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Frankreich: Brustimplantat-Betrüger verhaftet

26.01.2012 | 18:13 |  Von Irene Zöch (Die Presse)

Der Gründer der Firma „PIP“, die auf der ganzen Welt schadhafte Brustimplantate vertrieb, wurde in seiner Villa an der Côte d'Azur festgenommen. Vorübergehend bleibt er in Polizeigewahrsam.

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Paris/Wien. Fast 20 Jahre lang hatte Jean-Claude Mas mit seiner Firma PIP in der obersten Liga gespielt: Der französische Produzent war der weltweit drittgrößte Hersteller von Brustimplantaten. Dass er billiges Industriesilikon zur Füllung der Prothesen verwendet und die Behörden vorsätzlich getäuscht hatte, gab der 72-Jährige vor Kurzem sogar unumwunden zu.

Jetzt wurde Mas, ein gelernter Fleischer, in seiner Villa in La Seyne-sur-Mer bei Toulon festgenommen. Vorübergehend bleibt er in Polizeigewahrsam, ob danach Untersuchungshaft über den Gründer der Skandalfirma verhängt wird, blieb am Donnerstag noch offen. Der Zugriff sei im Zuge der Ermittlungen wegen „fahrlässiger Tötung und Verletzung“ erfolgt, teilte der Staatsanwalt in Marseille mit.

Das Foto des Mannes mit grauem Bart, Glatze und Brille war um die Welt gegangen: Interpol hatte nach ihm gefahndet, allerdings nicht im Zusammenhang mit der Täuschung der Kontrollbehörden, sondern wegen einer Trunkenheitsfahrt in Costa Rica 2010. Berichte, Mas sei nach Auffliegen des Betrugsskandals untergetaucht, ließ er über seinen Anwalt dementieren. Er sei die ganze Zeit über in seinem Haus an der Küste gewesen.

 

„Täuschung war schon Routine“

Schon im Oktober war er zum ersten Mal verhört worden. Damals gab er zu, drei Viertel seiner Prothesen mit einer Billigmasse gefüllt zu haben. Für nur ein Viertel habe er das hochwertige – und auch in den offiziellen Papieren deklarierte – Gel verwendet. Die Kontrollore vom TÜV Rheinland, die den PIP-Produkten das in Europa anerkannte CE-Gütesiegel verliehen, täuschte er absichtlich: „Es war schon Routine, dass ich die Anweisung gab, alle Unterlagen zu verstecken“, ließ Mas wissen. Er bestreitet allerdings vehement, dass die Füllung der Kissen giftig gewesen sei. „Alle Silikongels weisen eine reizauslösende Wirkung auf“, so Mas. Bewiesen ist, dass die PIP-Kissen vermehrt Risse bekommen, durch die Silikon austritt und zu Entzündungen führen kann.

Bei der Staatsanwaltschaft in Marseille sind mittlerweile mehr als 2500 Klagen eingegangen. Weltweit sollen bis zu einer halben Millionen Frauen PIP-Implantate im Körper haben. In Venezuela – nach Südamerika ging ein Großteil der Billigprodukte – haben sich mehr als 400 Frauen zusammengeschlossen, um rechtliche Schritte gegen PIP einzuleiten. In Deutschland wurde die erste Klage eingereicht, in Österreich denken die Betroffenen noch nicht daran, PIP zur Rechenschaft zu ziehen.

 

Österreich: Derzeit keine Klagen

Während die österreichischen Gesundheitsbehörden offiziell von zehn betroffenen Frauen sprachen, liegt die tatsächliche Zahl allerdings viel höher. Es sind fast ausschließlich Frauen, die sich in Ungarn, Tschechien und der Slowakei einer Schönheitsoperation unterzogen haben – „Die Presse“ berichtete. In der Ordination des Wiener Schönheitschirurgen Thomas Aigner etwa gehen nach wie vor jede Menge Anfragen ein. Er berichtet von 30 Operationen, in denen er PIP-Implantate entfernt habe. „Und jede Woche kommen ein paar dazu“, sagt der Chirurg.

Auch am „Institut für Plastische Chirurgie“ in Wien Döbling ist man mit schadhaften PIP-Produkten beschäftigt. Ein Implantat war bereits gerissen. „Die übrigen konnten wir im Ganzen bergen“, sagt Rolf Bartsch, stellvertretender ärztlicher Leiter der Klinik. Er ist davon überzeugt, dass sich in ein bis zwei Jahren erneut Patientinnen bei plastischen Chirurgen in Österreich einfinden werden. Denn jene Frauen, die nicht wüssten, dass sie PIP-Implantate im Körper haben, könnten dann mit den gesundheitlichen Konsequenzen konfrontiert sein, glaubt er.

Konsens herrscht jedenfalls darüber, dass sich an der Qualitätskontrolle medizinischer Produkte, zu denen Implantate zählen, etwas ändern muss. In Brüssel diskutiert man derzeit, unangekündigte Kontrollen bei Herstellern einzuführen. Auch die Kennzeichnung und Verfolgbarkeit der Implantate soll verbessert werden. Im März sollen dazu Vorschläge auf den Tisch gelegt werden.

Zur Person

Jean-Claude Mas gründete 1991 die Firma PIP zur Herstellung von Brustimplantaten in Südfrankreich. Davor war der gelernte Fleischer als Wein- und Cognac-Händler tätig. Zehn Jahre lang arbeitete er als Pharmavertreter. [Reuters]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2012)

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