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Berlusconi will "Nobelpreis" für Lampedusa

30.03.2011 | 18:16 |  Von unserer Korrespondentin KORDULA DÖRFLER (Die Presse)

Italiens Premier verspricht bei einem Besuch auf der Insel, Lampedusa werde wieder zum "Paradies". Lage auf der kleinen Insel hat sich in den letzten Tagen zugespitzt. Pro Tag kommen mehr als 6000 Flüchtlinge.

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Rom/Lampedusa. Auf diesen Tag hatten viele Bewohner von Lampedusa seit Langem gewartet. Zum ersten Mal besuchte ein Regierungschef aus Rom die kleine Insel im Mittelmeer südlich von Sizilien, wo in den vergangenen Wochen fast 20.000 Bootsflüchtlinge aus Afrika angekommen sind. Mittags, kurz nach 13 Uhr, landete Silvio Berlusconi höchstpersönlich auf dem winzigen Flugfeld. Vor dem Rathaus versprach er dann, dass Lampedusa binnen 60 Stunden frei von Flüchtlingen sein werde.

Schon am Abend zuvor hatte die Regierung in einer nächtlichen Krisensitzung in Rom beschlossen, dafür weitere Schiffe der Marine zu schicken. Berlusconi stellte den Bewohnern aber auch konkrete Hilfe in Form von Steuererleichterungen, Investitionen in Infrastruktur und Tourismus in Aussicht. „Lampedusa muss entschädigt werden für seine Opfer“, so Berlusconi. „Es wird wieder ein Paradies werden.“ Er schlug außerdem vor, die Insel für den Friedensnobelpreis zu nominieren und verkündete auch gleich, dass er selbst ein „Lampedusano“ werden wolle. „Ich habe hier ein Haus gekauft.“ Sehr herzlich war der Empfang dennoch nicht, denn auf Lampedusa fühlen sie sich vom fernen Rom genauso im Stich gelassen wie von Europa.

 

Unterkünfte reichen nicht aus

Die Lage auf der nur 20 Quadratkilometer großen Insel hat sich in den vergangenen Tagen dramatisch zugespitzt. Niemand weiß mehr so ganz genau, wie viele Flüchtlinge sich dort aufhalten, gestern waren es wohl mehr als 6000. Mittlerweile sind auch die ersten Gastarbeiter aus Eritrea und Äthiopien angekommen, die aus Libyen geflohen sind. Doch auch aus Tunesien wagen noch immer jeden Tag hunderte meist junger Männer die gefährliche Überfahrt, um in Europa Arbeit zu suchen.

Das örtliche Auffanglager ist bereits seit Wochen überfüllt, es bietet nur Platz für 850Menschen. Obwohl die Gemeinde und die Kirche weitere Unterkünfte zur Verfügung gestellt haben, reichen diese bei Weitem nicht aus. Viele Flüchtlinge nächtigen deshalb notdürftig im Freien.

Aus Verzweiflung sind einige in den Hungerstreik getreten: Die Versorgungslage auf der Insel, die nicht einmal über eigenes Wasser verfügt, ist prekär. Praktisch alles, was die Bewohner zum Leben benötigen, muss aus Sizilien herangeschafft werden. Zwar versuchen die Bewohner zu helfen, wo sie nur können, doch die Emotionen gehen hoch. Es kommt immer häufiger zu heftigen Protesten.

Innenminister Roberto Maroni und Außenminister Franco Frattini haben vorgeschlagen, jedem Tunesier, der freiwillig in seine Heimat zurückkehrt, bis zu 2000Euro zu zahlen. Beide hatten zuletzt bei einem Besuch in Tunis auch versucht, die Übergangsregierung zu mehr Kontrollen der Küsten zu verpflichten und dafür finanzielle Hilfe in Aussicht gestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2011)

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10 Kommentare

Ernst gemeinte Frage


Was - bitteschoen - hindert Italien und Europa daran, diese Leute ins Herkunftsland umgehend rueckzufuehren?

~

Antworten Gast: Helvetier
31.03.2011 09:59
0 0

Re: Ernst gemeinte Frage

Sehr gute Frage. Die fehlenden finanziellen und militärischen (Marine) Mittel können es wohl nicht sein. Der Druck/die Stimmung aus/in der europäischen Bevölkerung wohl ebenfalls nicht. Wohl nicht einmal am Willen der meisten Politiker dürfte es liegen. Es dürfte sich vielmehr um so abstruse, undefinierbare und biegsame Begriffe wie "Menschenrechte" und "moralische Verantwortung" handeln, mit denen sich Westeuropa zu falsch verstandenem Aktionismus hingezogen fühlt. So schaufeln wir uns selbst unser Grab...

Gast: trainingsraum
30.03.2011 19:32
3 0

ein link für linke

wozu diese figuren in halb italien herumschieben?
wollen wir das wirklich in europa?

http://www.dailymail.co.uk/news/article-1371204/Lampedusa-MORE-migrants-fleeing-Tunisia-Libya-inhabitants.html

Antworten Gast: securitycode
30.03.2011 20:19
7 0

Interessanter Link

Seltsam, dass immer nur junge Männer flüchten müssen.
die Frauen lassen sie zurück in den Herkunftsländern wo es so lebensgefährlich ist ?

Die Juden seinerzeit schickten zuerst die Kinder in Sicherheit, dann die Frauen, zuletzt erst gingen die Männer, setzten sich so der Gefahr am längsten aus.

Mentalitätsunterschiede - oder andere Gründe ?

hach ja

er hat halt ein Herz für Nordafrikaner/innen
vielleicht wieder was dabei für bunga bunga
eine Nichte Gadhafis ...oder so

Silvio,

bring sie nicht aufs italienische Festland!
Bring sie heim nach Afrika!

Gast: Kevin Groß
30.03.2011 16:58
0 0

Sardinien ?

Warum lässt er nicht ein paar Hundert nach Sardinien bringen???

Gast: Helvetier
30.03.2011 16:40
1 2

Berlusconis Politik

Die Aussagen und Taten (Hauskauf auf Lampedusa, Friedensnobelpreis für Lampedusa) Berlusconis sind so lachhaft und unnütz, dass diese zur Problembewältigung überhaupt nichts beitragen werden, sie stehen dieser wohl vielmehr im Wege. Ein weiteres Exempel berlusconischer Populismusstrategie. Es geht ihm um Effekthascherei, um Goodwill (Steuermoratorium!) aus der Bevölkerung, den Rest interessiert ihn nicht die Bohne.

Gast: Blaues Wunder
30.03.2011 16:40
2 0

Endlich einmal traut sich ein Politiker etwas!

Hut ab, Herr Berlusconi! Die Augen vieler Europäer sind auf Lampedusa gerichtet.

Gast: Franz R
30.03.2011 16:30
9 0

Düstere Aussichten

DAS IST ERST DER ANFANG!
Es genügt, an die Worte Boumediennes (des ehemaligen Staatschefs Algeriens)
vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen 1974 zu
 erinnern: „Eines Tages werden Millionen von Menschen die südliche Halbkugel verlassen,
um in die nördliche einzudringen. Sicherlich nicht als Freunde. Denn sie werden kommen,
 um sie zu erobern. Und sie werden sie erobern, indem sie die nördliche Halbkugel mit ihren Kindern bevölkern.
 Der Leib unserer Frauen wird uns den Sieg bescheren (Oriana Fallaci)