Die deutsche Pilotengewerkschaft Cockpit (VC) fordert eine "eine unabhängige Untersuchung". Sie vermutet, dass in der Kabinenluft von Flugzeugen gesundheitsgefährdende Giftstoffe enthalten sind. Hintergrund der Forderung sind Erkrankungen bei nach Cockpit-Angaben weltweit mehreren hundert Flugbegleitern, die in der Vergangenheit auftraten. "Macht Fliegen krank", fragen deutsche Medien bereits.
Es gebe "hinreichend Indizien" für eine schädigende Wirkung, sagte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Seitens der Fluggesellschaften gebe es derzeit aber keine Signale in Richtung Aufklärung. "Bisher wird nur blockiert", sagte Handwerg.
Luft aus Kompressoren der Triebwerke
In Passagierflugzeugen kommt die Luft in den Flugkabinen und Cockpits aus den Kompressoren der Triebwerke. Diese Frischluft kann nach Angaben der Pilotengewerkschaft mit Giftstoffen aus Triebwerksölen verunreinigt sein, ober Substanzen, die durch deren Verbrennung entstehen. Auch an deutschen Gerichten laufen laut Cockpit erste Verfahren.
Die Giftstoffe könnten unter Umständen Schädigungen der Nerven hervorrufen und die Körpermuskulatur in Mitleidenschaft ziehen, sagte Cockpit-Sprecher Handwerg. In Australien beispielsweise hätten deswegen einige Flugbegleiter bereits sechsstellige Entschädigungssummen erstritten. Auch in den USA gehe das Airline-Personal gegen die Problematik vor.
Probleme auch für Passagiere?
Für wen sich die Substanzen schädlich auswirkten, sei noch unklar. "Es gibt Hinweise, dass es auch für den einmaligen Flieger zum Problem werden kann", sagte Cockpit-Sprecher Handwerg. Andererseits gebe es auch Besatzungsmitglieder, bei denen nach 20 oder 30 Dienstjahren kein gesundheitlicher Schaden durch die Luftverunreinigungen aufgetreten sei.
Flugbranche warnt vor Debatte
Die Flugbranche versucht indes, das Thema in der Öffentlichkeit klein zu halten. Der Radiosender NDR info zitierte am Donnerstag aus einem internen Papier des Bundesverbandes deutscher Fluggesellschaften (BDF), in dem der Verband Sorge über ein "potenzielles Aufflammen der öffentlichen Diskussion" zu dem Thema äußert. Der BDF warnte demnach auch vor einer "neuen Dimension" in der öffentlichen Wahrnehmung der Problematik, "wenn durch die Medien sich das Thema vom bisherigen Betroffenenkreis Besatzungsmitglieder zum Betroffenenkreis Passagiere verlagern würde".
Der Verband wollte zum Inhalt des Schreibens gegenüber dem Sender keine Stellungnahme abgeben und bezeichnete das Papier als "allerersten Entwurf".
(APA)
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