Lauda Air-Absturz in Thailand jährt sich zum 20. Mal

26.05.2011 | 09:10 |   (DiePresse.com)

Beim bisher schwersten Unglück der österreichischen Luftfahrtgeschichte kamen in Thailand 223 Menschen ums Leben. Schuld war damals eine defekte Schubumkehr.

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Vielen sind die Fernsehbilder noch immer präsent: Mit versteinertem Gesicht ging Niki Lauda durch die Flugzeugtrümmer in einem thailändischen Urwald. Einen Tag zuvor war eine Boeing 767-300 der Lauda Air eine halbe Stunde nach dem Start in Bangkok abgestürzt, dabei kamen alle 223 Menschen an Bord ums Leben. Das Unglück am 26. Mai 1991 war das schwerste in der Geschichte der österreichischen Luftfahrt. Heuer jährt es sich zum 20. Mal.

Die "Mozart" war erst 18 Monate zuvor in Dienst gestellt worden. Als Auslöser des Absturzes wurde später eine defekte Schubumkehr am linken Triebwerk ermittelt. Die Schubumkehr - sozusagen ein "verkehrter" Antrieb - dient zum Abbremsen des Flugzeugs nach der Landung. Durch das Ausfahren während des Steigflugs wurde die Maschine unsteuerbar, kam in extremen Sinkflug und brach auseinander. Verursacht wurde das Ausfahren der Schubumkehr durch ein falsch konstruiertes hydraulisches Ventil. Als Konsequenz änderte Boeing die Konstruktion.

Piloten hatten keine Chance

Wie die Untersuchungen ergaben, drehte sich das Unglücksflugzeug zunächst auf das Dach und raste dann unkontrollierbar mit einer Geschwindigkeit von 0,99 Mach - also fast Schallgeschwindigkeit - in Richtung Erde. Die Cockpit-Besatzung hatte keine Chance, das Unglück zu verhindern. Aus den Aufzeichnungen des Voice Recorders ging hervor, dass Kapitän und Co-Pilot noch versuchten, die Probleme unter Kontrolle zu bekommen.

Lauda damals: "Kein Pilot der Welt kann eine Maschine in einer solchen Situation noch abfangen. Das ist, wie wenn du 300 km/h mit dem Auto fährst und plötzlich auf einer Seite bremst - nur, dass auf ein Flugzeug noch viel größere Kräfte einwirken."

89 Österreicher an Bord

Das Unglück 1991 in Thailand war das dritte schwere, von dem ein österreichisches Verkehrsflugzeug betroffen war. Am 26. September 1960 hatte der Absturz einer "Vickers-Viscount"-Turboprop-Maschine der AUA beim Landeanflug auf den Moskauer Flughafen Scheremetjewo 31 Tote gefordert. Schuld war damals eine falsche Höhenmesser-Einstellung. Am 23. September 1989 war eine mit elf Personen besetzte "Commander AC 90" der Rheintal-Flug beim Landeanflug auf den Flughafen Altenrhein am schweizerischen Ufer des Bodensees bei dichtem Nebel in das Gewässer gestürzt. Dabei kam auch der damalige Sozialminister Alfred Dallinger (S) ums Leben.

Auch der Lauda Air-Absturz hat einen prominenten Toten gefordert. In Thailand starb der Innsbrucker Wirtschaftswissenschafter Univ.-Prof. Clemens August Andreae. Von den 223 Menschen an Bord - unter ihnen zehn Besatzungsmitglieder - waren 89 Österreicher. Die anderen Passagiere stammten unter anderem aus Hongkong, Thailand, China, aus Deutschland und der Schweiz. Die "Mozart" war in Hongkong gestartet und in Bangkok zwischengelandet. Zielflughafen war Wien-Schwechat.

(Ag.)

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12 Kommentare
Gast: Ich habe nichts zu verschenken
26.05.2011 18:32
0

Lauda Air-Absturz in Thailand jährt sich zum 20. Mal

Saure Gurken Zeit?

Antworten Gast: pc
27.05.2011 07:58
0

Re: Lauda Air-Absturz in Thailand jährt sich zum 20. Mal

Saure Gurkenzeit? Nein. Nach 20 Jahren, ohne jegliche psychologische Betreuung merkt man, wie einen der Schmerz noch immer übermannt. Viele Freunde der Uni Innsbruck und zwei meiner Professoren sind abgestürzt und haben nicht überlebt. Ich war nicht dabei, weil mir die damals 7000 Schilling für die Reise zu viel waren. Habe die Studienreisen davor aber alle mitgemacht. Die wenns - und danns gehen einen durch den Kopf und das Herz geht einem über...

