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Umweltkatastrophe: ... und alles erstickt im Öl

24.05.2010 | 17:57 |  Von unserem Korrespondenten Thomas Viereegge (Die Presse)

Die Ölpest löst an der Küste Louisianas Verzweiflung und Empörung aus. Die schärfste Kritik richtet sich gegen BP. Auch die Obama-Regierung gerät immer stärker ins Kreuzfeuer.

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Washington. Wenn Brian Williams, Diane Sawyer und Katie Couric ausrücken, ist dies ein untrügliches Signal, dass die Nation im Banne eines nationalen Ereignisses steht. Die Starmoderatoren der drei großen US-Sender haben ihre Studios in New York verlassen, um hautnah vom Ort des Brennpunkts zu berichten: der Küste Louisianas und dem weitverzweigten Mississippi-Delta.


Einen Monat haben die Amerikaner auf die angekündigte schleichende Katastrophe gewartet, jetzt liefern ihnen die Bilder die Gewissheit: Braunpelikane, die durchs Sumpfgras hoppeln, weil sie nicht mehr abheben können; ihr Gefieder verklebt von Ölschlieren; Helfer, die die Tiere in Käfige stecken, um sie vor dem Erstickungstod zu retten.
Erst vor einem halben Jahr haben die Tierschützer das Wappentier Louisianas von der Liste bedrohter Vogelarten genommen. Nun wird es Symbol für ein Umweltdesaster, dessen Dimensionen noch immer nicht absehbar sind.
Explosives Gemisch


Auf Grand Isle, einer schmalen, dem Marschland vorgelagerten Insel, schwemmen die Wellen mit jedem Stoß die zähflüssige Brühe von krudem Öl an den Strand. Immer tiefer sickert das braune Ölgemisch in die Marsch ein. Säuberungsaktionen scheinen einstweilen aussichtslos. Die Schutzmaßnahmen haben sich teils als nutzlos erwiesen, teils waren manche Gebiete trotz der Vorwarnung völlig unzureichend vorbereitet. Enerviert vom tatenlosen Zuwarten und Herumsitzen versuchten im Bezirk Jefferson Fischer sogar auf eigene Faust, Plastikbarrieren auszulegen und Öl abzuschöpfen.
Überall am Küstenstreifen des Deltas machen sich Verzweiflung und Entrüstung breit. Es braut sich eine explosive Stimmung zusammen, die sich fünf Wochen nach der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko ihrem Siedepunkt nähert. „Es zerreißt mir das Herz", sagt ein Kapitän nach der Rückkehr von einer Inspektionstour auf seinem Boot. Aufgebrachte Bewohner der Ferienkolonie auf Grand Isle haben Schilder in den Vorgarten gerammt: „Schande über BP." „Schande über die Regierung."


In einem ganzseitigen Inserat in der Sonntagsausgabe der „New York Times" war BP bestrebt, den Imageschaden zu minimieren. Doch der Ölmulti hat jeden Kredit verspielt. Innenminister Ken Salazar zweifelte die Sinnhaftigkeit mancher Rettungsaktion mit markigen Worten an. Es verstreiche Frist um Frist. „Ich bin zornig und frustriert. Wir drücken ihnen den Stiefel an die Kehle", sagte er in raubeiniger Cowboy-Manier. „Wenn wir herausfinden, dass sie nicht das tun, was sie tun sollten, werden wir sie in geeigneter Weise aus dem Weg schaffen."
Bobby Jindal, der Gouverneur von Louisiana, wettert, die Regierung müsse das Ruder nun eben selbst in die Hand nehmen. Sie habe dem Treiben zu lange zugesehen. Admiral Thad Allen, der Regierungskoordinator des Katastropheneinsatzes, musste indes konzedieren, dass nur BP über die Technologie verfüge, das Leck zu schließen. Das Hilfsangebot des Paria-Staates Iran, eigenes Gerät zur Verfügung zu stellen, empfand Washington nur als Häme.

