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Aachen: Hochgefährliche Ausbrecher nehmen Geisel

27.11.2009 | 18:50 |   (DiePresse.com)

Ein verurteilter Mörder und ein Geiselnehmer sind aus einem Gefängnis in Aachen ausgebrochen und sind mit einer weiblichen Geisel nach Essen geflohen. Ein Wärter soll ihnen bei der Flucht geholfen haben.

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Ein Mörder und ein Geiselnehmer sind aus dem Aachener Gefängnis geflohen - vermutlich mit Hilfe eines Wärters. Der Bedienstete sei am Freitag unter dem Verdacht der Gefangenenbefreiung festgenommen worden, sagte Nordrhein-Westfalens Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter in Düsseldorf. Mit einem Taxi sind sie nach Köln und von dort mit einer weiblichen Geisel nach Essen gefahren. Dort ließen sie ihr Opfer frei. "Die Frau sitzt hier bei uns im Präsidium und ist unverletzt", sagte ein Polizeisprecher in Essen. Nach den beiden Schwerverbrechern werde nun in den südlichen Essener Stadtteilen Kettwig und Werden gefahndet.

Wie der Polizeisprecher sagte, hatten die beiden Männer die Frau in Köln angesprochen und sie gezwungen, mit ihnen nach Essen zu fahren. "Dort sind sie wegen Spritmangels stehen geblieben." Die Täter flüchteten zu Fuß und ließen die Frau in ihrem Auto sitzen. Nach Informationen der Zeitung "Bild" zogen sie sich in dem Wagen um und rasierten sich. Man könne noch nicht mit letzter Sicherheit sagen, dass es sich bei den beiden Tätern um die Ausbrecher Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski handle.

Die beiden extrem gefährlichen Schwerverbrecher hatten am Donnerstagabend fünf verschlossene Türen mit einem Schlüssel überwinden können. Gesucht werden der 50 Jahre alte Geiselnehmer Michael Heckhoff und der 46-jährige Mörder Peter Paul Michalski. Beide sind zu lebenslangen Haftstrafen und Sicherungsverwahrung verurteilt.

Erster Ausbruch aus dem Gefängnis

Heckhoff und Michalski hatten an der Außenschleuse des Gefängnisses gegen 20 Uhr einen weiteren Wärter überwältigt, der gerade von einer Kontrollfahrt zurückkam. Sie fesselten den Mann mit Handschellen und knebelten ihn. Aus einem Tresor in der Pforte der Anstalt raubten die zu Höchststrafen verurteilten Verbrecher zwei Pistolen und je acht Schuss Munition. In der Justizvollzugsanstalt Aachen gelten besonders hohe Sicherheitsstandards. Es ist der erste Ausbruch aus diesem Gefängnis.

Mit einem Taxi, das nach ersten Erkenntnissen zufällig vor der Anstalt hielt, entkamen die Männer. Gegen 20.20 schlugen zwei Justizvollzugsbeamte Alarm, als sie das Gefängnis nicht verlassen konnten, weil der Beamte in der Pforte nicht ansprechbar und verwirrt gewesen sei. Er wurde in eine Klinik gebracht und habe möglicherweise unter Schock gestanden.

Die Gewalttäter fuhren mit dem Taxi nach Kerpen und stiegen dort mitsamt dem Fahrer in ein zweites Taxi um, das sie nach Köln brachte. Dort verliert sich auf dem Bahnhofsplatz ihre Spur. Für die Fahrt nach Köln hätten die Männer bezahlt und die Fahrer auch nicht bedroht, sagte der Aachener Polizeipräsident Klaus Oelze. Warum der erste Fahrer freiwillig mit nach Köln gefahren sein soll, konnte Oelze nicht erklären.

Gewalttätig, hochgefährlich, bewaffnet

Die Polizei verteilte Fotos der beiden Flüchtigen an Taxi-Zentralen, informierte Krankenhäuser und verschärfte die Kontrollen an Bahnhöfen und Flughäfen. "Das sind zwei hochgefährliche Männer, gewalttätig und bewaffnet. Bitte keine Heldentaten!", warnte Oelze die Bevölkerung.

Bislang habe die in den 1980er Jahren gebaute Anstalt als absolut ausbruchsicher gegolten, sagte Gefängnis-Leiterin Reina Blikslager. Zur Zeit des Ausbruchs hätten sich die Gefangenen noch in ihren Abteilungen bewegen können. Die 771 Häftlinge seien zur Tatzeit von 42 Beamten bewacht worden.

Heckhoff gehört zu den gefährlichsten Geiselnehmern Deutschlands. Der 50-Jährige sitzt seit Anfang der 1980er Jahre mit kurzen Unterbrechungen im Gefängnis. Er war 1992 an einer Geiselnahme in Werl beteiligt. Dabei hatten er und ein Komplize mit einer täuschend echt gekneteten Pistolenattrappe aus Seife und Brot Geiseln in ihre Gewalt gebracht. Heckhoffs damaliger Komplize - ein Mehrfachmörder - übergoss einen Wärter und eine junge Arzthelferin mit Benzin und zündete sie vor dem Zugriff der Polizei an.

Nach Angaben des Justizministeriums in Düsseldorf sitzt Heckhoff seit gut einem Jahr im Aachener Gefängnis. Er sei wegen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Das Landgericht Köln habe die Mindesthaftzeit für ihn unlängst auf 21 Jahre festgesetzt.

Michalski sei 1988 festgenommen worden und seither nach bisherigen Erkenntnissen ununterbrochen in Haft. Das Landgericht Bielefeld habe gegen ihn 1995 wegen Mordes ebenfalls lebenslange Haft verhängt sowie die besondere Schwere der Schuld festgestellt und die anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet.

Heckhoff gilt als Mann, der schnell schießt. "Wenn er sich angegriffen fühlt und eine Schusswaffe hat, dann wird er von dieser Waffe wahrscheinlich Gebrauch machen", sagte der frühere Leiter der JVA Werl, Klaus Koepsel, der Heckhoff aus den 90er Jahren kennt. Der Schwerverbrecher habe nicht eingesehen, dass er sein Leben hinter Gittern verbringen müsse.

"Angepasst war er durchaus, wenn er irgendwie Vorteile daraus schinden wollte." Im Umgang mit Beamten sei er nicht aggressiv gewesen. Aber "draußen" werde er wahrscheinlich von der Schusswaffe Gebrauch machen, wenn ihn jemand angreife, sagte Koepsel. "Der hat nichts zu verlieren."

(Ag.)

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1 Kommentare
Gast: Fenstergucker
27.11.2009 08:25
3 0

Das ist doch allerhand -

Häftlingen sollte der Bestz von Schußwaffen verboten werden!