London. Die britische Umweltministerin hat für einen Engländer eher ungewöhnliche Wünsche: Caroline Spelman sehnt sich nach Regen – so viel und so schnell wie möglich. Zwar ist es ohnehin nur ein böses Gerücht, dass es in England ständig regnet (in Innsbruck gibt es übers Jahr deutlich mehr Niederschlag), doch derzeit wird das Land von einer regelrechten Dürre heimgesucht.
„Im Südosten, in Anglia (im Nordosten, Anm.) und anderen Teilen des Vereinigten Königreichs herrscht bereits offiziell Dürre und andere Gegenden werden auch bald betroffen sein, wenn wir weiter so wenig Regen haben“, warnte die Ministerin diese Woche im Anschluss an eine Expertenkonferenz zur Bekämpfung des drohenden Wassernotstandes.
Ein trockener Herbst und ein noch trockener Winter haben dafür gesorgt, dass sich die Wasserspeicher nicht wieder auffüllen konnten und ihre Pegel mittlerweile zum Teil 20 Prozent unter dem normalen Stand liegen. Auch der Winter 2010/2011 war schon außergewöhnlich trocken. Im Jänner lag die Niederschlagsmenge im Südosten der Insel, inklusive London, bei nur knapp 70 Prozent des langjährigen Mittels. Ähnlich trocken ist es in den Midlands und im Osten Englands. Einige Zuflüsse der Themse sind bereits ausgetrocknet, die Umweltbehörde musste Fische zwangsumsiedeln, um sie vor dem drohenden Tod zu retten. Mancherorts liegt der Grundwasserspiegel bereits unter dem Niveau der letzten großen Dürre 1976, als lange Trockenheit und eine Hitzewelle zu verheerenden Wald- und Heidebränden und massiven Ernteausfällen geführt haben.
„Die Grundwassererneuerung hat dieses Jahr später angefangen, sie dauert länger und geht viel langsamer vonstatten“, so Kieran Nelson, Sprecher des Wasserversorgers „Anglian Water“ zur BBC. „Was wir bräuchten, sind monatelange wolkenbruchartige Regenfälle, um ehrlich zu sein.“ Die Firma „Thames Water“, die für die Wasserversorgung der Hauptstadt zuständig ist, plant für dieses Frühjahr bereits ein Gartenschlauchverbot für ihre knapp vierzehn Millionen Kunden. Außerdem ist man kurz davor, eine Entsalzungsanlage in Betrieb zu nehmen, um Salzwasser aus der Themsemündung für Trinkwasser zu gewinnen.
Der Agrarverband National Farmers Union (NFU) warnte vor den Folgen für die Landwirtschaft und die Konsumenten: „So sicher wie die Nacht auf den Tag folgt, werden die Preise hochgehen, wenn es nicht regnet. Das kann ich Ihnen garantieren“, so NFU-Präsident Peter Kendall.
3,3 Millionen Liter Wasser versickern
Doch nicht nur mangelnder Regen, sondern auch unfreiwillige Verschwendung verschärfen das Problem. So tropfen und versickern Tag für Tag 3,3 Millionen Liter aus dem maroden Leitungssystem, das zum Teil noch aus dem vorletzten Jahrhundert stammt. Außerdem haben 60 Prozent aller britischen Haushalte keinen Wasserzähler, sondern bezahlen eine Pauschale, unabhängig vom Verbrauch.
Um die schlimmsten Folgen der Dürre abzuwenden, so die Umweltministerin, müssten bis Ende März 120 Prozent der normalen Niederschlagsmenge fallen. Doch das britische Wetteramt macht wenig Hoffnung: Es sagt ein trocknes Frühjahr voraus.
Wegen des niederschlagsarmen Herbsts und Winters gibt es in manchen Gegenden Großbritanniens akute Trockenheit. Im Jänner 2012 lag die Niederschlagsmenge im Südosten der Insel, inklusive London, bei nur knapp 70 Prozent des langjährigen Mittels.
Um die schlimmsten Folgen der Dürreabzuwenden, müssten bis März 120 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge fallen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2012)
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