Sie haben Dollarzeichen und Fragezeichen zugleich in ihren Augen. Sie sind schnell reich geworden und wissen jetzt nicht, wie sie standesgemäß mit ihrem vielen Geld umgehen und entsprechend leben sollen. Das ist ihr Problem. Und ich löse es.“
Der niederländische Unternehmer Robert Wennekes spricht über seine neuen Kunden: chinesische Millionäre. Von ihnen gibt es immer mehr. Und oft sind sie auf der Suche nach dem „richtigen Lebensstil“, der zu ihrem Geld passt. Und Wennekes hat eine Lösung für die neureichen Chinesen: Er beliefert sie mit „Luxuswaren“ – aber nicht etwa mit rechtsdrehendem Champagner, marinierten Drosselzungen oder sechsachsigen gepanzerten Sportwagen, sondern mit Butlern.
Wennekes ist Chef der „International Butler Academy“, einer Schule für Diener, die in einem Schloss bei Valkenburg im Süden des Landes nahe Maastricht untergebracht ist. Er bildet dort seit Jahren Butler aus, in achtwöchigen Kursen, die je etwa 14.000 Euro kosten. Die Absolventen sind großteils Europäer, etwa Deutsche, Niederländer, Italiener, Franzosen, Rumänen und auch Österreicher, stammen aber auch etwa aus den USA, Südafrika oder Brasilien. Zu den Kunden zählen königliche und andere reiche Privathaushalte, Botschaften und Hotelketten – derzeit aber vor allem Chinesen. Denn der Markt dort mit seiner schnell wachsenden Zahl an Millionären lechzt nach Butlern.
Der Butler als Stilberater
„Ich schätze, dass derzeit dort bis zu 100.000 Butler gesucht werden“, sagt Wennekes. Regelmäßig fliegt er ins Reich der Mitte, meist nach Shanghai, wo die Millionärsdichte am größten ist. Dort traf er jüngst wieder eine Gruppe von Millionären, die Diener suchen.
„Der chinesische Markt für Butler ist völlig anders und deswegen so interessant. Ein Butler in China hat zusätzlich noch andere Funktionen als ein Butler in einem westlichen Land: Dort muss er den Neureichen auch noch selbst Etikette und Stil beibringen. Der chinesische Kunde will von seinem Butler auch Tipps, wie er sich kleiden muss, welche Weine man zu welchem Essen trinkt und wie man eine hübsche Frau mit einem Handkuss begrüßt. Denn das wissen die meisten Chinesen nicht.“
Bordeaux mit Cola
Legendär sind etwa die Anekdoten über chinesische Millionäre, die in einem Restaurant die teuersten Bordeauxweine bestellen und sie mit Cola oder Sprite mixen.
Ein Problem aber ist die Sprache. Die Butler sprechen selten Chinesisch. Das aber braucht man, wenn man dort dienen will, denn Chinesen sind selten in Fremdsprachen sattelfest. Und das außerhalb Chinas meist erlernbare Hochchinesisch (Mandarin) reicht in China oft nicht aus, da in den reichen Südprovinzen Kantonesisch vorherrscht.
Also will Wennekes nun eine Butlerschule in China gründen und dort Chinesen ausbilden. Der Markt ist jedenfalls da.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2012)
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