Italien: Massenflucht tunesischer Migranten

03.04.2011 | 12:12 |   (DiePresse.com)

Mindestens 700 Tunesier flüchteten aus einem Auffanglager in Apulien, auf Sizilien waren es etwa 500 Migranten. Die Flüchtlingswelle in Richtung Lampedusa reißt nicht ab.

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Italien hat weiterhin keine geeignete Antwort auf die derzeitige Flüchtlingswelle. Während auf Lampedusa in der Nacht auf Sonntag wieder 330 Migranten eintrafen, sind mindestens 700 der 1800 Tunesier, die in der Zeltstadt Manduria in Apulien untergebracht worden waren, vom Auffanglager gelüchtet. Sie bestürmten den Bahnhof der Kleinstadt und fuhren mit Zügen in Richtung Norditalien. 500 Migranten, die im Flüchtlingsdorf Mineo nahe der sizilianischen Stadt Catania untergebracht wurden, verließen die Ortschaft.

Die Präsidenten der italienischen Regionen protestierten gegen den Plan der Regierung für die Unterbringung der Migranten in Zeltlagern. "Zeltstädte für 2000 illegale Migranten aufzubauen, ist gefährlich. Es kann zu explosiven Situationen kommen", warnte der Präsident der Region Emilia Romagna, Vasco Errani. Er drängte die Regierung von Silvio Berlusconi, den Migranten eine provisorische Aufenthaltsgenehmigung zu gewähren, damit die Tunesier in der EU reisen könnten.

Die Leichen von 70 Flüchtlingen, die bei der Seeüberfahrt in Richtung Italien ums Leben gekommen waren, wurden unterdessen vor den libyschen Küsten geborgen. Dies wurde italienischen Medien vom Priester Mose Zerai, Präsident der Flüchtlingsorganisation Habesha, bestätigt. In den vergangenen Tagen hatte der Priester per Satellitentelefon einen Hilferuf von den Migranten erhalten, die in Seenot geraten waren.

In dieser schwierigen Situation bereitet sich Italiens Regierungschef Berlusconi auf seine Reise nach Tunesien vor, wo er seinen Amtskollegen Beiji Caid Essebsi treffen wird. Berlusconi rief die tunesische Regierung auf, sich zur Rücknahme der Migranten zu verpflichten, die in den vergangenen Wochen in Süditalien eingetroffen sind. Dafür will Italien Tunesien bis Mitte April 100 Millionen Euro für die Sicherheitskräfte zur Verfügung stellen, die die Abfahrt der Migranten von den tunesischen Küsten verhindern sollen.

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(Ag.)

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23 Kommentare

„Mander s’isch Zeit“


Antworten Gast: flock
06.04.2011 15:51
0

Re: „Mander s’isch Zeit“

Wofür?

Hast leicht einen Entzug?

Brauchst 7 Bier?

die maske fällt

bei den (widerlichen) biedermännern:

sogar leute wie strache betonen immer wieder, dass menschen, die anderswo verfolgt werden/sich in todesgefahr befinden, willkommene asylanten sind.
dann gibt es in tunesien einen (bürger)krieg.
und plötzlich sind die von dort kommenden flüchtlinge in den augen der üblichen widerlinge "einbrecher, verbrecher, sozialstaat-ausnutzer...."


Antworten Gast: Gast 123
06.04.2011 22:52
5

In Tunesien gibt es einen Bürgerkrieg?

Ich dachte, Diktator Ben Ali wurde von der tunesischen Bevölkerung erfolgreich verjagt. Jetzt heißts das Land aufbauen, reformieren und nicht davon laufen!

Antworten Gast: Geh Leo
05.04.2011 12:58
12

Bitte um Aufklärung

Woraus entnehmen sie aus dem Artikel dass diese Menschen "verfolgt werden/sich in Todesgefahr befinden" ? Im Gegenteil, deren Land wurde soeben befreit und braucht sicher alle Hilfskräfte um das Heimatland - so wie Österreich nach dem Weltkrieg - aufzubauen bzw. wirtschaftsfähig zu erhalten. Die oben beschriebenen Leute (bin Koch will nach Frankreich) sind klassische Wirtschaftsflüchtlinge die in ein Sozialsystem einwandern wollen. Dagegen wehrt sich Strache zurecht - und ich mich auch.

