobe: machen wir auch vor der Nordwestküste Australiens diese Meeresdüngung, dann machen wir im Sommer den Südpassat für Indien feuchter, weil die Innertropische Konvergenzzone in Asien so enorm weit nach Norden über den Äquator hinaus reicht. Militärs haben auch erkannt, daß ein feuriger Krieg oder lang brennende Schiffe am Horn von Afrika gutes Wetter machen. Aber ich will mit zivilen Maßnahmen Dauerlösungen bieten. Ich würde mich so sehr freuen, wenn wir gegen alle ideologischen Barrieren einfach mit Liebherrgerät in Eritrea einmarschieren könnten und diesen kleinen Kanal ausbaggern. Ich bin mir sicher, daß die Afarmenschen da rituelles Spektakel beisteuern, und meinetwegen können Christo und Jeanne-Claude den Startschuß mehrmals geben: zum Baggerstart, zum Durchstich und alljährlich im Frühjahr: "Wir verhüllen den Äquator!" Christo gibt damit auch dem neuen Osteuropa ein bleibendes Vorbild als wahrhaft christlicher Künstler mit Frau.

Messalina
28.08.2009 12:05
0 0

rund um Indien gibt es Wasser,

dann müsste man eben in Entsalzungsanlagen (?) investieren