Hintergünde und Untersuchungsergebnisse

Das Resultat der österreichischen Untersuchungen der dem Crash vorangegangenen Wartung der Maschine ist zum Gruseln:

http://www.austrianwings.info/aw/?p=26533

Antworten Gast: Flugangst
27.05.2011 15:00
0

Re: Hintergünde und Untersuchungsergebnisse

Der original Untersuchungsbericht der thailändischen Unfallkommision ist der einzig kompetente Bericht.Man kann darin Fakten lesen die sonst nirgendwo pupliziert oder auch nur ansatzweise analysiert wurden.War auch nicht im Interesse der Öffentlichkeit.

Antworten Antworten Gast: Fragezeichen ?
04.06.2011 16:46
0

Re: Re: Hintergünde und Untersuchungsergebnisse

Das stimmt so nicht. Die thailändische Flugunfallkommission hat viele der im Vorfeld des Unfalls zu Tage getretenen Probleme nicht beleuchtet. Dadurch ist der Bericht lückenhaft. Viele Details kamen erst bei einer Untersuchung der Staatsanwaltschaft in Österreich zu Tage. Es wurde dabei Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Diese Ermittlungen wurden aber aus nicht geklärten Umständen eingestellt. Siehe dazu das Buch "Runter kommen Sie immer" von Tim van Beveren (nur um ein Beispiel zu nennen). Auf den Punkt gebracht: Auf Grund einer bestimmten Fehlermeldung, hätte das Flugzeug bei Einhaltung der damals geltenden Vorschriften an diesem Tag nicht fliegen dürfen.
Grundsätzlich: Ich denke an die Hinterbliebenen der Opfer, an die Opfer und die Besatzung welche verschuldet durch Fahrlässigkeit im Firmenmanagement und der zugehörigen Technik an diesem Tag Ihr Leben verlieren mußten. Ein Hohn das der Firmenverantwortliche noch immer im Flugliniengeschäft ist.

Gast: flugangst
26.05.2011 12:55
0

Fasch konstruiertes Ventil

Lesen Sie mal den original Unfallbericht.Darin steht das alle am Unfallort gefundenen Ventile in eingefahrener Schubumkehrposition waren. Die Annahme das ein ausfahren der Schubumkehr im Flug unter bestimmten voraussetzungen möglich ist war rein hypotetisch und bei Lauda´s fall nicht zutreffend,da ja alle Ventile in eingefahrener Schubumkehr gefunden wurden.Also was wars?

Re: Fasch konstruiertes Ventil

a so a Bledsinn. Das fragliche Ventil wurde erst gar nicht gefunden, nur die Software aus dem FR besagt, reverser deployed.

Antworten Antworten Gast: Flugangst
28.05.2011 23:21
0

Re: Re: Fasch konstruiertes Ventil

@McCarthy....dann sind sie wohl falsch informiert

Antworten Gast: Anonymus
26.05.2011 15:09
0

Re: Fasch konstruiertes Ventil

...und die in offener Position gefundene Schubumkehr des linken Triebwerks ist auch rein hypotetisch? Beim Aufprall könnte sich die T/R Cowling wohl nach hinten verschieben, aber dann wird sie nicht offen gefunden, sondern nur teilweise und total ungleichmäßig offen vorgefunden! Allerdings war die T/R Cowling "ausgefahren" im Moment des Aufpralls!

Antworten Gast: Schmerty
26.05.2011 13:58
0

Keine Zeitung schreibt die Fakten

aus dem Unfallbericht. Da liest man nur, was Herr L. damals in Pressekonferenzen ausgesagt hat ...

Gast: nikie the truth
26.05.2011 12:06
1

20 Jahre...

Nicht zu vergessen die Vorwürfe wegen schlechter Wartung die gegenüber der Lauda Air immer wieder gemacht wurden.....
angeblich war die Fehlermeldung bekannt und wurde bereits mehrere male ingnoriert...


Re: 20 Jahre...

..und die miese Betreuung der Angehörigen. dAs hat sich erst mit der Übernahme durch die AUA geändert.

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