Fischkutter schleppt Kreuzfahrtschiff „Costa Allegra“ ab

28.02.2012 | 18:12 |   (Die Presse)

Das havarierte Kreuzfahrtschiff wird bis Victoria, Hauptstadt der Seychellen, geschleppt. Ein Feuer zerstörte die Stromversorgung. Die Zukunft der Genueser Reederei derzeit ungewiss.

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Victoria/Genua/Doe. Das am Montag im Indischen Ozean nahe der Seychellen havarierte Kreuzfahrtschiff „Costa Allegra“ wird nun doch bis Victoria, Hauptstadt der Seychellen auf der Insel Mahé, geschleppt. Wie die Genueser Reederei „Costa Crociere“ mitteilte, gab man den Plan auf, es zur Seychellen-Insel Desroches zu schleppen und Passagiere und Crew von dort nach Victoria auszufliegen.

Auf dem Eiland Desroches gibt es nur ein Luxushotel mit etwa 100 Zimmern, alles in allem zu wenig, um die mehr als 1000 Menschen an Bord zeitweilig unterzubringen.

Am 25. Februar hatte die Allegra vom Norden Madagaskars aus Kurs auf Mahé genommen, an Bord 636 Passagiere (darunter 97 Östereicher) und 414 Crewmitglieder. Heute hätte sie Mahé erreichen sollen, aber am Montag brach in dem wegen seiner vielen großen Fenster auch „Kristallschiff“ genannten Gefährt Feuer aus, nämlich im Maschinenraum. Kapitän Nicolò Alba gab Notsignale und nahm Kontakt auf mit den Behörden der Seychellen und den italienischen Behörden. Nach einer halben Stunde war das Feuer gelöscht, verletzt wurde niemand, aber das Stromaggregat wurde schwer beschädigt – danach trieb das 188 Meter lange Schiff, das 1990–92 durch den Umbau eines Ende der 1960er in Finnland konstruierten Containerfrachters entstand, manövrierunfähig im Meer, bis es am Dienstag von einem französischen Fischereischiff in Schlepptau genommen wurde.

 

Hubschrauber bringen Nachschub

Wasser und Lebensmittel sind knapp, da die Fahrt ihrem Ende zuging, Handys funktionieren nicht, weil die bordeigenen Satellitenrelais k. o. sind. Mittlerweile brachten seychellische Hubschrauber Wasser, Nahrung und Satellitentelefone. Das Schiff dürfte am Donnerstag Mahé erreichen, Gefahr bestehe nicht, versichern die Behörden des Landes, obwohl zuletzt bisweilen somalische Piraten in den Gewässern auftauchten.

Italienische Medien berichten, Fachleute und Offiziere von Costa Crociere würden in Kürze die Seychellen erreichen, um Anlandung und Weiterflug der Passagiere zu koordinieren. In der Zentrale in Genua sei dasselbe Krisenteam im Einsatz, das auch in der Nacht, als die „Costa Concordia“ vor der Toskana havarierte und kenterte, zuständig war – darunter Manfred U. (57), der aus Enns (OÖ) stammende Vizepräsident von Costa, gegen den Italiens Justiz im Fall der Concordia wegen Verdachts der Beihilfe zur fahrlässigen Tötung ermittelt.

Die Concordia war am Abend des 13. Jänner mit 4200 Menschen an Bord vor der Insel Giglio auf Grund gelaufen, nachdem der Kapitän vom Kurs abgewichen war, um die Inselbewohner traditionell zu „grüßen“. Dabei starben mindestens 25 Menschen, sieben Passagiere werden noch vermisst.

 

Lässt Mutterkonzern Firma fallen?

Der neue Unfall könnte für die Reederei das Ende bedeuten. Gerüchte kursieren, wonach der US-Mutterkonzern „Carnival“ auf die Marke „Costa Crociere“ verzichten könnte, berichtet die Mailänder Tageszeitung „Il Giornale“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.02.2012)

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Mehr aus dem Web

18 Kommentare
Gast: Angehöriger
28.02.2012 20:07
0

Geschmacklos

Als Angehöriger einer Familie, die sich auf dem Schiff befindet, muß ich feststellen, daß einige dieser sogenannten Kommentare den Gipfel der Geschmacklosigkeit erreichen. Niemand, der sich nicht selbst in dieser Situation befindet, kann nachvollziehen, wie man sich fühlt, wenn man keinerlei Lebenszeichen seiner Angehörigen hat und die Medien auch noch ständig betonen, daß in dieser Region Piraten ihr Unwesen treiben. Wenn man die Kommentare beispielsweise von Billigsdorfer und Pips liest, kommt einem unwillkürlich das Zitat von Albert Einstein in den Sinn, der da sagte: "Die Dummheit mancher Menschen und das Universum sind unendlich, nur beim Universum bin ich mir nicht mehr so sicher!"

Antworten Gast: Gut informieren
29.02.2012 05:57
1

Re: Geschmacklos

"wie man sich fühlt, wenn man keinerlei Lebenszeichen seiner Angehörigen hat und die Medien auch noch ständig betonen, daß in dieser Region Piraten ihr Unwesen treiben."

Dass niemand zu Schaden gekommen ist, das ist aber in allen Medien gesagt/geschrieben worden.

