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Madrid: Großdemonstration gegen Abtreibung

17.10.2009 | 21:07 |   (DiePresse.com)

Ein neues Gesetz soll Abtreibungen bis zur 14. Woche erlauben. Die katholische Kirche und konservative Pareien riefen zur Großkundgebung, 1,2 Millionen Menschen kamen.

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Rund 1,2 Millionen Spanier haben am Samstag in Madrid gegen die von der Regierung des sozialistischen Ministerpräsidenten Jose Luis Rodriguez Zapatero (PSOE) geplante Liberalisierung der spanischen Abtreibungsgesetze protestiert. "Jedes Leben ist wichtig", lautete das Motto der Massenkundgebung, zu der ein Aktionsbündnis von mehr als 40 Vereinigungen aufgerufen hatte, die großteils der konservativen Opposition (Volkspartei/PP) nahe stehen. Die Proteste wurden auch von der katholischen Kirche unterstützt. Regierungsvertreter warfen teilnehmenden Oppositionspolitikern "Scheinheiligkeit" vor.

"Wir befinden uns heute hier, um gegen ein neues Gesetz zu protestieren, welches die totale Schutzlosigkeit zweier Abtreibungsopfer bedeutet - die des ungeborenen Kindes, dem jeglicher juristischer Schutz fehlen wird und die der Frau, die ohne Alternativen zur Abtreibung hingetrieben werden wird", erklärte Benigno Blanco, Präsident des spanischen Familienforums und Sprecher der Demonstrationsveranstalter, auf der Abschlusskundgebung vor der Puerta de Alcala im Zentrums Madrids. Blanco hatte während der Regierungszeit (1996 - 2004) von Regierungschef Jose Maria Aznar (Volkspartei/PP) das Amt eines Staatssekretärs innegehabt.

Drei Flugzeuge und 600 Busse mit Protestierenden

"Wir sind aber auch hier, um den werdenden Müttern zu zeigen, dass sie nicht alleine sind. Dass wir Millionen sind, die sie unterstützten werden", sagte Blanco weiter und forderte die regierenden Sozialisten wie die konservative Opposition (PP) auf, alles dafür zu tun, um in Spanien die Kultur des Lebens und nicht des Tötens ungeborenen Lebens aufrecht zu erhalten.

Die Organisatoren charterten sogar drei Flugzeuge sowie 600 Busse, um Menschen aus allen Teilen Spaniens in die Hauptstadt zum Protestmarsch zu bringen. "Wir sind bereits um sechs Uhr früh losgefahren, um an diesem Marsch für das Leben teilnehmen zu können und gegen die Abtreibung zu protestieren", erklärte der 21-jährige David aus Sevilla, der zusammen mit 45 Mitgliedern einer katholischen Basisvereinigung aus der andalusischen Provinzhauptstadt nach Madrid gekommen war.

Gleich daneben befand sich im Protestzug Maria Angeles aus Barcelona. Die 45-jährige Mutter war mit ihrem Mann und ihren drei Kindern nach Madrid gekommen, um vor allem für mehr Unterstützung von werdenden Müttern protestieren, die sich trotz schwieriger Situationen gegen die Abtreibung entscheiden. Unter den Demonstranten befanden sich vor allem Familien mit Kindern.

"Abtreibung ist Genozid"

Auf Tausenden von Plakaten und Luftballons waren Sprüche wie "Abtreibung ist Genozid" oder "Lass mich bitte leben" zu lesen. Andere Demonstranten hielten Fotos von Ultraschallaufnahmen mit Embryos in die Luft. Zur Teilnahme an der Massenkundgebung hatte auch die Kirche aufgerufen. Vertreter der Bischofskonferenz nahmen aufgrund des nicht konfessionellen Charakters der Kundgebung allerdings nicht an der Demonstration teil.

Dafür waren aber zahlreiche Vertreter der konservativen Volkspartei wie PP-Generalsekretärin Maria Dolores de Cospedal, Ex-Premier Aznar sowie Madrids konservative Regionalpräsidentin Esperanza Aguirre anwesend. Aguirre kritisierte das geplante Abtreibungsrecht der sozialistischen Regierung als regelrechte "Provokation", die sich gegen "die Hälfte der spanische Bevölkerung" richte.

Spaniens stellvertretende Ministerpräsidentin Maria Teresa de la Vega (PSOE) hingegen warf der Opposition "Scheinheiligkeit" vor und erinnerte die Konservativen daran, dass während ihrer Regierungszeit in Spanien eine halbe Million Abtreibung durchgeführt wurden und sie still hielten.