 

Zerrüttetes Vertrauensverhältnis


Indes klang Allens Aussage, wonach sein Vertrauen zu BP ungebrochen sei, wie eine Beschwörung denn wie eine Versicherung. Die Empfehlung der Umweltbehörde in Washington, im Kampf gegen die Ölpest schwächere Chemikalien einzusetzen, negierte BP. Das Eingeständnis des Ölkonzerns, nur einen Bruchteil des ausfließenden Öls einzufangen, schwächte die Glaubwürdigkeit nur noch weiter. Vor dem Versuch, das Leck mittels eines Schlammbombardements zu stopfen, dämpfte BP die Erwartungen.


Immer stärker rückt freilich auch die Regierung ins Kreuzfeuer. Umweltschützer kritisieren die Obama-Regierung, weitere Bohrlizenzen im Golf von Mexiko auszustellen. „New York Times"-Kolumnist Thomas Friedman ätzte an der verfehlten Umwelt- und Energiepolitik. Und Sarah Palin, die als Proponentin der Öllobby die Parole „Drill, Baby, drill" geprägt hatte, sprach dreist von besonderen Beziehungen Obamas zur Ölbranche.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.05.2010)

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11 Kommentare
Gast: janu
25.05.2010 15:32
0 0

Klientelpolitik

Die Republikaner haben im Namen der eigenen Klientel (und Parteispender) immer mehr Ölbohrungen gefordert. Jetzt steht ihnen Kritik nicht zu.

Jaja - die Amis...

...sind sicher gut beraten, wenn sie sich ein wenig mehr um ihre (- oder DOCH unser aller Umwelt?) kümmern würden.
Als grösster "Smoker" des Planeten stünde es ihnen wohl an, ein wenig vom Profit, den sie durch alle möglichen dubiosen Aktivitäten in der ganzen Welt einstreifen für - sofern überhaupt mit Geld bezahlbare - "Wiedergutmachung" an UNS ALLEN zu leisten.

Wobei es mir hier nicht um materiellen "Gewinn" geht, sondern die sollten - sehr wohl mit dem durch billigen Sprit im Land - ersparten Steuergeld nun einmal "Wiedergutmachung" an UNS ALLEN leisten, um ihre Schuld "verzeihbarer" zu machen.

Daß BP britisch ist, steht ja eh nur am Papier....

Yoko
25.05.2010 11:45
0 0

WO BLEIBEN DIE IDEEN DER WISSENSCHAFT?

Täglich hört man in den Nachrichten, dass "BP" dies und das tat oder zu tun gedenkt, freilich ohne Erfolg.
WO BLEIBT DIE WISSENSCHAFTL?
Denn wie jeder weiß, ist es doch möglich, ÖL VON WASSER ZU TRENNEN! Warum saugt man das austretende Öl samt Wasser nicht in riesige Kanister von Schiffen, trennt es dort und schützt so die Meere?
Warum wartet Wissenschaft und Politik auf die lapidaren Maßnahmen von BP, die sich seit Wochen in Absichtserklärungen und vagen Ankündigungen erschöpfen, und glaubt ernsthaft, man könne ein unter solchem Druck stehendes Rohr mit irgendwelchen Ingredenzien "stopfen"? Warum, wenn das möglich wäre, hat man es nicht längst getan? Warum wird dann selbst dieser "Versuch", der ja offenbar wieder nur ein Versuch ist, immer weiter hinausgeschoben? Was will man mit Schlamm, mit einer Zementkuppel in 5000 m Tiefe auch schon bewirken?! Auch dieser Versuch wird wahrscheinlich scheitern - und man weiß es! Und wie lange kann das Öl noch ins Meer strömen, in die Meere der Welt. Sie können bald nicht mehr so genannt werden. Das Klime wird sich verändern. Aber man wartet immer noch ab.
Diesen halbherzig-hilflosen Vorschlägen und dieser für die Welt äußerst gefährlichen Entwicklung müßten verantwortliche Wissenschaftler entgegentreten, die brauchbare Vorschläge machen!
Man kann doch nicht einem Konzern wie BP, dessen Interesse vor allem darin besteht, mit vagen Vorschlägen Zeit zu gewinnen, weiter erlauben, die Welt zu zerstören!

