Drogenbericht: Neue Suchtgifte und "Drogen-Senioren"

10.11.2010 | 12:52 |   (DiePresse.com)

Eine Rekordzahl neuer synthetischer Suchtgifte, immer ältere Süchtige und ein stark unterschätztes "Koks-Problem" - das meldet der neue Jahresbericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht.

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Neue Suchtgifte, eine Drogenproblematik, die sich nicht mehr an Altersgrenzen hält, mehr Abhängige in Substitutionstherapie - und eine oft unterschätzte "Koks-Gefahr".

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Das sind die aktuellen Charakteristika der Situation rund um illegale Substanzen, wie sie der neue Jahresbericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) darstellt. Er wurde am Mittwoch in Lissabon veröffentlicht.

Rekordzahl "neuer Drogen"

Ein Trend: Die Produzenten synthetischer Drogen werden immer einfallsreicher. Im Jahr 2009 wurde offiziell eine Rekordzahl neuer Drogen gemeldet. Mit 24 neuen psychoaktiven Substanzen wurde nicht nur die höchste Zahl, die jemals in einem Jahr gemeldet wurde, sondern auch doppelt so viele neue Substanzen wie im Jahr 2008 gemeldet. Zumeist handelt es sich um Abwandlungen der Substanz Cathinon, die mit dem Aufputschmittel Amphetamin verwandt ist.

Auch das "Spice"-Phänomen - Substanzen auf Pflanzenbasis in rauchbarer Form, die mit synthetischen Cannabinoiden versetzt sind - entwickelt sich weiter. 2009 wurden insgesamt neun synthetische Cannabinoide aus mindestens vier verschiedenen chemischen Stoffgruppen als neu auf dem illegalen Drogenmarkt gemeldet.

"Koks-Problem" immer größer

Europa hat auch zunehmend ein "Koks-Problem", dessen Gefahren scheinbar von vielen Menschen unterschätzt werden. Anlass zur Sorge gibt den Fachleuten ein Anstieg der Todesfälle im Zusammenhang mit Kokainkonsum. Jährlich werden in Europa rund 1000 durch Kokain verursachte Todesfälle gemeldet. In Großbritannien verdoppelte sich zwischen 2003 und 2008 die Zahl der Totenscheine, in denen auf das Vorhandensein von Kokain hingewiesen wurde, auf 325.

2008 begaben sich rund 70.000 Personen in 27 europäischen Ländern wegen Kokainproblemen (Pulver und Crack) in Drogenbehandlung. Das entspricht etwa 17 Prozent aller neuen Drogenklienten in Therapie. "Es gibt immer noch zu viele Europäer, die den Kokainkonsum als relativ harmloses Attribut eines erfolgreichen Lebensstils ansehen", erklärte dazu Wolfgang Götz, Direktor der EBDD.

Patienten immer älter

Europas Bevölkerung wird im Durchschnitt immer älter - und die Drogenabhängigen altern mit. Dies gilt insbesondere für die westlichen Länder, die in den 1980er und 1990er Jahren Schauplatz der ersten Heroinepidemien in Europa waren.

In der speziellen Untersuchung zu dem Thema wird auf den dringenden Bedarf an Betreuungs- und Behandlungsangeboten für diese Klientel hingewiesen. Es gebe "in Europa kaum spezifische Behandlungs- und Betreuungsprogramme für ältere Drogenkonsumenten".

Die Größe des Problems wird auch durch statistische Daten aus den Therapieeinrichtungen gestützt. Ältere Konsumenten machen inzwischen einen wesentlichen Anteil der Patienten aus. Durchschnittlich ist etwa jeder Fünfte aller Drogenkonsumenten, die sich in Europa in Behandlung begeben, mindestens 40 Jahre alt. Noch vor zehn Jahren lag der Anteil der älteren Patienten in den meisten Mitgliedstaaten bei höchstens zehn Prozent.

Heroin wird öfter geschnupft

Beim Gebrauch von Opioiden gibt es in Europa einen neuen Trend. Speziell Heroin dürfte weniger injiziert, dafür mehr geschnupft werden. Auch Österreich ist davon betroffen: Ein Drittel der Opiat-Konsumenten, die sich in Behandlung begeben, führen an, das Suchtgift hauptsächlich zu schnupfen.

"Nachdem sich die Zahl der injizierenden Opioidkonsumenten in mehreren europäischen Ländern entweder stabilisiert hat oder sogar zurückgegangen ist, wurde anderen Arten des Konsums, z. B. durch Inhalieren der verdampften Droge oder durch Rauchen, der Aufnahme in Pulverform durch Schnupfen oder der oralen Aufnahme verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet", heißt es in dem Report.

(Ag. )

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Lesen Sie hier weiter zum Thema:

  • In Zahlen: Millionen Konsumenten in Europa

    Bild: (c) EPA (Andy Rain) Zwei Millionen Europäer nehmen jeden Monat Kokain, 75 Millionen haben Cannabis zumindest probiert. Vier Prozent aller Todesfälle bei jüngeren Erwachsenen erfolgen durch Opiate.

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10 Kommentare

Witzig, dass Alkohol hier nicht gelistet ist...

