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Die ungeimpfte Impferin bei der ärztlichen Akkordarbeit

14.11.2009 | 17:56 |  von Georgia Meinhart (Die Presse)

Für Ärztinnen wie Ursula Leinich bedeutet die H1N1-Impfaktion Akkordarbeit. Sie selbst ist nicht geimpft. "Das Monsterprogramm", meint sie, diene vor allem der Beruhigung.

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Drei Schritte: zwischen dem Tisch, auf dem Serum und Spritzen liegen, und dem Stuhl, auf dem die Patienten mit nacktem Oberarm warten. Nur drei Schritte, ansonsten ein Stehen und Bücken, die ganze Schicht, die ganzen fünf Stunden lang, bis zu 200Menschen am Tag. Das geht ins Kreuz.

Ursula Leinich ist Allgemeinmedizinerin. Im Gesundheitszentrum Mariahilf in Wien verabreicht sie an normalen Tagen Infusionen, macht Vorsorge- und Mutter-Kind-Untersuchungen, leistet Erste Hilfe und ab und zu impft sie auch: gegen die Krankheiten, die Zecken übertragen, oder gegen Hepatitis, hin und wieder spritzt sie Insulin. Aber die letzten Tage waren nicht normal, sie waren „das Monsterprogramm“, wie die 54-Jährige sagt, etwas, das Leinich in ihrer Karriere noch nicht erlebt hat. Es bedeutet Impfen im Akkord, in zwei Schichten gegen die Neue Grippe. Bei den Gebietskrankenkassen wurden in der vergangenen Woche alle verfügbaren Ärzte dafür rekrutiert: Orthopäden genauso wie Allgemeinmediziner wie Leinich. Kontrollärzte, die üblicherweise Krankenstände überprüfen, genauso wie Kinderärzte.

 

Konstruierte Angst. Es mussten Zentren gebildet werden, Impfstraßen, in denen der verderbliche Impfstoff zügig verabreicht werden konnte. Wie erwartet, kam der Ansturm, und die Nachfrage nach der Immunisierung wird nur langsam schwächer. Es seien viele, die geimpft werden wollen, viele, die eigentlich gar nicht gefährdet seien, meint Leinich. Weggeschickt wird aber niemand: „Wir müssen das durchziehen.“ Sie selbst ist nicht geimpft, nicht gegen die „normale“ Influenza, nicht gegen die Neue Grippe. Weil sie, wie Leinich sagt, sich nicht fürchtet vor dieser Krankheit.

Die Stimmung sei aber bestimmt durch eine „konstruierte Angst“, die damit begonnen habe, dass in Mexiko auch anscheinend junge und gesunde Menschen an der Neuen Grippe starben. Die Ärztin spricht von den sanitären und hygienischen Bedingungen in Mexiko, die nicht vergleichbar seien mit jenen in Europa. Aber kurz vor dem Start der Impfaktion kam auch die Meldung über den ersten Todesfall in Österreich. Da kippte die Stimmung: „Die Angst wurde durch Medienberichte über komplizierte Krankheitsverläufe aufgebaut. Aber jedes Jahr sterben Menschen an der Grippe, nur an der Schweinegrippe darf man offenbar nicht sterben.“ Leinich gehört nun zur landesweiten Impfarmada, die mit ihren Spritzen vor allem eines bekämpft: die rasante Ausbreitung der Panik. Ist das sinnvoll? „Ja“, meint Leinich, „insofern, als man Leuten hilft, die sich fürchten und ihnen ihre Sorge nimmt. Das ist die Mühe wert.“ Noch anstrengender als das stundenlange Stehen und Bücken, findet sie, sei es, sich alle paar Minuten auf einen anderen Patienten einzustellen, auf unterschiedliche Persönlichkeiten, und geistig wach zu bleiben.

