"Gestern stellten unsere Forscher das Bohren ein, als sie die Oberfläche des Sees unter dem Eis erreichten.“ Das meldet die russische Nachrichtenagentur Novosti unter Berufung auf eine „wissenschaftliche Quelle“. Offiziell bestätigt ist es noch nicht, aber auch westliche Antarktisexperten wie John Priscu (Montana State University, USA) finden die Meldung glaubwürdig und hoffen, „dass sich ein völlig neuer Blick auf das ergibt, was unter der riesigen Decke des antarktischen Eises existiert“.
Dass es dort Seen gibt, vermutete man schon Ende des 19. Jahrhunderts, 1996 wurde der größte davon bestätigt: Er liegt zufällig unter der russischen Antarktisstation „Wostok“ („Osten“) in etwa 3700 Meter Tiefe, er ist riesig (250 Kilometer lang, 50 km breit), entstand vor 35 Millionen Jahren und ist seit 15 Millionen Jahren vom Rest der Erde isoliert. Deshalb hofft man, dort Leben zu finden, das sich völlig unabhängig entwickelt hat, Bakterien zumindest.
„Es ist aufregend wie ein Flug zum Mars“, sagte Valery Lukin, Chef des russischen Antarktisprogramms, im Jänner 2010: Da war man bis auf 40 Meter zum See vorgedrungen, dann erzwang der Winter eine Pause. Nun ist man dort – mit großer Vorsicht: Die Aktion war lange umstritten, viele fürchten, der See werde kontaminiert, etwa durch Kühlmittel im Bohrloch („Tschernobyl der Forschung“). Also wurden die letzten Meter nicht mechanisch gebohrt, sondern mit Hitze.
Adolf Hitler auf Eis?
Was im See ist, lässt sich erst später klären, die Forscher müssen ausfliegen, solange es die Temperaturen zulassen. Einen wird man indes sicher nicht finden, obwohl Novosti darüber spekuliert: Adolf Hitler. In Russland hält sich das Gerücht, die Nazis hätten im Eis eine Festung gebaut, Hitler sei (lebendig oder tot) per U-Boot hingebracht worden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2012)
Wostoksee: Russen bohren Loch im Herz der Antarktis





Wiener Radtaxi Mit der Fahrrad-Kutsche durch Wien
Gefährdete Wörter Wenn der ''Afterarzt'' den ''Autofahrergruß'' zeigt
Stadttempel Zu Besuch in der Wiener Hauptsynagoge
''Eingefroren'' Fünf Minuten Stillstand für zwei Tage Spaß
Sonnenfinsternis ''Feuerring'' auf beiden Seiten des Pazifiks