"Costa Concordia": Kapitän bleibt unter Hausarrest

07.02.2012 | 15:32 |   (DiePresse.com)

Bis Donnerstag wird entschieden, ob der Kapitän des verunglückten Schiffes wieder in U-Haft kommt. Im März sind 4200 Passagiere und Crewmitglieder zu einer Vorverhandlung geladen.

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Der Kapitän der am 13. Jänner vor der toskanischen Küste verunglückten "Costa Concordia" bleibt unter Hausarrest. Ein Gericht in Florenz hat am Dienstag den Antrag Francesco Schettinos auf Freilassung abgelehnt. Der Kapitän befindet sich derzeit in seinem Heimatort Meta di Sorrento bei Neapel. Die Staatsanwaltschaft hatte auf Fluchtgefahr hingewiesen, Schettinos Verteidigung bezeichnet diese Befürchtung als grundlos.

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Der Kapitän war am Tag nach dem Unglück festgenommen worden und hatte einige Tage im Gefängnis verbracht, bevor ihm Hausarrest gewährt wurde. Von seinem Dienstgeber, dem Kreuzfahrtunternehmen "Costa Crociere", wurde er suspendiert. Ein Gericht in Florenz will bis kommenden Donnerstag entscheiden, ob Schettino zurück in Untersuchungshaft soll.

Liebschaft beschäftigt Klatschpresse

Inzwischen beschäftigt die Beziehung des Kapitäns zu der jungen Moldawierin, die sich angeblich kurz vor der Havarie auf der Kommandobrücke befand, die italienischen Klatschzeitungen. Das Magazin "Chi" veröffentlichte einige Fotos von Schettino und der 25-Jährigen.

Die Frau hatte bei den Einvernahmen vor den Justizbehörden zugegeben, dass sie mit dem Schiffsführer ein Verhältnis hatte. Sie sei mit Schettino zusammen gewesen, als das Kreuzfahrtschiff einen Felsen rammte. Als Gast an Bord sei sie auch auf der Kommandobrücke des Schiffes gewesen.

Keine Gefahr für die Umwelt?

Offenbar besteht nach der Havarie vorläufig keine Umweltgefahr für die Insel Giglio. Das sagte der Chef des italienischen Krisenstabes, Franco Gabrielli, am Dienstag. Die Lage sei unter Kontrolle. Für die Bergung des Wracks rechne man mit mindestens zehn Monaten, was jedoch als "optimistische Schätzung" zu betrachten sei.

Die Vorbereitungen für das Entfernen des Öls aus dem Wrack waren am Montag wegen der schlechten Wetterlage wieder unterbrochen worden. 24 Stunden Vorbereitungen sind notwendig, bevor die Experten mit dem Abpumpen beginnen können. Mit schlechten Wetterbedingungen ist die ganze Woche lang zu rechnen. Die Suchaktion im Inneren des Schiffs wurde aus Sorge um die Sicherheit der Taucher bereits am vergangenen Mittwoch für beendet erklärt.

Erste Vorverhandlung am 3. März

Die mehr als 4200 Passagiere und Besatzungsmitglieder sind von den italienischen Justizbehörden eingeladen worden, an der für 3. März geplanten Vorverhandlung im Verfahren über das Schiffsunglück teilzunehmen. Der Termin findet in der toskanischen Stadt Grosseto statt, und zwar - wegen des erwarteten großen Andrangs - im Theater. An Bord der "Costa Concordia" befanden sich auch 77 Österreicher.

Auf der Anklagebank werden Kapitän Schettino und Vizekapitän Ciro Ambrosio Platz nehmen. Wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung drohen Schettino 15 Jahre Haft pro Todesopfer. Bisher wurden 17 Tote gefunden, weitere 15 Personen werden noch vermisst. Für Schiffbruch beträgt der Strafrahmen zehn Jahre Haft. Dazu drohen Haftstrafen wegen der Passagiere, die an Bord angeblich sich selbst überlassen wurden. Dies führe zum Ergebnis von mindestens 2697 Jahren Haft, heißt es in den Dokumenten der Staatsanwälte von Grosseto.

Bei dem Termin geht es um die Aufnahme von Beweisen im Vorfeld der Hauptverhandlung. An der Anhörung nehmen Untersuchungsrichter, Staatsanwalt, die Angeklagten und deren Verteidiger sowie Vertreter der zu Schaden gekommenen Parteien teil. Ein Gutachter soll vom Gericht beauftragt werden, den Inhalt der Blackbox des Schiffes auszuwerten.

11.000 Euro Schadenersatz für Passagiere

Was die Schadenersatzleistungen durch die Reederei "Costa Crociere" betrifft, der das verunglückte Kreuzfahrtschiff gehört, zeichnet sich ab, dass die österreichischen Passagiere offenbar mehrheitlich das im Jänner unterbreitete Angebot annehmen werden. Das Unternehmen offeriert einen Pauschalbetrag pro Fahrgast in Höhe von 11.000 Euro sowie Ersatz der Kosten der Kreuzfahrt, der im Reisepaket enthaltenen Transfer- und Rückreisekosten, eventueller Arztkosten und während der Kreuzfahrt entstandenen Ausgaben.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Wien, bei dem sich nach dem Unglück in etwa 40 betroffene Urlauber gemeldet hatten, beurteilte dieses Angebot positiv. Noch seien nicht alle Fälle restlos geklärt, sagte VKI-Rechtsexpertin Maria Ecker am Dienstag auf APA-Anfrage. Bisher habe sich allerdings noch niemand an die Konsumentenschützer gewandt, um mit deren Hilfe etwaige über den angebotenen Ersatz hinausgehende Schäden geltend zu machen.

(APA)

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