Missbrauch: Neue Mitwisser-Vorwürfe an den Papst

26.03.2010 | 18:45 |   (Die Presse)

Der Vatikan und die Münchener Diözese weisen neueste Beschuldigungen zurück. Laut jüngsten Vorwürfen soll Ratzinger schon 1996 auf konkrete Hinweise nicht reagiert haben.

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Wien/London/Rom (ag./som). Eine neue Anschuldigung haben die „New York Times“ am Donnerstag gegen Papst Benedikt XVI. gerichtet: Josef Ratzinger, damals Bischof von München, soll Anfang der 80er Jahre per Aktennotiz über die Wiedereinsetzung eines pädophilen Priesters in der Seelsorge informiert worden sein. Aus dieser Notiz gehe auch hervor, dass Ratzinger am 15. Jänner 1980 eine interne Besprechung geleitet habe, bei der über die Versetzung dieses Priesters gesprochen worden sei.

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Bisher hatte es geheißen, der Erzbischof habe lediglich genehmigt, dass der Priester in einem Gebäude der Diözese wohnen dürfe. Die Wiedereinsetzung in die Seelsorge sei ohne Wissen des Papstes durch den Generalvikar erfolgt. So sieht es das Erzbistum München auch weiterhin. Der Zeitungsbericht enthalte keine darüber hinausgehenden Informationen, heißt es in einer Erklärung.

„Auch dem Bericht der „New York Times“ vom Mittwoch wurde von Seiten des Vatikans widersprochen. Die Zeitung hatte über den Fall des Priesters Lawrence Murphy geschrieben, der von den 50er bis zu den 70er Jahren in einer Gehörlosenschule im US-Bundesstaat Wisconsin bis zu 200 Buben missbraucht haben soll. Joseph Ratzinger, damals Präfekt der Kongregation für Glaubenslehre, soll 1996 auf zwei Briefe des damaligen Erzbischofs von Milwaukee, der ihm die Vorfälle schilderte, nicht geantwortet haben.

Laut Angaben des Vatikan sei in diesem Fall, der in den 70er Jahren ergebnislos von einem weltlichen Gericht behandelt wurde, acht Monate nach Erhalt des Briefes ein kirchliches Verfahren eingeleitet worden. Das sei aber kurze Zeit später eingestellt worden, da der Beschuldigte bereut habe, außerdem im Sterben lag und die Delikte nach dem Kirchenrecht verjährt war. Der Papst sei kein „untätiger Beobachter“ gewesen, schrieb dazu der Erzbischof von Westminster, Vincent Nichols, in der gestrigen „Times“. Französische Bischöfe sprechen von „Verleumdungen“ und einer „Kampagne“ gegen die Person des Papstes.

 

Fälle auch in Italien

Indes wird auch in der italienischen Kirche eine Reihe von Missbrauchsfällen bekannt – auch hier in einer Taubstummenschule. Von den Absolventen der Schule in Verona gingen nun 67 an die Öffentlichkeit und warfen ihren einstigen Betreuern sexuellen Missbrauch und körperliche Misshandlung vor. 14 von ihnen schilderten detailliert und unter Eid, was ihnen widerfahren sei und nannten dabei 24 Geistliche und Laien im Dienst der Kirche.

In den vergangenen neun Jahren seien weltweit 300 konkrete Missbrauchsfälle entdeckt worden, für die Priester verantwortlich gemacht würden, berichtete Bischof Charles Scicluna, Ankläger des Vatikans in der Glaubenskongregation. Seitdem Johannes Paul II. im Jahre 2001 der Glaubenskongregation die Zuständigkeit für Missbrauchsfälle an Minderjährigen anvertraut hat, wurden 3000 Fälle überprüft, die sich auf die letzten 50 Jahre beziehen.

