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Trafelberg: Feinste Ohren auf Bombenjagd

13.06.2010 | 18:53 | WOLFGANG GREBER (Die Presse)

Auf dem Trafelberg lauschen Spezialsensoren nach Atomtests. Über ein globales Sensornetz sollen Kernexplosionen aufgespürt werden. "Mikrobarometer" registrieren winzige Luftdruckschwankungen.

Muggendorf ist eine jener vielen niederösterreichischen Gemeinden, die zwar kaum eine Stunde Autofahrt von Wien entfernt sind, die in der Hauptstadt aber dennoch kaum jemand kennt.

Bei Wöllersdorf verlässt man die Südautobahn, fährt ins 20 Kilometer entfernte Pernitz im Piestingtal und biegt nach Norden ab. Rasch erreicht man das Nest in dem sanften Mittelgebirgstal des Myrabaches mit seinen schmucken Häuschen zwischen Wäldern, Weiden und Gasthäusern. Gut 430 Menschen leben hier. Ein Forstweg führt rauf zum sogenannten Trafelberg. Der ist nur 1146 Meter hoch, wenig spektakulär und dient den Bundesforsten als Holzeinschlaggebiet – allerdings beherbergt er ein Geheimnis: Hier kann man „hören“, ob irgendwo auf der Erde eine Atombombe explodiert.

Diese „Ohren“ im Wald wurden jüngst von Mitarbeitern der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (Zamg) und der in Wien ansässigen Atomteststoppbehörde CTBTO eingeweiht – eine Organisation, die über ein globales Sensornetz Kernexplosionen aufspüren soll, und das tut sie jetzt eben auch vom Trafelberg bei Muggendorf aus.

Dort liegen auf einer etwa fußballfeldgroßen, gekiesten Ebene im Wald auf 1000 Meter Höhe seltsame Strukturen, die von fern an platte Spinnen erinnern. Sie bestehen aus daumendicken Metallröhren, die teils in Rosetten-, teils Wabenform angeordnet sind. End- und Kreuzungspunkte der Röhren münden in lustig aussehende Kieshäufchen, daneben stehen Antennen und in den Boden eingelassene Plexiglaskuppeln. Diese Objekte sind so was wie extrem feine Ohren, sagt eine Technikerin der CTBTO. Sie messen Infraschall, also Wellen mit einer Frequenz von unter 16 Herz, die für Menschen, anders als für etwa Elefanten, unhörbar sind; unser Ohr hört bestenfalls hinab bis circa 20 Herz. Infraschall wird als winzige Luftdruckschwankungen von „Mikrobarometern“ registriert, die unter den Kieshaufen liegen.

 

Vulkane, Gewitter, Bomben und Raketen

Anders als Schall im normalen menschlichen Hörbereich breitet sich Infraschall über tausende Kilometer aus, bei großen Schallenergien gar um die ganze Welt. Er entsteht etwa bei Gewittern, Beben, Vulkaneruptionen und dem Einfall von Meteoriten in die Atmosphäre, aber auch etwa bei Raketenstarts und großen (auch unterirdischen) Explosionen. Erstmals wurde Infraschall registriert, als 1883 der indonesische Vulkan Krakatau ausbrach– das merkte man noch in London.

Auf dem Trafelberg will man vor allem testen, wie man die Sensoren optimal konfiguriert und aufstellt, damit die unvermeidlichen Windgeräusche minimiert werden, erklärt Peter Melichar, Zamg-Geophysiker mit Vorarlberger Hintergrund. Leider könne man nicht einfach einen Deckel draufstellen, denn sei er zu dünn, käme das Windgeräusch noch durch, sei er zu dick, höre man gar nichts. Also müssten die Geräte praktisch unter freiem Himmel liegen; immerhin sei der Trafelberg von anderen Lärmquellen weit entfernt.

 

Teil des „Conrad-Observatoriums“

Die CTBTO betreibt derzeit etwa 280 Sensoren, später sollen es 321 sein. 42 davon messen jetzt Infraschall, die anderen seismische Wellen, Unterwassergeräusche und radioaktive Stoffe. Das Testfeld bei Muggendorf, in das circa 400.000 Euro investiert werden und das von CTBTO und Zamg betrieben wird, ist Teil des Conrad-Observatoriums, das die Zamg seit zehn Jahren auf dem Trafelberg betreibt, der übrigens das schwächste natürliche Magnetfeld in Österreich aufweist. Das Observatorium besteht aus unterirdischen Kavernen und einem 150 Meter langen, kühlen Stollen, wo man auch Magnet- und Gravitationsfeld der Erde und Erdbeben misst.


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