Im Vergleich zum Schaden den der Alkohol anrichtet verschwinden die Schäden der illegalen Drogen ins Nichts.
Aber so ist das halt, wenn man als Drogenhersteller keine offizielle Lobby hat.

Re: Witzig, dass Alkohol hier nicht gelistet ist...

http://www.youtube.com/watch?v=r5OzXpxyjA0

Gast: AlterKämpfer
10.11.2010 16:04
1

"Koks-Problem"


Wie heisst dieser Politiker mit dem fettglänzenden Gesicht, den Lügen und dem angeblichen Schneeproblem?

und was meinen die grünen?

freigabe aller drogen.

Re: und was meinen die grünen?

nein eigentlich nur canabis produkte, und dafür sind eigentlich nur die jugendorganisationen !

Was eigentlich keine schlechte idee wäre, die polizei könnte sich um wichtigere Dinge kümmern und gewissen dubiosen Leuten würde eine Haupteinnahmequelle wegfallen, und wenns was zum rauchen wollen bekommens sowiesowas heute schon, außerdem hätte der staat neue Steuereinnahmensquellen. Freigabe halt erst ab 18 und hoch gezüchtet Pflanzen halt nicht erlauben (bis zu einem gewissen THC Gehalt)

Gast: Niederösterreicher
10.11.2010 12:05
0

Unlängst gab es in meinem weiteren Bekanntenkreis einen 17-jährigen Drogentoten

Ein bis dahin kerngesunder Jugendlicher erstickte nach dem Konsum einer Droge, die er in Gesellschaft von anderen Jugendlichen eingenommen hat. Das Ganze passierte am Land, wo angeblich die Welt noch in Ordnung ist. Doch auch dorthin kommen Zuwanderer, zu deren "Kultur" die Drogen gehören ....

Für jedes Medikament gibt es ein gesetzlich genau geregeltes Zulassungsverfahren. Die Dosierungen werden genau überprüft. Beim Verdacht auf Gesundheitsschädlichkeit kommen diese Medikamente nicht auf den Markt.
Bei Rauschgift und Drogen sind wir leider immer noch viel zu tolerant. Erst unlängst war in einem Zeitungsartikel nachzulesen, daß in der POP-Szene die "Künstler" bei jedem Auftritt voll "zu" sind, weil sie für ihre Exzesse ein Stimulans brauchen.

Frage: Warum werden die Jugendlichen nicht schon in der Schule über die Gefahren des Drogenkonsum nachdrücklich aufgeklärt? Auch da sollte einmal eine "Schulreform" einsetzen!

Antworten Gast: Wienerist
10.11.2010 16:01
0

Re: Unlängst gab es in meinem weiteren Bekanntenkreis einen 17-jährigen Drogentoten

Welche Droge war es? Alkohol? Komplett üblich, dass da Menschen an dem Zeug ersticken obwohl Sie in Gesellschaft sind.

Antworten Gast: Gast
10.11.2010 15:52
0

Doch auch dorthin kommen Zuwanderer, zu deren "Kultur" die Drogen gehören ....

Doch auch dorthin kommen Zuwanderer, zu deren "Kultur" die Drogen gehören ....

was für ein Schwachsinn!
die sind immer für alles Verantwortlich zu machen...

immer diese Kleingeister

mfg
von einem Einheimischen

Antworten Gast: gast
10.11.2010 15:36
0

Re: Unlängst gab es in meinem weiteren Bekanntenkreis einen 17-jährigen Drogentoten

Ich bin noch etwas jünger und kann daher die Fragen (denke ich) beantworten.
Wir hatten in der Schule nicht nur einmal das Thema Drogen im Unterreicht, sondern mehrmals. Das große Problem ist aber, dass viele Jugendliche in diesem Alter einfach nicht genauer darüber nachdenken und die Warnungen ignorieren. Selbst Eltern können einen hundert mal sagen, trink nicht so viel Alkohol! Entscheiden muss das der Jugendliche immer selbst. Bei den Drogen ist es das selbe!
Nehmen wir das Beispiel einer legalen Droge.

Wieviele Raucher kennen Sie, die wissen das Rauchen tödlich sein kann?
Man will es einfach nicht hören und ignoriert das Problem. (Mir passiert schon nichts, ich habe das im Griff).

Das Drogen etwas mit Einwanderern zu tun haben ist sicher nicht ganz richtig. Es gibt genug Möglichkeiten sich das Zeug von alteingesessenen Österreichern zu holen.

Die offenen Grenzen sind da schon eher das Problem.

Zum Abschluss noch eine kleine Bemerkung. Meines erachtens sollte der Ewerb von Alkohol stark eingeschrenkt werden, da er für micht weit mehr Gefahr als Cannabis darstellt. Erst unlängst gab es in der Presse einen Bericht darüber.

http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/607995/Land-der-Trinker_330000-Kranke?from=suche.intern.portal
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Hoffe ich konnte Ihnen helfen.

Gast: gast
10.11.2010 12:04
0

hat eigentlich der schneemann

heute schon seinen drogentest abgegeben

lange nicht mehr im fersehen gesehen

zu erschöpft?

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