"Volle Verantwortung": Tepco-Chef muss gehen

20.05.2011 | 14:22 |   (DiePresse.com)

Er übernehme die Verantwortung für die AKW-Katastrophe in Fukushima, sagt der scheidende Chef Shimizu. Das Unternehmen hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Rekordverlust von zehn Milliarden Euro gemacht.

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Mehr als zwei Monate nach Beginn der Atomkatastrophe in Fukushima muss der Chef des Kraftwerksbetreibers Tepco gehen. Als Topmanager habe er die volle Verantwortung zu übernehmen, sagte der 66-jährige Masataka Shimizu am Freitag in Tokio. Ein schweres Erdbeben gefolgt von einem Tsunami hatte zur größten Reaktorkatastrophe seit Tschernobyl vor 25 Jahren geführt. Bisher ist es nicht gelungen, die havarierten Reaktoren wieder unter Kontrolle zu bringen. Die Atomkatastrophe bescherte dem größten Energieversorger Japans einen Rekordverlust.

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"Wir haben beschlossen, dass die Leitung die volle Verantwortung übernehmen sollte", begründete der schon lange umstrittene Shimizu seinen Rücktritt. Er hatte sich zwei Tage nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vom 11. März für die Havarie des AKW Fukushima entschuldigt. Danach war er krank geworden und wochenlang nicht zu sehen, während ein Tepco-Sprecher Tag für Tag neue Schreckensmeldungen über die Vorgänge in den Reaktoren verkünden musste. Erst am 11. April trat Shimizu wieder öffentlich auf. "Die Öffentlichkeit hat das Vertrauen in die Atomenergie verloren", stellte er am Freitag fest. Deshalb muss jetzt auch der Leiter von Tepcos Atomabteilung, Sakae Muto, seinen Hut nehmen.

Mehr als 10 Mrd. Euro Verlust

Laut Tepco soll Shimizu nach der Hauptversammlung Ende Juni durch den geschäftsführenden Direktor Toshio Nishizawa ersetzt werden. Es sei sein "Schicksal, in diesen schweren Zeiten unsere Bemühungen zu leiten", sagte der künftige Tepco-Chef. Auch er entschuldigte sich für die größte Atomkatastrophe seit dem Reaktorunglück von Tschernobyl vor 25 Jahren.

Der Verlust des Kraftwerksbetreibers für das abgelaufene Geschäftsjahr 2010/11 (per Ende März) beläuft sich auf 1,25 Billionen Yen (10,7 Mrd. Euro) und ist damit der höchste eines japanischen Unternehmens außerhalb der Finanzbranche. Eingerechnet sind die Kosten für die Stilllegung von vier der sechs Reaktoren von Fukushima sowie für die Reparatur von Wärmekraftwerken, deren Inbetriebnahme einen Engpass bei der Stromversorgung verhindern soll. Auch die Kosten für die Kühlung der Reaktoren und der Abklingbecken sowie für die Entsorgung von tausenden Kubikmetern kontaminierten Wassers wiegen schwer.

Um die Opfer von Fukushima schnell entschädigen zu können, erhält Tepco Vorauszahlungen vom Staat. Analysten zufolge könnten die Entschädigungszahlungen bis zu 10 Billionen Yen erreichen.

Keine Dividende für Aktionäre

Tepco werde die vier Reaktoren verschrotten, der Plan, zwei weitere zu bauen, sei hinfällig, teilte das Unternehmen mit. Einen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr wagte Tepco nicht. Die Aktionäre werden keine Dividende erhalten. Dies war zuletzt 1951 der Fall, in dem Jahr, in dem Tokyo Electric Power gegründet worden war.

Der Wert der Tepco-Aktie an der Börse in Tokio sank am Freitag weiter. Seit der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vom 11. März, die den schweren Atomunfall in Fukushima auslöste, ging der Wert der Aktie bereits um mehr als 80 Prozent zurück.

(Ag./Red.)

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8 Kommentare
Gast: Relativist
22.05.2011 14:09
0

Die "volle Verantwortung" ist das aber nicht...

Denn die volle Verantwortung müsste mit ein schliessen, dass der Kerl nun auch für die Verluste aufkommt. Und auch für die ausreichende Entschädigung der Strahenopfer!

Wenn er das nicht kann und auch nur einen Funken Ehre im Leib hat, dann begeht er jetzt Harakiri!

Gast: Wie
21.05.2011 19:47
0

Wie

Wie hoch sind die Abfindung&Pension?

Gast: amarie
20.05.2011 22:14
0

hoffen wir, daß japan und die ganze welt aus der katastrophe gelernt hat.

weil es ja nichts nützt wenn einer bereut und geht und der nächste weitermacht wie zuvor.

ich glaube für japan wären gezeitenkraftwerke eine bessere lösung.
die können zwar auch kaputt werden, aber man muß nicht für 200.000 jahre die lebensgefährliche betreuung und sicherung der havarie finanzieren.

Gast: Besucher
20.05.2011 16:38
0

Gast

Der Chef geht? So einer muß in den Reaktor zu kühlung geschickt werden!

Gast: Ungläubiger
20.05.2011 15:43
0

Volle Verantwortung

Sein Privatvermögen wird also gepfändet und der Lohn seines künftigen Arbeitgebers ebenso?

Informator

Also WARUM genau ist er jetzt zurückgetreten? Weil die Firma die zweitgrößte Atomkatastrophe der Menschheitsgeschichte mitverursacht hat? Oder weil er es nicht geschafft hat, den Aktionären ihre Dividende zu sichern?

Gast: Tellmywill
20.05.2011 11:09
0

Er geht und das Volk zahlt

Tepco-Chef geht und sein Einkommen der letzten Jahre nimmt er mit. Die Gewinne die er auf Kosten der Sicherheit erwirschaftet hat verschwinden irgendwo und die Bevölkerung darf die Konsequenzen tragen.

Tepco-Chef geht

was das ganze auch nicht mehr rückgängig opder ungeschehen machen kann....

:-(((((((((


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