Der ehemalige italienische Polizeichef Gianni De Gennaro ist am Donnerstag von einem Berufungsgericht in Genua wegen Anstiftung zu Falschaussagen in den Ermittlungen über den G-8-Gipfel im Juli 2001 zu einem Jahr und vier Monaten Haft verurteilt worden. De Gennaro wird beschuldigt, den damaligen Polizeichef von Genua, Francesco Colucci, zu Falschaussagen über die Aktion der Polizei beim G-8-Gipfel veranlasst zu haben.
Beim erstinstanzlichen Prozess, der im vergangenen Oktober zu Ende gegangen war, wurde De Gennaro freigesprochen. Wegen der von den Staatsanwälten in Genua erhobenen Vorwürfe war De Gennaro 2007 von seinem Posten als Polizeichef abberufen worden.
Im Mai waren wegen brutaler Übergriffe auf Globalisierungsgegner während des G-8-Gipfels in Genua 25 Polizisten zu schweren Haftstrafen verurteilt worden. Zu den Verurteilten zählte auch die Leitung der Einsatzkräfte in Genua. Das Berufungsgericht änderte somit das erstinstanzliche Urteil, bei dem die Hälfte der 29 Angeklagten freigesprochen worden war.
Im Verfahren ging es um schwere Übergriffe in einer als Herberge für Demonstranten dienenden Schule beim G-8-Gipfel. Der Prozess war einer von mehreren um die Gewalt rund um den G-8-Gipfel.
Während der von massiven Krawallen geprägten Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei waren am Rande des G-8-Gipfels Ordnungskräfte in die Schule eingedrungen. Dabei wurden mehr als 60 Demonstranten verletzt, mehrere von ihnen schwer. Bei den gewaltsamen Kundgebungen gegen den Gipfel und der harten Reaktion der italienischen Polizei kam auch ein Demonstrant ums Leben. Er wurde von einem jüngeren Polizisten durch einen Schuss in den Kopf getötet.
(APA)
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