Mit einer Schweigeminute auf allen US-Militärstützpunkten weltweit haben am Freitag Hunderttausende Soldaten den Opfern des Amoklaufs in Fort Hood (Texas) gedacht. Unterdessen ging die Suche nach dem Motiv des muslimischen Militär-Psychiaters weiter, der am Vortag auf dem größten Stützpunkt in den USA 13 Menschen getötet und 30 verletzt hatte. 23 von ihnen befanden sich am Samstag noch im Krankenhaus, etwa die Hälfte davon auf der Intensivstation. Präsident Barack Obama hat einen Staatsbesuch in Japan verschoben, um an der Trauerzeremonie für die Opfer teilzunehmen.
Der mutmaßliche Amokläufer liegt im Koma, sein Zustand ist aber nach Spitalsangaben stabil. Major Nidal Malik Hasan wurde von vier Schüssen getroffen, die eine zivile Polizeibeamtin abfeuerte, die bei dem Blutbad selbst verwundet wurde. Wie Militärs mitteilten, wurde der Täter mittlerweile, zum Teil aus Sicherheitsgründen, von einem zivilen Krankenhaus in eine Militärklinik im texanischen San Antonio verlegt.
Alpträume und arabische Kleidung
US-Medien berichteten am Freitag, der 39-Jährige habe deswegen Alpträume gehabt. Hasan sollte als Mitglied einer Reserveeinheit, die Soldaten mit psychischen Störungen betreut, in Afghanistan stationiert werden, so eine Heeressprecherin. Er lehnte dies aber ab. Zuvor hatte es aus unterschiedlichen Quellen geheißen, er solle in den Irak. Der gläubige Muslim palästinensischer Abstammung hatte sich öffentlich gegen die Kriege in Irak und Afghanistan geäußert.
Ermittler durchsuchten die Wohnung des Todesschützen in Killeen (Texas) in der Hoffnung, Hinweise auf die Hintergründe zu finden. Er habe unlängst begonnen, seine Möbel sowie anderes Hab und Gut wegzugeben, darunter auch einen Koran, meldete die Zeitung "Killeen Daily Herald". In den vergangenen Wochen habe Hasan zudem begonnen "arabische Kleidung" zu tragen, berichteten Nachbarn.
Isoliert und schikaniert
Zeugen berichteten, Hasan habe "Allahu Akhbar" (Gott ist groß) gerufen, als er das Feuer eröffnete. Der Todesschütze gilt als strenggläubiger Muslim, der mindestens einmal am Tag betete. Eine Tante des 39-Jährigen, Noel Hasan, sagte der "Washington Post", er sei seit den verheerenden Terroranschlägen vom 11. September 2001 wegen seines Glaubens immer wieder schikaniert worden.
Der unverheiratete Hasan war nach Medienberichten erst seit Juli in Fort Hood stationiert und soll schon seit langem eine Entsendung in ein Krisengebiet gefürchtet haben. Auch habe er die Einsätze im Irak und in Afghanistan vor anderen kritisiert. Ein langjähriger Mitarbeiter sagte der "Washington Post", er habe als Einzelgänger mit "ungewöhnlichem" Auftreten gegolten. Viele Kollegen hätten deshalb vermieden, ihm Patienten zu schicken.
(Ag.)






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