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Wie ein Provinzscheich Deutschland das Fürchten lehrte

06.11.2009 | 18:12 |  Von unserem Korrespondenten KARIM EL-GAWHARY (Die Presse)

Der Aufruf eines Scheichs, den Mord an einer Ägypterin zu rächen, hat Deutschland in Alarmbereitschaft versetzt. Nun hat sich der Imam als islamistischer Wichtigtuer entpuppt.

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Kairo/Dresden. 50.000 Euro hat die Panzerglasscheibe gekostet, die Alex W., den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa El-Scherbini, vor seinem Attentäter schützen soll. Vor einem Angreifer aus den Tiefen des Internets. Da zumindest will ihn das sächsische Landeskriminalamt (LKA) gefunden haben. Und Spiegel Online hat den Fund am 25.Oktober unter dem Titel „Mordaufruf zur Rache für Marwa“ verbreitet.

Spiegel Online berichtete, dass vor dem Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der damals schwangeren Ägypterin in Dresden ein Mordaufruf aufgetaucht sei. In einer einstündigen Botschaft legte Scheich Ihab Adli Abu al-Madschd in Deutschland lebenden Muslimen nahe, den Angeklagten zu töten. Dafür stellte er Gottes Lohn in Aussicht.

Die Informationen stammen anscheinend vom sächsischen LKA. Denn das, so schreibt Spiegel Online, habe die Botschaft ausgewertet und gehe von „einer Bedrohungssituation“ aus. Die LKA-Analysen seien auch der Grund für die Sicherheitsvorkehrungen beim Dresdner Prozess.

Die Vorgeschichte: Alex W. hatte El-Sherbini auf einem Spielplatz in Dresden als „Islamistin“ und „Terroristin“ beschimpft und war zu einer Geldstrafe verurteilt worden. In der Berufungsverhandlung am 1.Juli tötete er dann die schwangere 31-jährige Moslemin mit 16Messerstichen im Gerichtssaal. Ihren Mann, der sie schützen wollte, verletzte er lebensgefährlich. Nun wird dem 28-jährige Alex W. der Mordprozess gemacht, ihm droht lebenslängliche Haft.

Aber wer ist dieser ominöse und offenbar so gefährliche Scheich, der den Angeklagten tot sehen will? Eine kurze Internetrecherche und eine Anfrage per E-Mail an Scheich Ihab Adli Abu al Madschd genügten. Sechs Tage später meldet er sich und ist bereit zu einem Treffen. Bei der einstündigen Botschaft auf einer der Internetseiten der radikalen Islamisten handle es sich eigentlich um eine Freitagspredigt, die er in einer Moschee in Tanta, einer Provinzstadt im Nildelta, im Sommer gehalten hat.

 

„Kein Recht steht über dem Koran“

Zwei Tage später in Ägyptens Hauptstadt Kairo: Der Scheich sieht genau so aus, wie man sich folkloristisch einen radikalen Islamisten vorstellt – mit Bart, die Kopfhaare geschoren. Der 39-Jährige ist sichtlich erfreut über das Medieninteresse. Er hat kein Problem damit, seinen Mordaufruf noch einmal zu wiederholen. Hier gehe es um einen vorsätzlichen Meuchelmord an einer Moslemin, sagt er. Dafür sei in der Sharia, dem islamischen Recht, die Todesstrafe vorgesehen. „Es geht hier nicht um die Tat gegen einen Einzelnen, sondern gegen das Recht Gottes, und es ist die Pflicht jedes Moslems, dieses Recht durchzusetzen,“ meint er. Auf den Einwand, dass er sich damit über nationales deutsches Recht stellt, zieht er einen kleinen Koran hervor: „Nicht ich stehe über dem Recht, dieses Buch steht über allem, auch dem ägyptischen Recht,“ erwidert er.

Der Rest des Gesprächs verläuft sich in der wirren Welt eines radikalen Islamisten. Der Vorwurf, dass durch seine im Internet verbreitete Botschaft in Deutschland anstatt über den Mord an einer Moslemin über mögliche islamische Racheaktionen diskutiert wurde, lässt ihn kalt. „Mit meinem Aufruf habe ich das deutsche Gericht unter Druck gesetzt, und das ist gut.“

Starke Worte. Aber wie viel Gewicht hat ein Provinzscheich, der seine Predigten ins Internet stellt? Sein ebenfalls ins Internet gestellter Lebenslauf besagt lediglich, dass er Maschinenbau studiert hat und in Saudiarabien den Koran studiert hat und diesen auswendig kann. Ein offizieller Abschluss als islamischer Rechtsgelehrter wird dort nicht erwähnt.