Nur noch Geld-, nicht Gefängnisstrafe

Ende September hatte die sozialistische Regierung eine Gesetzesvorlage gebilligt, die eine deutliche Lockerung des restriktiven Abtreibungsrechts in Spanien vorsieht und die bisher geltende Indikationslösung durch eine Fristenregelung ersetzen soll. Danach sollen Schwangerschaftsabbrüche künftig bis zur 14. Woche straffrei bleiben.

In Sonderfällen - wie bei gesundheitlichen Gefahren für die Frau oder bei schweren Missbildungen des Fötus - sollen Abtreibungen bis zur 22. Schwangerschaftswoche zulässig sein. Für spätere Abtreibungen ist das Einverständnis eines Ärztekomitees erforderlich. Eine weitere Neuerung: Lässt eine Frau außerhalb dieses Rahmens abtreiben, droht ihr nicht mehr wie bisher eine Gefängnisstrafe, sondern nur noch eine Geldstrafe.

Vom konservativsten zum liberalsten Gesetz

Nach der derzeitigen Gesetzgebung aus dem Jahre 1985 sind Abtreibungen in Spanien grundsätzlich verboten. Nur in Ausnahmefällen sind sie zugelassen, wie nach Vergewaltigungen, bei Missbildungen des Fötus oder bei Gefahren für die physische oder psychische Gesundheit der Schwangeren. Gewöhnlich haben abtreibungswillige Frauen in Spanien in den letzten Jahren kein Problem gehabt, sich das Risiko psychischer Gesundheitsschäden bescheinigen zu lassen.

So verdoppelte sich die Zahl der Abtreibungen in den vergangenen zehn Jahren auf fast über 112.000. Für besonders heftige Debatten sorgte allerdings das in dem neuen Abtreibungsgesetz vorgesehene Recht von Mädchen ab 16 Jahren, ohne Wissen oder Einverständnis ihrer Eltern abtreiben zu lassen.

Sollte der von der Regierung beschlossene Gesetzentwurf im Winter oder spätestens im kommenden Frühjahr vom Parlament abgesegnet werden, wird Spanien eines der liberalsten Abtreibungsrechte der Welt haben.

 

(Ag.)

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9 Kommentare
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Abtreibung ist nicht positiv zu werten...

Verhütung ist besser! (Enthaltsamkeit wird wirklich nur von realitätsfremden Spinnern gefordert)

...schlussendlich ist aber die Entscheidung der Frau ob Sie bereit ist ein Kind zu empfangen oder nicht. Daher bin ich sicherlich kein Unterstützer von Abtreibungen aber PRO persönliche Wahlfreiheit!

Gast: Ein Argwöhner
18.10.2009 15:34
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Hohle Lippenbekenntnisse oder neues Paradigma der Abtreibungsfrage

Herr Blanco bietet den Betroffenen die Unterstützung der Millionen an: 'Wir sind aber auch hier, um den werdenden Müttern zu zeigen, dass sie nicht alleine sind. Dass wir Millionen sind, die sie unterstützen werden'.

Warum erst jetzt? Hier zeigt sich die Gesinnung der Millionen.

Die Not der Betroffenen ist längst bekannt und bewußt gemaßt. Sonst wäre nie an einem Gesetzesentwurf gearbeitet worden. Hätten die Millionen, die sich jetzt gegen die Aufweichung der Abtreibungsbestimmungen wehren, eher ihre Bereitschaft gezeigt und gelebt, stände die Aufweichung gar nicht zur Diskussion. So aber ist die Aufweichung ultima ratio, die Not zu lindern.

Außerdem steht eine Aufweichung nicht dem hehren Angebot der Millionen entgegen. Lebten die Millionen die angebotene Unterstützung, verkommt die Aufweichung zu totem Recht.

Dann haben die Millionen die Aufweicher und die nach Aufweichung Schreienden Lügen gestraft. Einen besseren Beweis, daß es einer Aufweichung nicht bedarf, gibt es nicht.

Mit ihrem Bekenntnis haben die Millionen die Verantwortung an der Tötung ungeborenen Lebens ins Bewußtsein gerufen und für die Zukunft übernommen. Die Aufweichung als totes Recht zu entlarven, sollte die Millionen anspornen.

Und ich bin überzeugt, daß die Millionen bei künftigen Wahlen, die künftige Regierungen die gesetzliche Verankerung der von Ihnen angebotenen Unterstützung sicherstellen werden.

Antworten Gast: Ein Ätzer
18.10.2009 16:16
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Re: Hohle Lippenbekenntnisse oder neues Paradigma der Abtreibungsfrage

Ihre Anmerkung ist durchwegs richtig, trifft aber noch nicht in den Kern.

