Bürgermeister Schaden: "Keine organisierte Evakuierung"

15.01.2012 | 18:14 |  Von unserer Korrespondentin CLAUDIA LAGLER (SALZBURG) (Die Presse)

Salzburgs Bürgermeister, Heinz Schaden (SPÖ), war unter den 3200 Urlaubern, die auf der „Costa Concordia“ eine Mittelmeer-Kreuzfahrt gebucht hatten.

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Die Presse: Werden Sie, nachdem was Sie auf der „Costa Concordia“ erlebt haben, wieder einmal eine Kreuzfahrt unternehmen?

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Heinz Schaden: Nein, mit Sicherheit nicht. So schnell gehe ich nicht mehr auf ein Schiff. Ich wollte noch eine Woche Urlaub genießen, bevor es mit der Arbeit wieder so richtig losgeht. Dass das so endet, hätte keiner gedacht.

Hat es während der Reise an Bord Unterweisungen gegeben, was im Notfall zu tun ist?

Es gab ein Mal das übliche Antreten aller Passagiere. Da müssen alle die Schwimmweste anlegen, es wird geschaut, ob sie funktionieren. Der wirkliche Ernstfall wird nicht geübt.

Wie haben Sie die Ereignisse an Bord erlebt?

Ich war gerade in meiner Kabine, um den Koffer zu packen, als es einen lauten Krach gab. Es war eine Erschütterung, die sicher eine halbe Minute gedauert hat. Mir war sofort klar, dass das Schiff aufgelaufen ist. Die Leute sind auf die Gänge, man sagte uns, wir sollen uns keine Sorgen machen, es sei nur ein Stromausfall. Aber das Schiff hat rasch Schlagseite bekommen. Die Leute sind dann von sich aus auf die Decks mit den Rettungsbooten gegangen. Erst nach langer Zeit hat man die Passagiere in die Rettungsboote einsteigen lassen, dann mussten sie wieder aussteigen. Es ist wertvolle Zeit verloren gegangen.

Ist es an Bord zu Panik gekommen?

Nein, die Passagiere waren sehr diszipliniert. Ich war sehr überrascht, dass bis auf ein paar wenige Ausnahmen alle sehr ruhig reagiert haben.

Hat die Rettungskette aus Ihrer Sicht funktioniert?

Es hat keine organisierte Evakuierung gegeben. Selbst für Laien war klar erkennbar, dass das Schiff in großer Gefahr ist. Keiner hat gewusst, wer was anschafft. Die höheren Chargen haben sich bei der Evakuierung nicht blicken lassen. Es waren lediglich die Matrosen und das Küchenpersonal, die sich um die Menschen gekümmert haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2012)

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4 Kommentare
Gast: Rating Agent 007
19.01.2012 07:37
0

Ist der (noch) Salzburger Bürgermeister ein Dieb?!

Beim TV-Interview stieg aus seinem Dienstwagen und hallte dabei die Schwimmweste der Costa in der Hand. Diese Schwimmwesten wurden in einem eigens dafür eingerichteten und abgesperrten Bereich gesammelt und sind sehr wertvoll. Er hatte vielleicht keine Gelegenheit mehr die Handtücher und das Besteck mitgehen zu lassen, also schnappte er sich die Schwimmweste als Souvenir? Die Staatsanwaltschaft muss das untersuchen!

Gast: Kreuzfahrer
16.01.2012 21:27
0

Offiziere bei Costa sind unmöglich

Vor einigen Monaten machte ich ebenfalls eine Kreuzfahrt mit Costa. Es war ein tolles Erlebnis. Es stimmt, dass die niederen Chargen z. T. 14 Stunden am Tag für Hungerlöhne arbeiten. Allerdings sind das auch jene Menschen, die dennoch meist freundlich sind und nicht so eingebildet und unhöflich wie die Offiziere. Ich kann mir bestens vorstellen, dass sich im Ernstfall auch nur die niederen Chargen um die Gäste gekümmert haben. Das Bild wird vom Umstand perfekt abgerundet, daß der Kapitän das Schiff vorzeitig verließ ... Eigentlich eine Schweinerei!

Gast: Rating Agent 007
16.01.2012 18:17
0

Nur die linke Schikeria fährt mit COSTA

Die Arbeitsverträge sind eine moderne Form der Sklaverei. Wer krank wird oder einen Urlaubsantrag stellt fliegt raus. Arbeiten muss jeder mindestens 14 Studen am Tag oft länger für einen Hungerlohn. Nur der Oberkellner war in einer Position in der er einer Gewerkschaft gleich sich trauen konnte überhaupt einen Urlaubsantrag zu stellen. Natürlich hat man ihn vorgeführt, extra auf die Brücke kommen lassen und ist so nah wie möglich an seinem Haus vorbeigeschrammt. Alle anderen wären sofort gekündigt worden.

Antworten Gast: Opfer100
16.01.2012 19:45
0

Re: Nur die linke Schikeria fährt mit COSTA

Offenbar war bei der zweiten Runde Abendessen. Das sind die, die dann die halbe Nacht sitzenbleiben und champagnisieren.

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