 

Unbedeutender Imam

Auch ein von radikalen Islamisten frequentiertes Internetforum gibt keine Antworten. Offensichtlich ist der Scheich aus Tanta in der fundamentalistischen Szene nicht sonderlich bekannt. Ein Anruf bei Dia Raschwan, Ägyptens prominentem Experten für militanten und radikalen Islam, beim Al-Ahram-Zentrum für strategische Studien – das gleiche Resultat: „Ich erforsche die ägyptische Islamisten-Szene schon seit Jahren, aber von diesem Mann habe ich noch nie gehört,“ sagt Raschwan. „Wir erleben in Ägypten eine Welle des radikalen Islam, aber dieser Scheich spielt darin keine Rolle,“ fügt er hinzu. Die Einzigen, die ihn bekannt machten und ihm eine Plattform geben, seien die Medien in Deutschland, beklagt der ägyptische Islamisten-Experte.

Sind das sächsische LKA und der „Spiegel“ einem fundamentalistischem Schaumschläger aufgesessen? Wenigstens ein hochrangiger islamischer Rechtsgelehrter der Azhar- Universität, einer der wichtigsten Autoritäten im sunnitischen Islam, hat schon einmal von Scheich Abu al Madschd gehört. „Dieser Mann ist ein unbedeutender Imam in einer vollkommen unbedeutenden Moschee in einem unbedeutenden Dorf, fernab des Zentrums islamischer Rechtsprechung,“ lautet Scheich Farahat El Monguis vernichtendes Urteil. Strafen könnten im Islam nicht einzelne Personen oder irgendwelche Scheichs aussprechen, das bleibe allein Richtern und Gerichten überlassen, kontert der islamische Rechtsgelehrte. Das Verbrechen müsse nach den Gesetzen des Landes beurteilt werden, in dem es stattgefunden hat.

 

Virtuelle Aufgeblasenheit

Eine Meldung und ihre Geschichte. Von der Hinterhofmoschee im Nildelta über die virtuelle Autobahn zur Gefährdungsanalyse des sächsischen LKA und wieder zurück ins Internet bei Spiegel Online, um dann über die Deutsche Presseagentur in Tageszeitungen zu landen. Die medialen Wege der islamischen Rache sind verschlungen. Mancher Scheich, der sich in der virtuellen Welt aufbläst, ist in der realen Welt kein Panzerglas wert. Manchmal reicht es vielleicht einfach, ihn zu hinterfragen.

AUF EINEN BLICK

Scheich Ihab Adli Abu al Madschd ist Imam einer Moschee in der ägyptischen Provinzstadt Tanta im Nildelta. Die einstündige Audiobotschaft, in welcher der 39-Jährige zum Mord an Alex W. in Dresden aufruft, war eine Freitagspredigt, die im Internet auf einer Seite von Islamisten landete. Islamische Rechtsgelehrte sprechen dem Scheich jegliche Autorität ab. Er sei nicht dazu befugt, Strafen auszusprechen. [Mike Atef]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2009)

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14 Kommentare
Gast: maw
07.11.2009 18:41
0 0

...

"Der Rest des Gesprächs verläuft sich in der wirren Welt eines radikalen Islamisten." ... das erinnert mich an meine Konversation mit einem Kreationisten, hatte auch ganz schön irre Tendenzen dieser radikale Fanatiker ... Religionen sind doch die Wurzel allen Übels !

Was mich überrascht, ist die immer noch geduldete Radikalisierung gerade derer, die sonst immer klagen, sie würden diskriminiert, und mit ihrer Radikalisierung aber gerade eben alle anderen diskriminieren.

lurch
07.11.2009 18:29
2 0

was denn noch

Daß in manchen Ländern irgend welche fragwürdige Kreaturen das Sagen haben, daran kann man sich ja noch gewöhnen. Aber daß deshalb die Regierung eines europäischen Landes die Hosen voll hat, daran sollte man sich nicht gewöhnen.


Gast: manal
07.11.2009 15:14
0 0

ein Fall für das Gericht...

Hoffentlich gibt es auch nach ägyptischen Rechtsgrundsätzen eine adäquate Strafe für Mordaufrufe bzw. Selbstjustiz!

anna89
07.11.2009 12:47
2 0

Aaa .... eine Frage:


Warum das Trara?

Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit erspart Kosten der Panzerglasscheibe, im Gefängnis kann ihn dann sowieso niemand mehr schützen, den Hirnkranken.

Die 50.000 wären bei notleidenden Familien mit Kindern besser angelgt - wieder einmal ein Paradebeispiel des Justiziagehorsams deutscher Eiferer. Das ist richtig abartig. Die sparen sich überall krank, aber in Sachen Recht und Gesetz und ist es noch so absurd - ist nichts zu teuer. Da wird alles aufgeblasen bis zum Gehtnichtmehr, aus jedem Bröserl eine Bedrohung gemacht. Ziemlich krank, die deutsche Seele.

Antworten Gast: Grummelbart
09.11.2009 15:30
0 0

Re: Aaa .... eine Frage:

Ich hoffe, sie beziehen sich nur auf Deutschland.