Nicht die werdende Mutter tötet, sondern die fehlende Unterstützung. Eine werdende Mutter tötet nicht ohne Not. Nur wenige Mütter können, auf sich allein gestellt, Kinder gehörig aufziehen. Das ist die Not, die eine werdende Mutter vor die Entscheidung für das Kind stellt.

Die werdende Mutter sieht das Leid der Mütter, die sich für das Kind entschieden haben, und deren Enttäuschung über die angepriesene, aber letztendlich verweigerte Unterstützung.

Sobald aber werdende Mütter sehen, daß Mütter nach der Entbindung die gepriesene Unterstützung tatsächlich erhalten, haben sie keinen Grund abzutreiben.

Das Gesetz verpflichtet keine Mutter zur Abtreibung. Das Gesetz sollte vielmehr die Gesellschaft zu tatsächlicher Unterstützung sonst notleidender Mütter antreiben. Die verbleibenden Abtreibungsfälle können dann hinterfragt werden, um die Unterstützung nachhaltig zu verbessern.

Schande dem, der den ersten Stein wirft...

Gast: Gast
18.10.2009 15:19
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Linke Lebensfeindlichkeit!

Sozialistischer Wahnsinn hier wie dort:
In Österreich werden jährlich rund 80.000 Kinder geboren und schätzungsweise 30.000 bis 40.000 Ungeborene im Mutterleib getötet, ermordet...

Das wird gemäß der sozialistischen Ideologie gebührend gefeiert, z.B. im Wiener Rathaus.

Um die negative Geburtenbilanz dann wieder auszugleichen, braucht es - nach den Sozialisten - moslemische Gebärmaschinen, die ebenfalls gefeiert, hofiert und gefördert werden...


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Re: Linke Lebensfeindlichkeit!

Das muss ja fast als Erfolg gefeiert werden!
Stellen Sie sich vor es wären 30.000 - 40.000 Kinder geboren worden, die nicht von Ihren Müttern GEWOLLT wären und dadurch möglicherweise in furchtbaren Verhältnissen aufgewachsen wären!

Kinder haben ein Recht auf eine GUTE ZUKUNFT! Mütter, die sich nicht BEREIT fühlen eine Kind zu bekommen, sollten dies auch nicht tun.

Gast: Fidel Gastro
18.10.2009 13:15
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"Abtreibung ist Genozid"

Der industriell durchgeführte Massenmord an ungeborenen Kindern ist das größte Verbrechen in der Geschichte der Menschheit! Hoffentlich wird das Gesetz gekippt! So etwas als "liberal" zu bezeichnen ist Teil der Gehirnwäsche zur Unterstützung dieses Verbrechens!

Gast: hans peter hurka
18.10.2009 11:34
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zivilcourage

finde ich gut, dass es in spanien so viele leute mit zivilcourage gibt, die sich trauen gegen die abtreibung auf die strasse zu gehen und für das recht auf leben für alle einstehen! nur mut, weiter so!

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Gut so!

FÜR die Trennung von Religion uns Staat und GEGEN jeglichen Einfluss christlicher Fanatiker auf die persönliche Familienpolitik!!! Abtreibung ist und bleibt eine Entscheidung der Frau, nicht die eines asexuellen Priesters!

Antworten Gast: also
18.10.2009 14:56
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Re: Gut so!

abtreibung hat weder was mit der persönlichen entscheidung der frau noch mit der entscheidung irgendwelcher priester oder pfaffen zu tun..abtreibung ist und bleibt ein einfacher ,ziemlich brutaler ,mord an einen ungeborenen KIND....das ist ein FAKTUM.....
deshalb gehört abtreibung , so wie mord , auch verboten..egal was priesterlinge pfaffen von sich geben .....es ist auch nicht die persönliche entscheidung der frau ihr werdendes kind aus der gebährmutter rauszukratzen zu lassen ( denn genau dies passiert bei einer abtreibung - sehen sie sich einmal eine abtreibungvideo an ) sondern aufgabe des staates das werdende so wie auch das bestehende leben unter allen umständen zu schützen...DIE ENTSCHEIDUNG der frau wird ziemlich genau neun monate vor der geburt getroffen.....nämlich beim geschlechtsakt ..den zu vollziehen oder nicht zu vollziehen ihr alleine obliegt...
das werdende leben ist die natürliche reaktion aus diesem , selbst verantworteten, akt ... UND dies hat NICHTS mit ideoloie oder religion oder ähnlichen schwachsinns zu tun sondern nur mit der natur selbst......aber was soll man sagen mir kommt diese diskussion so vor als ob wir unter den barbaren leben würden.....