Wien/Berlin. Die Ausbreitung des im schlimmsten Fall lebensgefährlichen Darmbakteriums EHEC ist auch zwei Wochen nach den ersten Verdachtsfällen alles andere als unter Kontrolle. In Deutschland, von dort scheint die Epidemie bisher auszugehen, vermeldeten die Behörden am Samstag den inzwischen neunten Todesfall. In Schleswig-Holstein erlag eine 84-jährige Frau ihren schweren Nierenkomplikationen.
Der Bakterienstamm, der eigentlich aus den Därmen von Nutztieren stammt, soll in Deutschland inzwischen fast 1000 Mal bei Menschen nachgewiesen worden sein. Meistens leiden Betroffene unter schwerem Durchfall. Weitere Fälle sind aus den Niederlanden und Skandinavien bekannt. In Österreich war am Samstag in Linz von einem dritten Verdachtsfall die Rede. Der Schauspieler soll zuvor in Deutschland gewesen sein und dort bei seiner Großmutter eine Gurke verzehrt haben. Schon am Freitag wurden ebenfalls in Oberösterreich zwei Radfahrer aus Deutschland ins Krankenhaus eingeliefert, die unter den EHEC-Symptomen litten.
Im Schatten der gesundheitlichen Folgen entwickelte sich in den vergangenen Tagen ein geradezu bizarrer Streit darüber, woher denn die gefährlichen Bakterien überhaupt stammen. Klar scheint inzwischen nur, dass die EHEC-Keime mit aus Spanien importierten Gurken nach Mitteleuropa, unter anderem nach Deutschland und Österreich, gelangt sind. Die verdächtigen Chargen wurden inzwischen aus dem Verkehr gezogen.
Gurken auf den Boden gefallen? Gleichzeitig gerieten die Produzenten unter Verdacht, bei der Hygiene geschlampt zu haben. Die jedoch wehren sich. Die Bakterien seien womöglich beim Transport auf die Ware gelangt, sagt einer der beiden Produzenten, Pepino Bio Frunet. So könnte das Gemüse womöglich bei der Anlieferung im Hamburger Großmarkt auf den Boden gefallen sein.
Ebendort wies man die Theorie bisher brüsk zurück. Vorstandschef Hans Joachim Konrad hielt dazu fest: „Wir treiben hier keine Kuhherden durch die Hallen.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.05.2011)
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