Die Reederei Costa Crociere, Betreiber des am 13. Jänner vor der Küste der Toskana verunglückten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia", erhebt weitere Vorwürfe gegen Kapitän Francesco Schettino. Der 52-Jährige wollte sich demnach mit der Reederei über eine Darstellung der Vorfälle einigen, um sich selbst zu entlasten.
"Schettino wollte den Staatsanwälten erzählen, dass das Schiff nach einem Stromausfall an Bord gegen die Felsen geprallt sei", berichtete der Geschäftsführer der Reederei, Pierluigi Foschi. Die Vorwürfe des Unternehmens basieren auf Aussagen von Costa Crociere-Krisenmanager Roberto Ferrarini, der nach der Havarie mit dem Kapitän telefonisch in Verbindung stand.
Gesellschaft will Anwaltskosten nicht zahlen
"Der Kapitän hat mir nicht berichtet, wie bedrohlich die Lage an Bord war", sagte Ferrarini den ermittelnden Staatsanwälten. Die Reederei macht den Kapitän allein für die Katastrophe verantwortlich. Der 52-Jährige habe die Notstandssituation an Bord des Schiffes nach der Havarie heruntergespielt. Dadurch sei eine volle Stunde verloren gegangen. Die Gesellschaft will Schettinos Prozess- und Anwaltskosten nicht übernehmen. Der unter Hausarrest stehende Kapitän wurde vergangene Woche von seinem Arbeitgeber suspendiert.
"Hätte man sofort die Evakuierung in die Wege geleitet, wäre die Zahl der Todesopfer nicht so hoch gewesen", sagte der Kommandant der Hafenbehörde der toskanischen Ortschaft Porto Santo Stefano, Marco Brusco, der nach der Havarie an der Rettungsaktion beteiligt war. Schettino habe viel Zeit verloren. "Wenn die Evakuierung sofort begonnen hätte, hätten die Passagiere früher in Sicherheit gebracht werden können", sagte Brusco vor dem Senat in Rom.
Am Dienstag waren Protokolle von abgehörten Telefongesprächen des Kapitäns veröffentlicht worden. Darin sagte Schettino unter anderem, dass er von einem Manager der Reederei zu dem riskanten Manöver gedrängt worden sei, das schließlich zu dem Unglück führte (mehr ...).
Suche geht weiter
Inzwischen geht die Suche nach den 22 Vermissten auf der "Costa Concordia" weiter. Die Wetterlage rund um die Insel Giglio ist günstig, auch für die Experten, die das Abpumpen des Schweröls vorbereiten. Mit dem Anbohren der Öltanks im Schiff wurde begonnen. Mit dem Abpumpen werden die Fachleute am kommenden Samstag starten.
Verschmutzung gemessen
Fast zwei Wochen nach der Havarie sind im Meeresschutzgebiet vor der italienischen Küste erste Verschmutzungen gemessen worden. Die Situation sei zwar noch "tragbar", aber für eine vom Tourismus und der Fischerei abhängige Region "heikel", sagte ein Sprecher des WWF am Donnerstag. Auch den Tauchern bereitet verfaulter Müll Schwierigkeiten bei der Suche nach den Vermissten.
Der Sprecher der italienischen Sektion der Umweltorganisation WWF, Gaetano Benedetto, zeigte sich besonders besorgt über Substanzen an Bord des Wracks, Batterieflüssigkeiten, Öle, Reinigungs- und Lösungsmittel. "Man muss nicht in Alarmismus verfallen, aber man muss die Aufmerksamkeit darauf lenken", ergänzte Benedetto.
(APA)
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