Die Staatsanwälte der toskanischen Stadt Grosseto, die nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" ermitteln, interessieren sich nun auch für einen Oberösterreicher: Sie werfen dem aus Enns stammenden Vizepräsidenten der Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere, dem Betreiber des verunglückten Schiffes, Mängel bei der Koordinierung der Rettungsaktion an Bord des Schiffes vor.
Der Oberösterreicher soll Kapitän Francesco Schettino "keine angemessene Lösungen" bei der Bewältigung des Notstands vorgeschlagen haben, verlautete aus toskanischen Justizkreisen. Er habe außerdem die Hafenbehörde in der toskanischen Stadt Livorno nicht klar über die Zustände an Bord informiert.
Ermittlungen gegen weitere Crewmitglieder
Der Vizepräsident, der für die technischen Operationen der gesamten Costa-Flotte zuständig ist, war in der Nacht des Schiffbruches in telefonischem Kontakt mit Bordoffizier Manrico Giampietroni gewesen, der mehrere Menschenleben gerettet hat und 36 Stunden nach der Havarie lebend aus dem Schiff geborgen wurde. Der Manager wurde bereits am 7. Februar von den ermittelnden Staatsanwälten befragt, berichtn italienische Medien. Er gilt als Veteran in der Kreuzfahrt-Branche. Bei mehreren großen Reedereien war er im Spitzenmanagement tätig.
Ermittlungen wurden auch gegen den Chef des Krisenstabs der Costa Concordia, gegen einen Flotten-Inspekteur und gegen vier Offiziere aufgenommen. Letzere waren an Bord der Kommandobrücke, als das Unglück passierte. Sie werden beschuldigt, Kapitän Schettino nicht darauf aufmerksam gemacht zu haben, dass sich das Schiff bei einer Geschwindigkeit von 15 Knoten der Insel Giglio zu stark genähert hatte. Bisher waren lediglich Ermittlungen gegen Schettino und gegen den Offizier Ciro Ambrosio aufgenommen worden. Schettino befindet sich zurzeit unter Hausarrest.
Die Reederei stellte sich erneut hinter ihre Manager. "Unsere Mitarbeiter haben in den Stunden nach dem schweren Unfall mit der größten Professionalität gehandelt", hieß es in einer Presseaussendung.
Leichen wurden geborgen
Alle acht Leichen, die am Mittwoch im überfluteten Teil der "Costa Concordia" gefunden wurden, sind mittlerweile geborgen worden. Vier Leichen wurden im Lift des Decks 4 entdeckt. Zu den Opfern, die gefunden wurden, zählt ein fünfjähriges italienisches Mädchen. Sieben Personen werden noch vermisst.
Wegen der Bergung der Leichen wurden die Arbeiten zum Abpumpen des Öls im Wrack suspendiert. Die "Costa Concordia" war am 13. Jänner mit mehr als 4200 Menschen an Bord vor der toskanischen Insel Giglio havariert.
(APA)
Unterwasser: Taucher im Wrack der ''Costa Concordia''






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