Leinich selbst wird sich auch in Zukunft nicht impfen lassen. Weil sie nicht zur Risikogruppe gehört, nicht chronisch krank ist, das war schon immer ihre Meinung, halte sie Abstand zur Spritze. Allerdings, und das passiert ihr nun erstmals nach fast 30 Jahren im Job, überlegt sie, ob sie damit noch recht habe: „Wenn man diese Massen sieht, überlegt man, ob es nicht doch besser wäre.“ Wenn Leinich das sagt, lächelt sie. So, als sei sie selbst davon überrascht, was sie sagt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2009)

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14 Kommentare
Gast: für aquilo
27.11.2009 16:25
0 0

Gleichnis von der Wirksamkeit der klassischen Medizin (kein Witz!)

Ein Arzt stellt mitten in der Nacht fest, dass sein Keller unter Wasser steht. Sofort ruft er einen Installateur an. Dieser weigert sich allerdings, zu dieser späten Stunde noch zu kommen. Der Arzt ist entrüstet und erklärt, dass er auch mitten in der Nacht kommen muss , wenn er zu einem Notfall gerufen wird. Eine Viertelstunde später ist der Installateur da. Gemeinsam mit dem Arzt betritt er die Kellertreppe, die bereits zur Hälfte unter Wasser steht. Der Installateur öffnet seine Tasche, holt zwei Dichtungsringe heraus, wirft diese ins Wasser und sagt:
"Okay Herr Doktor, und wenn es bis morgen nicht besser ist, rufen Sie wieder an."

Birgit 68
16.11.2009 12:56
0 2

Hausverstand?

Bei der (Schweine)grippe haben die meisten, so wie auch ich, mehr Angst vor den Nebenwirkungen der Impfung (z. B. vor dem Quecksilber in der Impfung) als vor der Krankheit selbst.
Zudem verhindert die Impfung die Möglichkeit einer 100%igen Immunisierung.
Es ist wie bei der FSME Impfung: Einmal geimpft, immer geimpft, da dann keine 100%ige, lebenslange Immunität mehr aufgebaut werden könne, wie es bei einer Infektion der Fall wäre, die im Falle der FSME z. B. Kinder ganz leicht aufbauen können sollen!

Bei der Schweinegrippe liegt dieser Vorteil vor allem bei den Erwachsenen.
Manche Krankheiten mus man einfach durchmachen, um dann evt. auch mit gefährlicheren Erregern fertig werden zu können.

Antworten aquilo
21.11.2009 22:45
0 0

Re: Hausverstand?

Ihre Lernfähigkeit läßt zu wünschen übrig.
Wieder mal unterwegs mit den Kaleuern der dogmatischen Impfgegner?
Es sit dorch schön, wenn man ein bisserl "lieber Gott" spielen kann und daher auf eine echten gefahrlosen Schutz verzichtet!

Antworten Antworten Birgit 68
24.11.2009 09:58
0 1

Re: Re: Hausverstand?

Andere Frage: Haben Sie sich überhaupt impfen lassen, oder mussten Sie die Schweinegrippe, so wie ich, eh auch so nicht durchmachen?

Bei über 50 Jährigen nennt sich die Grippe höchstwahrscheinlich nicht Schweinegrippe, sondern saisonale Grippe, da die bereits in ihrer Kindheit die Chance dazu gehabt haben sollen, bleibende Antikörper gegen die Schweinegrippe zu entwickeln, es sei denn, sie sind damals schon geimpft worden, denn dann haben sie mittlerweile sicher keine Antikörper mehr dagegen!

Antworten Antworten Birgit 68
23.11.2009 12:23
0 1

Re: Re: Hausverstand?

2. Einwurf:
Lieber aquilo, es scheint als würden Sie das Prinzip einer aktiven Impfung (um die es hier geht) nicht verstehen:
Nicht die Impfung selbst bedingt die Immunisierung, denn das ist nur bei der passiven Impfung der Fall, sondern immer nur der Patient selbst.
Auch eine Impfung, bzw. deren Hersteller, ist also nicht im Stande, Gott zu spielen, kann also keine Immunisierung garantieren. Es kommt immer auf die Reaktion des Geimpften an.
In jedem Fall muss der Patient also selbst Gott spielen, um bei Ihrem Ausdruck zu bleiben.