 

Schläge im Knabeninternat

Neue mutmaßliche Misshandlungsfälle gibt es indes auch in Deutschland: Im Windsbacher Knabeninternat in Bayern, einer Schule der Evangelischen Kirche, soll es in den 1950er- und 1960er-Jahren zu Misshandlungen und sexuellem Missbrauch gekommen sein; vereinzelte Übergriffe fanden noch 2000 bzw. 2001 statt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2010)

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130 Kommentare
 
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Gast: real
29.03.2010 08:17
0

Angebliche Wertegarant rkK

wikinger:
Den Nachbarn nicht umzubringen, das soll auf der kathol. Wertskala liegen?? Haben Sie keine Geschichtsbuecher gelesen? Im 2. Weltkrieg alleine, und das ist ja noch nicht allzulange her, haben die rkK Priester in kathol. Laendern wie Oesterreich und Frankreich z.B. die jungen Soldaten aufgehetzt. Wir gebieten euch, euer Vaterland bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen. Katholiken gegen Katholiken. Und der Papst in Rom hat sich in Faeustchen gelacht, solange er eine Einigung mit Hitler hatte, dass seine Vatikan-Schaetze nicht gepluendert werden, war ihm alles Recht.

Also die rkK koennen wir wohl kaum als Hueterin "Liebe deinen Naechsten"-Gebotes oder als Wertegarant bezeichnen. Sexueller Kindesmissbrauch ist n i c h t ein Akt der Liebe sondern ein Verbrechen.

Wo das Böse groß gemacht wird

da entsteht Spaltung und Unfriede. Die Kirche war immer eine Kirche der Sünder und wird es immer bleiben, wer etwas anderes glaubt, so wie die Gutmenschen, lebt in einer Illusion, dass auf dieser Erde der Himmel mit Menschenkraft geschaffen werden kann.
Zu den widerlichen Anwürfen gegen den Papst sagt man am besten nichts, weil sonst damit der Lügner von Anfang an noch mehr Verwirrung stiftet und Unheil bringt.

Antworten Gast: Atta
28.03.2010 13:38
0

Re: Wo das Böse groß gemacht wird

Sprach Thonet, der Heilige Stuhl der Wiener Kaffehäuser.

Gast: g1
27.03.2010 23:46
1

Die Meldung, dass der Papst Missbrauch gedeckt und vertuscht hat, ist glaubhaft.

Es wurde hier schon genug recherchiert und alle Fakten sprechen leider immer wieder dasselbe aus: Vertuschung des Missbrauchs und Wiedereinsetzung von Missbrauchspriestern waren in vielen Diözesen an der Tagesordnung.
Konkrete und nachgewiesene Fälle gab es in Österreich, Deutschland, Irland, USA.

Der Papst wird allerdings ganz sicher KEINE Konsequenzen aus seinem Fehlverhalten ziehen.


Gast: W. P.
27.03.2010 22:47
0

Right or wrong - it's my church

"Wir Katholiken sollten uns nicht von den Hysterikern des Tages überrollen lassen. Die Kirche ist in einer ernsten Krise, das ja, aber nicht jeder Vorwurf ist damit gerechtfertigt.

Nein, ich werde nicht austreten aus der Kirche. Man wechselt seine Religion nicht wie ein Hemd. Right or wrong - it's my church."

Matthias Matussek, < http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,686008,00.html >

Gast: Peregrin ist LIFE DABEI
27.03.2010 12:25
3

kampfposter

bei den kampfpostern der kirche bekommt anale fixierung eine ganz neue bedeutung zwanghafte wiederholungen und verleugnung

Re: kampfposter


Nur keine Panik!
Ihre Reflexe verbeissen sich krampfartig in Abstruses. Aber meinetwegen.

Und immer noch bessser Kampfposter als eure Kotzkübel!

Gegen die Papstdiktatur - Laieninitiative.at

Ein unerträglicher Zustand ist eingetreten, der weite Teile Europas betrifft. Zunehmend wird klar, dass der Kurs des Vatikans der Kirche schweren Schaden zufügt. Der amtierende Papst, dessen Handeln immer weniger zu verstehen ist, verletzt die Pflicht des Petrusdienstes auf unverantwortliche Weise. Eine abgehobene Religionsbürokratie befasst sich mit lebensfremden Regeln, anstatt sich der Zukunft des Glaubens zuzuwenden. Währenddessen setzt sich der Verlust von Mitgliedern und geeigneten Geistlichen dramatisch fort.