In Österreich wird nämlich auch bei der Justiz gespart, bis sich die Balken biegen.

modestus
07.11.2009 11:00
4 0

gawhary...verniedlicher

noch nicht lange her, da hat gawhary behauptet es gäbe gar keine fatwa und das ganze sei eine finte die öffentliche meinung weg von alex w. auf die gewalttätigen muslime zu lenken.
zitat gawhary...im internet nicht zu finden...nun er hat nicht gefunden, denn jetzt ist die fatwa aufgetaucht.
kein wort der korrektur von gawhary, dafür verniedlichung..ein unbedeutender scheich, eine unbedeitende hinterhof moschee...etc..
dabei ist es irrelevant wie unbedeutend der imam ist...seine fatwa ist mörderisch und sein anspruch, dass der koran über den deutschen gesetzen steht, gefährlich...egal wie unbedeutend herr gawhary den imam hält.

Gast: Gast
07.11.2009 07:32
6 0

Der Aufruf diesen Mord zu rächen scheint symptomatisch


Der brutale Mörder von Dresden sitzt jetzt vor Gericht und wird seine
Strafe für diese fürchterliche Tat erhalten.

Was erstaunt ist, immerhin eher ein Einzelfall,
der weltweite riesige Proteste von Regierungen, Mullahs, bis hin zu Mordaufrufen.

Christenmorde die täglich weltweit passieren, sind gerade mal eine Nachricht mit 5 Zeilen
in den Gazetten wert. Warum ist das so?

Von den weltweit rund 2,2 Milliarden Christen leiden ca. 230 Millionen
– also etwa jeder zehnte Christ –
wegen ihres Glaubens unter Diskriminierungen, schwerwiegenden Benachteiligungen und zum Teil heftigen Anfeindungen bis hin zu Verfolgung und Tod.
Bericht:Deutsche Evangelische Allianz - Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM).

http://www.gemeindenetzwerk.org/?p=922#more-922

Antonius Leitner von „Christian Solidarity International“ (CSI) geht von weltweit

175.000 Christen aus,
die jedes Jahr
wegen ihrer Religion
ihr Leben lassen müssen.

http://www.yigg.de/nachrichten/tagged/christenverfolgung

Gast: alterleser
07.11.2009 07:12
8 0

dank feiger und unfähiger politiker

hat die bevölkerung diese islambrüder samt anhängiger grossfamilien am hals. sie zahlt für ihre wehwechen, ihre wohnungen, die ausbildung ihrer kinder etc., ohne je etwas zurückzubekommen ausser hass und herabwürdigung ihrer werte.

Antworten Gast: Sam
07.11.2009 17:29
2 0

Re: dank feiger und unfähiger politiker

Außer den Sozial und Gesundheitsbereich zu schädigen und der Bevölkerung mit ihrer Penetranz sich über Regeln hinwegzusetzen, das Leben schwer zu machen, haben die Muslime nichts zu bieten.
Sie leben meist in einer Parallelgesellschaft, sind integrationsunwillig und fühlen sich noch dazu permanent benachteiligt. Die Kopftüchlweiber blicken arrogant auf die dekatenten Ungläubigen und Teile dieser Unverschämten wollen sogar die Scharia eingeführt haben.
Unsere feigen und unfähigen Politiker sehen diesem Treiben tatenlos zu.Doch der Tag wird kommen, an dem der Volkszorn nicht mehr zu bremsen sein wird !!!!!!

mehrdad
06.11.2009 19:43
14 1

klar doch...

alles auegblasen und ein missverständnis.

die pure angst vieler kabaretisten, schriftsteller, journalisten..., die zu selbstzensur in sachen islam führt ist sicher auch aufgeblasen.

und dasselbe gilt natürlich auch für todes-fatwahs gegen abtrünige und kritiker, die manchmal auch vollstreckt werden.

der islam ist die grösste gefahr für freigeister und freiheit.

seligman 4
07.11.2009 16:08
2 0

Re: klar doch...

falsch. de facto ist die größte gefahr für freidenker und die freiheit der linke kulturrelativismus der dem eigentlich sonst in allem ziemlich erfolglosen islam erst zu der macht verholfen hat die er heute besitzt.

Re: klar doch...

Die Linken sollen leiden
Die Rechten können warten

Antworten Gast: klartext
07.11.2009 01:25
9 0

sie haben vollkommen recht mit ihrer kritik

Es ist in der Tat so, dass die europäischen Medien in Puncto Gewalt durch Moslems verharmlosen, unter den Tisch kehren und beschönigen.

Wo sind zB. die Berichte über den Moslem (Palästinenser) der kürzlich 13 Menschen in den USA beinhart gekillt hat?

In den Nachrichtensendungen im Fernsehen wird entweder gar nicht berichtet. Oder es wird von einem amerikanischen Täter - der rein zufällig Moslem ist - gesprochen. Dass dieser eben kein gebürtiger Amerikaner ist, sondern aus einer Zuwandererfamilie stammt wird einfach so verschwiegen.

Die Wahrheit wird verdreht und die Bürger werden entweder nicht informiert oder bewußt hinters Licht geführt.

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