Washington. Sie hatten sich wenige hundert Meter vom Weißen Haus eingerichtet, nur drei Blocks entfernt auf dem McPherson Square – und der Statue des Bürgerkriegsgenerals eine Guy-Fawkes-Maske übergestülpt, das Signet ihrer Revolte. Weil die Stadtverwaltung beide Augen zudrückte und eine Zwangsräumung in der Hauptstadt ein schlechtes Bild gemacht hätte, hatten die Occupy-Wall-Street-Demonstranten in Washington einem relativ milden Winter getrotzt. Als einzige Gruppe der antikapitalistischen Bewegung hatten sie auch über Weihnachten und Silvester ausgeharrt.
Doch im Morgengrauen des Samstags war Schluss mit dem Treiben. Die Parkverwaltung machte ihre Drohung einer Zwangsräumung wegen unhygienischer Zustände wahr und schickte die „Kavallerie“: Berittene Polizei und ein Sondereinsatzkommando lösten das Lager auf – ohne Tränengas und mit friedlichen Mitteln. Prompt zerrten sie tote Ratten und Mäuse aus den Zelten, sortierten verdreckte Matratzen und Schlafsäcke aus. Im Laufe der Räumung nahmen die Spannungen aber zu, die Polizei nahm mehrere Aktivisten fest.
Symbolische Zelte
Knapp zwei Dutzend Zelte dürfen als symbolische Protestgeste auf der Rasenfläche in unmittelbarer Nähe der Redaktion der „Washington Post“ bleiben – freilich nicht als Nachtlager. In Washington besteht indessen noch ein zweites, kleineres Camp, das Kriegsveteranen auf der Freedom Plaza aufgeschlagen haben.
Auf dem Zuccotti Square in New York, wo die Bewegung 2011 ihren Ausgang genommen hatte, und in anderen Städten wurde die Zwangsräumung bereits im Spätherbst angeordnet. In New York überwintern Demonstranten in leer stehenden besetzten Gebäuden. Für das Frühjahr haben Organisatoren eine neue Offensive angekündigt – und erst recht während des Wahlkampfs.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2012)
Wiener Radtaxi Mit der Fahrrad-Kutsche durch Wien
Gefährdete Wörter Wenn der ''Afterarzt'' den ''Autofahrergruß'' zeigt
Stadttempel Zu Besuch in der Wiener Hauptsynagoge
''Eingefroren'' Fünf Minuten Stillstand für zwei Tage Spaß
Sonnenfinsternis ''Feuerring'' auf beiden Seiten des Pazifiks