Darum auftreten und unterschreiben:

http://www.laieninitiative.at

Re: Gegen die Papstdiktatur - Laieninitiative.at

Unnötige Wichtigmacher.

Re: Gegen die Papstdiktatur - Laieninitiative.at

Ich habe meine Unterschrift geleistet. Sie sollten diesen Link aber regelmässig und auf allen entsprechenden Forumsseiten veröffentlichen.

Re: Gegen die Papstdiktatur - Laieninitiative.at

Endlich was Konstruktives!

Gast: gast
27.03.2010 10:59
5

der Fisch beginnt am Kopf zu stinken…


Gast: ein Christ
27.03.2010 10:49
4

Johannes Paul II. dachte über einen Rücktritt nach. Benedikt XVI. sollte es tun!


Gast: Zyniker
27.03.2010 10:00
3

@ „Auch dem Bericht der „New York Times“ vom Mittwoch wurde von Seiten des Vatikans widersprochen. Die Zeitung hatte über den Fall des Priesters Lawrence Murphy geschrieben, der von den 50er bis zu den 70er Jahren in einer Gehörlosenschule im US-Bundesstaat Wisconsin bis zu 200 Buben missbraucht haben soll. Joseph Ratzinger, damals Präfekt der Kongregation für Glaubenslehre, soll 1996 auf zwei Briefe des damaligen Erzbischofs von Milwaukee, der ihm die Vorfälle schilderte, nicht geantwortet haben.“






die Briefe an Ratzinger sind wahrscheinlich vertuscht worden, so dass er gar nix wissen hat können…






Antworten Gast: W. P.
28.03.2010 08:44
0

Re: @ „Auch dem Bericht der „New York Times“ vom Mittwoch wurde von Seiten des Vatikans widersprochen. Die Zeitung hatte über den Fall des Priesters Lawrence Murphy geschrieben, der von den 50er bis zu den 70er Jahren in einer Gehörlosenschule im US-Bundesstaat Wisconsin bis zu 200 Buben missbraucht haben soll. Joseph Ratzinger, damals Präfekt der Kongregation für Glaubenslehre, soll 1996 auf zwei Briefe des damaligen Erzbischofs von Milwaukee, der ihm die Vorfälle schilderte, nicht geantwortet haben.“

Donnerwetter, Sie sind aber ein ordentlicher Egoist, so viel Leerraum wie Sie hier immer wieder beanspruchen. Oder soll das die Darstellung Ihrer Gedanken sein?

Gast: Zyniker
27.03.2010 09:59
3

@ „Neue Mitwisser-Vorwürfe an den Papst“







als nächstes kommt dann, Ratzinger hätte gewusst wofür die Pius-Brüder stehen als er sie rehabilitiert hat…







Gast: g1
26.03.2010 22:49
3

Transparenz in der Kirche - ein kleiner, zaghafter Anfang zeigt sich

Da nun doch immer mehr Bereitschaft von seiten der Kirche da ist, mit dem Staat in Missbrauchsfällen zusammenzuarbeiten, sollte dieses neue Frühlingserwachen der kirchlichen Transparenz auch auf andere Gebiete ausgedehnt werden.

Die Kirche in Österreich sollte einmal die Gesamtgröße ihres Grundbesitzes - der etwa 100 Klöster, der Pfarren und Diözesen - offenlegen.

Jeder Katholik und jeder Österreicher hat ein Recht, dies zu wissen. Die Kirche braucht sich ihrer Besitzungen ja auch nicht zu schämen. Angeblich soll die Gesamtgröße dieser Besitzungen die Größe des Bundeslandes Vorarlbergs erheblich überschreiten.

Weiters sollte der Aktienbesitz und Besitz an Beteiligung an Firmen offengelegt werden.

Es wird immer wieder gemunkelt, dass die Kirche an Kondomherstellern beteiligt sei, aber Genaues weiss niemand, weil die Kirche keine Vermögensbeteiligungen offenlegt.

Schließlich sollte die Kirche auch alle Gehälter, die vom Staat bezahlt werden, offenlegen, damit der Steuerzahler weiss, wievel von seinen Steuern an die Kirche gehen.

