40 Tage nach dem Unglück der "Costa Concordia" stieg die Zahl der Opfer auf 25, sieben Menschen werden noch vermisst. Bergungsteams haben im überfluteten Teil des gekenterten Kreuzfahrtschiffs unweit von Deck 4 vier Leichen gefunden, teilte der Krisenstab auf der Insel Giglio am Mittwoch mit. Dieser Teil des Schiffes war von den Bergungsteams bisher noch nicht durchsucht worden. Am Nachmittag wurden vier weitere Leichen gesichtet. Die Suche nach den Vermissten war zuletzt wegen der besseren Wetterlage nach einer mehrtägigen Pause wieder aufgenommen worden.
Die Rettungsmannschaften teilten mit, dass sich unter den Leichen jene der fünfjährigen Dayana A. befindet, die so wie ihr Vater William seit dem Unglück als vermisst galt. Ihr Schicksal hat ganz Italien bewegt. Dayanas Mutter - die Eltern waren geschieden - hatte im italienischen Fernsehen immer wieder an Passagiere appelliert, ihr allfällige Berichte über ihre Tochter zukommen zu lassen.
Das Abpumpen des Treibstoffes aus dem Wrack läuft auf Hochtouren. Die Fachleute des niederländischen Spezialunternehmens Smit Salvage entfernen derzeit das Öl aus neun Tanks, die sich im hinteren Teil des Schiffes befinden. Die Einsatzkräfte wollen das günstige Wetter nutzen, um so rasch wie möglich die Arbeit abzuschließen.
Das Kreuzfahrtschiff soll schon vor seiner Unglücksfahrt mehrmals gefährlich nah an der Insel Giglio vorbeigefahren sein. Das sagen die Anwälte von Passagieren. Mindestens zehnmal hätten die Schiffe der Reederei Costa Crociere ähnlich riskante Routen genommen, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa aus Dokumenten von Anwälten, die einige Überlebende des Schiffsunglücks vertreten. Mit ihrer Darstellung widersprechen sie früheren Angaben der Reederei.
Wie aus den Dokumenten hervorgehe, sei die "Costa Concordia" bereits am 14. August nur 150 Meter entfernt von der Insel entlanggefahren - so wie auch am 13. Jänner dieses Jahres, als das Schiff von seinem offiziellen Kurs abkam, vor der toskanischen Insel auf einen Felsen fuhr und kenterte.
"Verletzung elementarster Sicherheitsnormen"
Die Anwälte Pietro Ilardi und Francesco Compagna gaben an, die Dokumente gemeinsam mit der US-Kanzlei Clifford Law Offices "vor einigen Wochen" bei der zuständigen Staatsanwaltschaft in Grosseto eingereicht zu haben, meldete Ansa. "Wegen der Verletzung der elementarsten Sicherheitsnormen" müsse die Leitung der Reederei von den Ermittlern ins Visier genommen werden, forderten sie.
Costa Crociere macht den Kapitän der "Costa Concordia", Francesco Schettino, für das Unglück verantwortlich. Gegen Schettino wird wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Havarie und Verlassen des Schiffes während der Evakuierung ermittelt.
(APA)
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