Antworten Antworten Birgit 68
23.11.2009 09:08
0 2

Re: Re: Hausverstand?

Sie weigern sich, mir geistig zu folgen! Vielleicht können Sie aber auch einfach nicht (vielleicht irgend eine Art von Gruppenzwang)?

Andernfalls wären Sie ein ziemlicher Polemiker, dem es nur darauf ankommt, zu provozieren.

Antworten Antworten Antworten aquilo
24.11.2009 20:40
0 1

Ihnen folgen?

Das heißt doch die Umkehr der Aufklärung einleiten und sich Dogmatik und Esoterik zuwenden. Sie verzapfen transreale Vorstellungen. Dies ist für Homöopathen markentypisch. Gestandene Homöopathen verwechseln nicht Henne mit Ei sondern ihre Ausführungen und Vorstellungen sind so vermurxt, daß nicht zu erkennen was Henne und was Ei ist.
Das und noch mehr können's im Pillendreh nachlesen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Birgit 68
26.11.2009 14:41
0 0

Re: Ihnen folgen?

Übrigens:
Was hat eigentlich die Dogmatik der katholischen Kirche mit Homöopathie zu tun?

Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass die Hochschulmedizin mit ihrer Schweinegrippeimpfung in dem Maße wirkt, wie die Homöopathie bei ihnen versagt!

Sie sind doch geimpft, oder?

Antworten Antworten Antworten Antworten Birgit 68
24.11.2009 22:11
0 0

Re: Ihnen folgen?

Esoterik und Homöopathie ist hier nicht das Thema.
Über Impfungen, und die Schweinegrippeimpfung im Speziellen haben Sie wohl nicht viel zu sagen?
Außer vielleicht, dass sie gut sein müssen, weil sie nicht homöopathisch sind, gell?
-Aber: funktionieren nicht auch Desensibilisierungen nach dem Prinzip einer Impfung? Sind die nun gut, oder schlecht?

Antworten Antworten Antworten aquilo
24.11.2009 20:34
0 0

Ihnen folgen?


Gast: Dr. Herbert Kainberger
15.11.2009 18:18
1 1

H1N1-Impfung

Die Bereitschaft vieler Menschen sich impfen zu lassen zeigt, dass sie noch den berühmten Hausverstand besitzen und sich nicht durch alle möglichen Verschwörungstheorien und Schaudermärchen (betr. Schädlichkeit/Gefährlichkeit von Impstoffen) beeindrucken lassen. Schließlich ist eine Grippe auf keinen Fall etwas das man "haben muss", auch wenn zum Glück bisher nur wenige Personen schwer erkrankt sind.

Antworten Gast: Nicosito
18.11.2009 10:07
1 2

Re: H1N1-Impfung

Die Bereitschaft aller anderen Menschen (und die sind zum Glück in der überwiegenden Mehrzahl), trotz intensivster Propaganda nicht zuletzt durch viele "gekauften" Politiker und Mediziener, auf die segenreiche Impfung zu verzichten und den realen täglichen Ängsten, Problemen aber auch Freuden und Hoffnungen zu begegnen, das, lieber Hr.Doktor, ist der berühmte Hausverstand!

Antworten Antworten aquilo
24.11.2009 20:53
0 0

Kleiner Verschwörungstheoretiker!

Mit Verschwörungstheorien beweist man vor allem Dummheit, aber die eigene!

Antworten Antworten Antworten Gast: Nicosito
07.03.2010 13:06
0 0

Re: Kleiner Verschwörungstheoretiker!

Die Dummheit hat sich aber bewahrheitet, oder?