Weiters sollten alle Subventionen des Staates an die Kirche offengelegt werden (laut Bericht der Presse wurde auch der Papstbesuch von Herrn Faymann aus der Schatulle des Bundeskanzlers großzügisgst in Millionehöhe beglichen.

Also: Bitte bei der Transparenz nicht kleckern, sondern klotzen!

Die Wahrheit wird Euch freimachen! (aber zahlenmäßig auch ein bisschen kleiner!)

Antworten Gast: PM
27.03.2010 11:06
2

Re: Transparenz in der Kirche - ein kleiner, zaghafter Anfang zeigt sich

…und wir sehen die Spitze des Eisbergs…

Gast: benedikt 16
26.03.2010 22:08
5

mediale aufmerksamkeit

zeigt wirkung die kampfposter der kirche werden auch immer kleinlauter

Gast: UKW
26.03.2010 21:23
5

Ich weiss nur eins ...

... ich will auch so eine tolle Zipfelmütze.

Antworten Gast: gast
27.03.2010 10:41
1

Re: Ich weiss nur eins ...

…für die tolle Zipfelmütze wirst aber lange sparen müssen ;o)

Gast: Zyniker
26.03.2010 21:19
4

@ „Neue Mitwisser-Vorwürfe an den Papst“






als nächstes kommt dann, Ratzinger hätte gewusst wofür die Pius-Brüder stehen als er sie rehabilitiert hat…







Re: @ „Neue Mitwisser-Vorwürfe an den Papst“

@Zyniker

Und es bewahrheitet sich der Spruch von Fleischhacker, wieso Postingflächen weitgehend die Kotzkübel zu kurz Gekommener sind.

.

Gast: Papa Bug
26.03.2010 20:55
8

Wein saufen und Wasser predigen

Die größte Anzahl an Pharisäern seit jeher hatte immer schon die katholische Kirche!
Deshalb raus aus diesem Affenverein!

Gast: g1
26.03.2010 20:52
6

Der derzeitige Papst war mehr als 2 Jahrzehnte Präfekt der Glaubenskongregation in Rom (Nachfolgeorgansation der Inquisition).

Auf seinem Schreibtisch landeten hunderte, wenn nicht mehr als tausend Missbrauchsfälle. Denn er war dafür zuständig.

Seine Politik war immer:
a) alles wird nur innerhalb der röm. Kirche abgehandelt (in diesem Sinne erging auch ein von ihm unterzeichneter Erlass an die gesamte Kirche).
b) der gute Ruf der Kirche muss durch Stillschweigen und Vertuschung gewahrt werden
c) Missbrauchspriester werden in einem anderen Gebiet eingesetzt, wo sie noch nicht bekannt sind.

Punkt c) wurde jetzt an einem konkreten Fall in den USA nachgewiesen.

Es würde sich alles leicht aufklären lassen, wenn der Vatikan alle Missbrauchsakten der letzten 20 Jahre öffnen würde und Einsicht nehmen ließe. Transparenz, um alle diese Fälle aufzuklären, wird jedoch vom Vatikan nicht angestrebt. Der Vatikan gibt diese Akten nicht heraus.

Transparenz:

Anläßlich der Vorbereitungen zur Seligsprechung von PIUS XII verlangten jüdische Historiker, in den Archiven des Vatikans Einsicht nehmen zu dürfen, um die Haltung von PIUS XII während der Nazi-Zeit genauer zu durchleuchten.
Diese Einsichtnahme wurde vom Vatikan nicht gewährt.

Transparenz Finanzen:
So wie jeder österr. Staatsbürger in das Budget des Staates Einsicht nehmen kann, würde man vermuten, dass auch jeder Katholik in die Finanzgebarung des Vatikans Einsicht nehmen kann.
Diese Transparenz und die Offenlegung diverser Eigentumsverhältnisse (was besitzt der Vatikan, wo ist er beteiligt, wie arbeitet die Vatikanische Bank) ist nicht erwünscht.


Artikel werden immer alberner

Jetzt wird schon über neue Artikel, die ohne Fakten hinzuzufügen über alte Artikel berichten, unter dem Titel "Neue Vorwürfe" berichtet. Ist der Redaktion das nicht langsam peinlich?

 
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