Steininger
25.05.2010 01:05
1 0

Diese wunderbaren und horriblen Bilder erreichen freilich nicht

die amerikanische Öffentlichkeit. Wer am Wochenende überregionale amerikanische Zeitungen am Internet verfolgte der wurde mit fast keinen Bildern oder Berichten konfrontiert!
Einzig der Christian Science Monitor, eine der renommiertesten Zeitungen des Landes hat ausgiebig berichtet.
Eine gute Ausnahme ist auch die Huffington Post die als News-Blog nur im Internet erscheint.
Die NYT blieb stumm zu diesem Thema!

LUPO
25.05.2010 00:18
0 0

Typisch Amerika, nur Klagen im Kopf

Mit der Androhung von Klagen werden sie das Problem nicht lösen und schon gar nicht wenn sie die Stümper da weiter arbeiten lassen. Ich würde ja einsehen wenn BP sofort bzw täglich zahlen müsste, den ungeklärten Rest könnte sich ja dann BP durch Klagen zurück holen.

Gast: GAST
24.05.2010 19:08
2 3

warum nicht vom iran helfen lassen

am allermeisten zwischen dem hickhack von BP und der gelähnten US regierung zipft uns wohl alle an, dass der dumme amerikaner nicht über seinen schatten springen kann und sich von den iran angebotene hilfe auch annimmt. da krepieren tausende tiere, da wird wieder einmal mehr ein großer teil unserer natur durch geiz ist geil ölkonzerne und us-staatsparanoika zerstört aber sich helfen lassen, an das denken die strohmdummen amerikaner wohl nicht.

dabei sagen die iraner ja dass sie erfahrung dabei hätten, weil sie selbst beim kuwati krieg die löcher stopfen mussten. selbst bringen BP und die amis nix zusammen seit einem monat, aber helfen lassen sie sich aucn nicht.

wieder einmal mehr, diese strohdumme arrogante möchtegern-weltmacht zu hassen.

Antworten giftwitwe
25.05.2010 05:29
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Re: warum nicht vom iran helfen lassen

ich stelle mal in den raum dass der iran nichts anzubieten hat was auch nur im geringsten helfen könnte.

so gesehen kann ich deinen hass verstehen: dumme menschen haben immer schon jene gehasst, die vor ihnen laufen ;)

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Re: warum nicht vom iran helfen lassen

naja, wenn man nur 1 Gehirnzelle hat, bleibt nur der Amihass - Dillo !

Antworten Antworten Gast: Lampe
25.05.2010 00:19
1 0

Re: Re: warum nicht vom iran helfen lassen

Wenn man die Artikel mit postings verfolgt hat, versteht man, dass BP versucht, das Desaster kleinzureden und die Regierung auch von anderen Stellen als nur dem Iran keine Hilfe annimmt.
Wieder so ein typischer Fall, wo die Geiz ist geil - Kultur und das "wir koennen den Hals nicht voll genug kriegen" furchtbares Unheil ueber Land und Leute gebracht hat.
Da passt der Versuch, den Schaden kleinzureden dazu. Erst aufgeblasen und ueberheblich ueber Sicherheitsmassnahmen hinweggehen und dann nicht einmal die Verantwortung uebernehmen wollen.
Obwohl - welche Verantwortung denn - fuer ein derartiges Desaster gibt es nichts Entsprechendes. Da gehoeren die Entscheidungstraeger einfach hinweggefegt.

Antworten Antworten Gast: rosahubschrauber
24.05.2010 23:01
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Re: Re: warum nicht vom iran helfen lassen

also ich hasse die amerikaner sicher nicht. Aber trotzdem frage auch ich mich: warum nehmen sie das Hilfsanbot vom iran nicht an? Ist es nicht egal von wem oder von wo in so einer situation hilfe kommt? Und vom ölbohren werden die iraner sicher ziemlich viel ahnung haben.

Antworten Antworten Antworten giftwitwe
25.05.2010 05:55
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Re: Re: Re: warum nicht vom iran helfen lassen

weil das von den amerikanern im geopolitischen kontext als schreckliche demütigung empfunden würde und obama jegliche chance auf eine wiederwahl in 2 jahren verspielen würde.

was ist daran unverständlich ???????????