Gast: gast2
04.04.2011 23:31
21

Manipulation

Der Frau Dörfler gehört ein journalistischer Spezialpreis für ihre Reportage, geprägt von ihrem grün-humanistischen Menschenbild, verliehen.
Einerseits beschreibt sie die Menschen als politische Flüchtlinge, die vor islamistischen Terror fliehen, um dann im nächsten Satz Kaled N., der als Koch in einer tunesischen Tourismusregion war, bei dem schon einmal in Deutschland - und das heisst einiges - festgestellt wurde, dass kein Asylstatus in seinem Fall vorliegt, zu Wort kommen zu lassen. Und es wäre wirklich spannend, etwas mehr von ihr über den islamistischen Terror in Tunesien zu erfahren.
Natürlich mag für die meisten die Reise beschwerlich gewesen sein, aber diese permanente Darstellung von Wirtschaftsmigranten als politische Flüchtlinge wird am Ende eher das Gegenteil bei weiten Teilen der Bevölkerung - die an Naivität nicht zu "unterbietende" Schar der GrünINNEN einmal ausgenommen - bewirken.

bin ich froh

Bin ich froh, dass die alle nach Frankreich wollen. Der Sarko ist ja keiner, der sich allzuviel um EU Vorschriften schei..t.

Gast: Kinder des Protektorat
04.04.2011 19:32
3

Im Endeffekt sind das alles nur französische Mischlinge aus der Kolonialzeit.

Liberté - Egalité - Fraternité

nici

Italien braucht sich

da langfristig ohnehin keine Sorgen machen da die angeblichen "Flüchtlinge" nach CH, A,und D oder besonders nach F wollen und auch gehen werden, unabhängig von irgendwelchen Einreisevorschriften und Rückkehrhilfen. Sarkosy in F wird die Sache sicher meistern. Bei CH, A und D allerdings sollte man da besser keine grosse Hoffnungen haben es laufe ohne erheblich negative Nebenwirkungen für die
Einheimischen ab. In CH, A und D wurden in der Vergangenheit zulange zuviele Fehler begangen und Besserung ist bis heute in dieser nicht in Sicht.

Antworten Gast: Alien (Dauerzensuriert)
04.04.2011 21:43
11

CH

Auch der Großteil der Eidgenossen ist intelligent und ihre Regierung kann recht radikal sein. Um die mach ich mir da keine Sorgen (im Gegensatz zum restlichen erwähnten deutschsprachigen Gebiet).

Gast: GmbH
04.04.2011 09:28
15

Vor was flüchten die denn?

Vor der neuen Demokratie? Ich wüde lieber von Sozialtöpfeeroberern reden.

Gast: Los gehts
03.04.2011 18:21
24

Waren beim rebellieren die ersten

und genauso beim ausbüchsen. Das heisst also, Sicherheitstüren einbauen lassen,Sicherheitswesten anlegen und Stahlhelm auf. Ihr werdet es brauchen.

Gast: Pedro
03.04.2011 17:07
1

Wieso Bezeichnung Migranten

total beklopft, es sind doch Flüchtlinge. Oder haben sie v.d. Presse bereits den Status Migranten bekommen?

Antworten Gast: gast03
03.04.2011 20:17
5

Re: Wieso Bezeichnung Migranten

weil sich die Migranten selbst nicht als Flüchtlinge bezeichnen?

Antworten Gast: EU-GR
03.04.2011 18:28
6

Re: Wieso Bezeichnung Migranten

Oder demnächst unsere Europäische Jobkiller durch billig und schwarzarbeit.