Dass es im Meeresgebiet vor Somalia Piraten gibt, das wird auch seit Jahren publiziert. Wer eine Reise ans andere Ende der Welt macht, hat auch die Pflicht, sich vorher darüber zu informieren. Nur irgendwo hinzufahren, ohne einen Funken Ahnung zu haben, wohin die Reise wirklich geht und sich dann wundern, dass die Idylle aus dem Hochglanzprospekt doch etwas anders aussieht, da macht man es sich schon sehr einfach!

Gast: Taufparte
28.02.2012 19:41
1

nächstes Schiff

Das nächste Schiff sollte den Namen Costa cimitero bekommen !

Gast: Eine Seefahrt die ist lustig
28.02.2012 16:09
3

Billigsdorfer

schwimmender Mundlcontainer. SPÖler Frühpensionisten unter sich.
Our ship is bigger than your ship, können sie jetzt dem Trawler Kapitän vorsingen.

Antworten Gast: MAX 1
28.02.2012 19:49
1

Billigsdorfer

Besser die Mundl sind dort als sie treiben am Land ihr Unwesen-kommt wenn´s schön ist sowieso

Antworten Gast: MAXI 1
28.02.2012 19:48
1

Billigsdorfer

Besser die Mundl sind dort als sie treiben am Land ihr Unwesen-kommt wenn´s schön ist sowieso

Gast: Neugieriger der wissen will, welche Österreicher in austerity packagezeiten vor den Seychellen schiffern!
28.02.2012 15:36
1

97 Passagiere aus Österreich befinden sich an Bord???.....

.....ich bin schon gespannt auf die Namen, hoffentlich werden sie veröffentlicht, auch wenn die Ehefrau oder der Ehemann zuhause ist;-))

Re: 97 Passagiere aus Österreich befinden sich an Bord???.....

Wird auf solchen Schiffen etwa häufig fremd-geschnackselt?

Gast: gast_fallweise
28.02.2012 13:26
1

jetzt wird Kreuzfahrttourismus

schon fast eine Garantie für Urlaubsverlängerung und Abenteuertourismus.

Gast: Pips
28.02.2012 12:44
1

So

schön wäre es für Prolo & Co. Jetzt hat man endlich so große Schiffe auf denen man einen ganzen Gemeindebau unterbringen kann. Motto: "Kaisermühlen gibts auch im Indischen Ocean. Sie fühlen sich wie zu Hause." Jetzt sagt einer, stopp!!! dem Gigantismus. Ein Spielverderber sondergleichen.

Gast: Landratte
28.02.2012 12:14
0

Internationales Seerecht

Soweit ich informiert bin, geht ein havariertes Schiff, dass sich in internationalem Gewässer befindet und durch ein anderes Schiff geborgen (abgeschleppt) wird, in dessen Eigentum über wenn er den Aspruch geltend macht!


Antworten Gast: Käptn Iglo
28.02.2012 12:36
2

Re: Internationales Seerecht

na dann informieren sie sich mal genauer ;)

http://de.wikipedia.org/wiki/Bergung_%28Seefahrt%29" target="_blank">http://de.wikipedia.org/wiki/Bergung_%28Seefahrt%29

Gast: Immer eine Hand breit Wasser unter dem Kiel
28.02.2012 11:46
0

Viele werden den Piraten zum Opfer fallen

In der Gegend wimelt es nur so von Haien. Bei dem Personal, das sich üblicherweise auf den Costa Schiffen befindet, muss das schlimmste befürchtet werden.

Gast: Nur mal so
28.02.2012 10:35
1

Angeblich sind - neben der Klimaanlage - auch die Toiletten ausgefallen.


Wo verrichten die Passagiere nun ihre Notdurft?

Gibt es am Heck des Schiffes einen Donnerbalken?

Und..gibt es in diesen Gewässern fliegende Fische?

Antworten Gast: Alien (Dauerzensuriert)
28.02.2012 16:24
0

Re: Angeblich sind - neben der Klimaanlage - auch die Toiletten ausgefallen.

Über die Reling geht das ganz leicht (außer man ist auf einen Rollstuhl oder Gehilfen angewiesen)

Die Reling verläuft rundherum!

Natürlich gibt es dort fliegende Fische, was die allerdings mit den Passagierfäkalinen zu tun haben könnten, steht jedoch nur in Ihrer schmutzigen Phantasie!

Antworten Antworten Gast: Nur mal so noch
28.02.2012 19:16
0

Fliegende Fische

Die Vorstellung, dass über 1000 Passagiere, darunter 97 Österreicher, auf einer rundherum laufenden Reling sitzen, stöhnen und schwitzen, und darunter fliegende Fische sich die besten Happen schnappen,
stimmt wirklich nachdenklich.

Antworten Antworten Antworten Gast: Alien (Dauerzensuriert)
29.02.2012 14:54
0

Re: Fliegende Fische

rofl

eigentlich hasse ich diese kurzcodes, aber hier paßt es gut...

Kein Platz auf Desroches

Desroches Island verfügt nur über ein einziges Hotel und ein paar Ferienhäuser, mehr als 200 Gäste haben dort nicht Platz. Am Flughafen können nur Kleinstflugzeuge landen. Es wird Wochen dauern, bis alle Passagiere und die Besatzung von dort per Flugzeug abtransportiert werden können. Ich fürchte, viele Gäste werden an Bord bleiben und auf ein Transportschiff warten müssen.

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