Im langjährigen portugiesischen Kinderschänder-Prozess "Casa Pia" hat ein Gericht alle Angeklagten für schuldig befunden. Sieben Menschen, unter ihnen mehrere Prominente, waren massiver Kindesmissbrauch sowie Vergewaltigung und Kuppelei zur Last gelegt worden. Bei der Urteilsverlesung sprach das Richterkollegium am Freitag in Lissabon alle Angeklagten in mehreren Punkten schuldig. Zu welchen Strafen die Beschuldigten verurteilt werden, sollte erst am Ende der Urteilslesung am späten Nachmittag bekannt werden.
Das Mammutverfahren endete erst nach fast sechs Jahren am 462. Prozesstag mit einem Urteil. Sieben Angeklagten aus Politik und Medien wird der Missbrauch von 32 Minderjährigen aus dem staatlichen Kinderheim "Casa Pia" vorgeworfen. Mit Ausnahme des ehemaligen Gärtners und Fahrers von "Casa Pia" beteuern alle Angeklagten ihre Unschuld. Die Staatsanwaltschaft forderte mindestens fünf Jahre Haft ohne Bewährung.
Die 200 Jahre alte Einrichtung für bedürftige Kinder und Jugendliche soll jahrzehntelang Schauplatz sexuellen Missbrauchs gewesen sein. Erste Vorwürfe sollen bereits in den 1980er Jahren bekannt geworden sein, blieben jedoch ohne Konsequenzen.
Angeklagt sind neben dem Gärtner ein ehemaliger Fernsehmoderator, ein früherer Botschafter, ein Anwalt, ein Arzt und eine Hausbesitzerin im Südosten des Landes. Ihnen wird sexueller Missbrauch und Anstiftung zur Prostitution in insgesamt 826 Fällen vorgeworfen.
(Ag.)
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