Gast: sersus
03.04.2011 16:51
21

berlusconis trick

auf das haben die afrikaner gewartet, nämlich dass sie auf das italienische festland verbracht werden. sie wissen, das die italiener nichts unternehmen werden wenn sie aus dem lager ausbrechen und richtung österreich und deutschland untertauchen können. sie werden dort hingehen wo sie sich in das soziale netz einklinken können. und wir brennen und brennen und brennen....und die kriminalität steigt und steigt...

Gast: s4fiu
03.04.2011 16:08
17

Na wenn das nicht der Plan war!

Berlusconi hatte in der Vergangenheit schon öfters kritisiert, dass Italien angeblich von der EU mit den Flüchtlingen alleine gelassen wird.

Jetzt hat er den Spieß umgedreht!

Zum einen konnte er sich bei der Bevölkerung profilieren, zumindest wurde das Problem von A nach B verlegt,
zum anderen haben die Verantwortlichen natürlich gewusst, das passieren wird, was jetzt passiert ist:

Sind die Flüchtlinge erstmal auf Italiens Festland, werden sie in Kürze in Frankreich, Deutschland und ja auch in Österreich auftauchen:
Und dann wird die EU handeln müssen!

Hoffentlich hat die Innenministerin Fekter (ÖVP) bereits angewiesen, dass die Kontrollen an der Grenze Österreich - Italien bzw Slowenien schleunigst intensiviert werden müssen!
Binnen weniger Stunden können Illegale per LKW oder Eisenbahn vom Süden Italiens den Brenner erreichen!
Auch ein Bundeswehreinsatz zur Sicherung der unwegsamen Grenze im Gebirge wäre genau die richtige Antwort!

Antworten Gast: Helvetier
03.04.2011 16:55
8

Re: Na wenn das nicht der Plan war!

Sehe das wie Sie. Berlusconis Politik ist eine imagepolitur-Kampagne seitens des Premiers. Es geht Ihm - nicht zuletzt im Zuge des morgigen Prozessauftaktes - um Vertrauensgewinn in der Bevölkerung. Darauf ist er mehr denn je angewiesen. Ich vermute, dass es Berlusconis bewusster Plan war, die Flüchtlinge aufs Festland zu bringen, um einerseits die aufgebrachten Lampeduser zu beruhigen und andererseits die Flucht gen Norden (natürlich v.a. über die Alpen) zu befördern. Eine Abschiebung nach Tunesien wäre um einiges komplizierter und politisch riskanter gewesen.

Gast: Opus Ei
03.04.2011 14:31
18

Massenflucht tunesischer Migranten aus Italien

Warum flüchten die Tunesier schon wieder aus einem Maghreb Staat?
Wollen die alle christliche Mitteleuropäer werden?

Eigentlich was ganz neues ............

angefangen haben sie als fluechtlinge - dann sind sie aufgenommen worden - danach sind sie wieder gefluechtet - also - fluechtende fluechtlinge - oder - geflohene fluechtlinge - ??? - wie ist jetzt der rechtliche status - wahrscheinlich muss jetzt bei der UN eine neue organisation gegruendet werden - denn UNHCR betreut ja nur fluechtlinge............

Maghrebinische Geschichten!

Endlich die Chance auf Demokratie im eigenen Land und alle wollen flüchten! (Vor der Verantwortung, der Aufbauarbeit etc.)

Antworten Gast: Nundenn
03.04.2011 14:21
25

Re: Maghrebinische Geschichten!

Wie hoch ist die Mindestsicherung in Tunesien?

In Österreich genießen Fremde ohne Aufenthaltsrecht, die aus irgendwelchen Gründen - Afrika will sie nicht zurück - angeblich nicht abschiebbar sind, üppige Grundversorgung all inclusiv auf unsere Kosten. (BGBl I Nr 80/2004)

Vielleicht ist das eine Erklärung.

Ösis zahlen offenbar gerne. Sonst würde sie eine andere Regierung wählen.

Gast: Messalina-X
03.04.2011 12:44
21

"Vasco Errani drängte die Regierung von Silvio Berlusconi, den Migranten eine provisorische Aufenthaltsgenehmigung zu gewähren, damit die Tunesier in der EU reisen könnten. "

der tickt doch nicht mehr richtig

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