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Spanischer Schnellzug rast in Jugendgruppe: 13 Tote

25.06.2010 | 08:25 |   (DiePresse.com)

Die Gruppe hat in Castelldefels die Gleise gequert und einen Zug übersehen. Leichtsinnig, sagen die Behörden, es gab keinen anderen Weg, sagen Augenzeugen. Die Bahn weist jede Schuld von sich.

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Beim schwersten Zugunglück in Spanien seit Jahren sind in dem Küstenort Castelldefels nahe Barcelona 13 Menschen ums Leben gekommen. Zunächst war man von zwölf Todesopfern ausgegangen, doch die Analyse der Leichenteile habe gezeigt, dass eine weitere Person ums Leben gekommen ist. 14 Menschen wurden verletzt, drei davon sind in kritischem Zustand, berichteten die Einsatzkräfte am Donnerstag.

Die Jugendlichen im Alter von 16 bis 26 Jahren - nur eine Frau war bereits 45 - waren gerade mit einem Nahverkehrszug aus Barcelona am Bahnhof von Castelldefels angekommen und überquerten die Gleise, als sie um 23.23 Uhr von einem Schnellzug erfasst wurden. Der Schnellzug von Valencia nach Barcelona kam erst mehrere hundert Meter nach dem Unfall zum Stehen. Die Toten sind so entstellt, dass sie zunächst nicht identifiziert werden konnten. Der Lokführer steht unter Schock.

Spanien: Zug rast in Jugendgruppe

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Die Behörden machten die Opfer für den Unfall verantwortlich. Sie hätten leichtsinnig gehandelt, weil sie die Gleise überquerten anstatt die Unterführung zu nutzen, sagte der katalanische Regierungschef José Montilla. Die Bahngesellschaft Renfe wies jede Schuld von sich: Seitens des Unternehmens seien alle Sicherheitsvorkehrungen eingehalten worden.

Nach Aussage von Überlebenden war die Unterführung wegen der Menschenmenge überfüllt. Andere erklärten, sie sei geschlossen gewesen. Renfe wies das zurück. Der Zug habe außerdem bei der Einfahrt in den Bahnhof mit einem Signalton gewarnt. Bürgermeister Joan Sau räumte ein, dass eine ebenfalls vorhandene Fußgängerbrücke wegen Bauarbeiten gesperrt war.

Etwa 40 Rettungswagen und Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr waren am Unglücksort. Noch in der Nacht trafen auch erste Angehörige der Opfer ein. Der Zivilschutz brachte sie in die Stadthalle der 62.000 Einwohner zählenden Gemeinde. Dort wurden sie von Psychologen betreut.

Es ist schwerstes Zugunglück in dem Land seit 2003. Damals waren nahe der zentralspanischen Stadt Chinchilla 19 Menschen beim Zusammenstoß zweier Garnituren getötet worden.

(Ag.)

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9 Kommentare
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Wie war die Situation vermutlich?

Ein überfüllter Bahnsteig mit laut redenden Jugendlichen. Es gibt kein Vorankommen. Da meinten einige, es geht auch über die Gleise. Möglicherweise noch ein anderer Zug im Bahnhof, der die Sicht verstellt. Laute Motorengeräusche. Laute Musik. Möglicherweise Alkohol. Und dazu der "Herdentrieb". Mein Mitgefühl gilt den Freunden und den Angehörigen der Opfer. Und auch den Einsatzkräften, die ein Bild des Grauens verarbeiten müssen.

Gast: Es gibt immer was zu tun
24.06.2010 13:58
1 2

Die waren zu cool, um den Tunnel zu benutzen

Da gehen nur Spießer durch, mit denen wollten sie sich nicht gemein machen. Coole Aktion.

DerMike
24.06.2010 13:18
1 0

Falsche Überschrift!

Richtig wäre:

Jugendgruppe läuft in spanischen Zug: Zwölf Tote (und vermutlich eine beschädigte Lok)

Auf jeden Fall schlimm für die Eltern bzw. den Lokführer.

Gast: Au Weia
24.06.2010 12:21
2 0

Herdentrieb

Ich würde mal vermuten dass der 'Herdentrieb' die Ursache für das Unglück war.
Sobald eimal ein paar unvorischtige und/oder alkohlisierte die Gleise überquert haben achtet niemand mehr darauf ob ein Zug herannaht. Da wird nur den anderen nachgewatschelt und mit dem Nachbarn geplaudert!

Antworten Gast: Fidel Gastro
24.06.2010 13:39
0 0

Re: Herdentrieb

Guter Einwand. In dem Film Брат (Der Bruder) des russischen Regisseurs Balabanow sagt in einer der Schlüsselszenen der Moskauer Taxifahrer zu Danila, als er eine unvorsichtige Fußgängerin fast überfahren hätte, sinngemäß: "Es sieht so aus, als ob plötzlich alle verrückt geworden wären." Und spielt damit auf die destruktiven westlichen Einflüsse an, die in den nach-sowjetischen 90er-Jahren Russland an den Rand einer Existenzkrise gebracht hatten.

Gast: Fidel Gastro
24.06.2010 11:37
3 1

Wie kann man als Fußgänger einen herannahenden Zug übersehen?

Mögliche Erklärung: Stark alkoholisiert, Halbstarken-Habitus, neurotisch übersteigerte Ich-Bezogenheit mit Ausblendung der physischen Realität.

Antworten Gast: gast
24.06.2010 12:07
2 0

Re: Wie kann man als Fußgänger einen herannahenden Zug übersehen?

frag ich mich auch, leise sind die dinger nicht wirklich und klein auch nicht

4 1

In Österreich würde man jetzt flächendeckend Zebrastreifen für Eisenbahngeleise fordern


§1:

Lokführerinnen beziehungsweise -führer müssen Fußgängerinnen und Fußgänger das ungehinderte Überqueren der Geleise auf dem Schutzweg ermöglichen, sobald die Absicht einer Fußgängerin oder eines Fußgängers, die Geleise zu überqueren, erkennbar ist. In der Regel wird dazu ein Anhalten notwendig sein. Es kann aber auch unterbleiben, wenn der Zweck des Schutzweges (nämlich dass Fußgängerinnen und Fußgänger die Geleise sicher und ungehindert überqueren können, obwohl sich Eisenbahnfahrzeuge dem Schutzweg nähern) auch so erreicht wird.

Auch für Flughafen-Rollfelder und Start/Landebahnen sind ähnliche Regelungen geplant, da es sich in der österreichischen Praxis ungemein bewährt hat, dass der größere/schwerere/unflexiblere Verkehrsteilnehmer dem kleineren/leichteren/flexibleren bedingungslos untergeordnet wird.

Gezeichnet: Dr. MarillenmannIn, Ministerium für sinnlose aber political correcte Ideen

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Womit "überfüllt"?

Vermutlich waren es halt auch Fahrgäste des gerade angekommenen Zuges, die auf diese Weise auf die andere Seite wollten. Ich kann mir also kaum vorstellen, daß sich diese Leute ausgerechnet im angeblich "überfüllten" Tunnel zum Campieren nieder ließen! Der Lokführer des aus der Gegenrichtung kommenden Zuges hatte überhaupt keine Chance für eine Schnellbremsung. Vermutlich hat heute auch in Spanien der veraltete Begriff "Eigenverantwortung" jegliche konkrete Bedeutung verloren. Leider mit, wie im konkreten Fall, mit verheerende Folgen...