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Was in Fukushima wirklich geschah

09.03.2012 | 18:35 |  WOLFGANG GREBER, MARTIN KUGLER, Jürgen Langenbach (Die Presse)

Am 11. März 2011 tötete ein Tsunami in Japan mindestens 16.000 Menschen und löste eine Atomkatastrophe aus. Rekonstruktion eines oft falsch dargestellten Unglücks.

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Es hat im Meer östlich von Japan schon über einige Tage mehrfach heftig gebebt. Das tut es hier oft, man kümmerte sich nicht darum.

Am 11. März 2011, um 14.46 Uhr und 23 Sekunden (6.46 Uhr MEZ), schiebt sich die Pazifische Platte in 32 km Tiefe und 130 km Entfernung von der Küstenstadt Sendai jäh bis zu 27 Meter nach Westen, unter die Ochotsk-Platte, auf der Nordjapan liegt. Die Erdkruste reißt auf 400 km Länge bis zu 60 km tief auf, die freigesetzte Energie entspricht 780.000 Hiroshima-Bomben. Das Beben der Stärke 9, ein stärkeres ward in Japan noch nie gemessen, jagt eine Schockwelle durch das Wasser. Und dann kommt das Meer an Land.

Eine hunderte Kilometer lange Zone wird von großteils zehn Metern hohen Wellen getroffen, die teils zehn Kilometer ins Land rollen. Zum AKW Fukushima I nahe am Strand kommt das Meer um 15.35 Uhr: Es ist 13 bis 15 Meter hoch, der Damm 5,70 Meter. Die drei aktiven Reaktoren (drei andere werden gewartet) haben sich nach dem Beben automatisch abgeschaltet. Nun sind sie unter Wasser, Steuersysteme und elf der zwölf Notstrommotoren fallen aus, und damit die Kühlung der Reaktoren, die auch abgeschaltet vor sich hin glühen.

 

Albtraum im März

Die nächsten Tage sind ein Albtraum. Die Reaktoren werden heiß, dazu eine Wanne für Brennstäbe in Reaktor 4. Wasser verdampft, man lässt Druck ab, so entweicht radioaktiver Dampf, dennoch zerreißen Knallgasexplosionen die Reaktorhäuser. Aus Feuerwehrautos und Helikoptern wird Wasser gespritzt, es reicht nicht, die Reaktoren sind so heiß, dass sie 250 Tonnen Wasser am Tag verdampfen lassen. Irgendwann schmilzt in ihnen der Uranbrennstoff, das tut er ab etwa 2800°C, schweißt sich durch die Druckbehälter aus Stahl und inneren Betonhüllen: Kernschmelze.

Als am 14. März Reaktorhaus 3 platzt, will der Betreiber Tepco die Ruine aufgeben. Ein Wutanfall von Premier Naoto Kan bringt die Manager zur Räson. Mit viel Improvisation werden bis Mitte April die Systeme reaktiviert und Kernzerfallsprozesse eingedämmt. Zehntausende Tonnen verseuchtes Wasser rinnen ins Meer, bis Filter ab Juni das Abwasser reinigen; dafür fallen Unmengen radioaktiven Schlamms an. Seit Herbst 2011 liegt die Temperatur der Reaktoren, die für Menschen auf Jahrzehnte unzugänglich sind, bei gut 70 Grad. Sie gelten als stabil – falls die Kühlung nicht länger als 18 Stunden ausfällt.

 

Fast alles fiel ins Meer

Die ausgetretene Strahlung wird mit einem Fünftel jener angegeben, die 1986 aus dem AKW Tschernobyl entwichen ist. Laut einer norwegisch-österreichischen Studie war es mehr: Die Menge des Isotops Cäsium-137 (Halbwertszeit ca. 30 Jahre) lag demnach bei 36 Peta-Becquerel (Billiarden bzw. 1015), 40% der Cäsiummenge aus Tschernobyl. 80% der Emissionen fielen in den Pazifik, verteilten sich aber so, dass sie, abgesehen vom Meer vor Fukushima, ungefährlich sind. 18% fielen auf Japan, bis Österreich kam praktisch nichts.

Ein Umkreis von 20 km um Fukushima ist bis heute evakuiert, da lebten 80.000 Menschen, sie mussten gehen, da die Strahlenbelastung höher als 20 bis 50 Millisievert pro Jahr war; der Strahlenhintergrund in Japan ist im Mittel 0,4 Millisievert/Jahr. Gesundheitliche Folgen sind indes nicht sichtbar: Die 15.844 Toten und 3430 Vermissten gehen aufs Konto des Tsunami; die drei Toten und zwei Dutzend Verletzten im AKW waren Folge von Unfällen oder Infarkten, und selbst verstrahlte Arbeiter gesundeten.

Später wurde das Chaos im Krisenmanagement Tepcos und der Regierung bekannt. Beide misstrauten einander, und: „Nicht nur Geräte, sondern System und Organisation waren unvorbereitet. Alle, die Verantwortung trugen, machten schwere Fehler“, sagte der mittlerweile abgetretene Premier Kan. Er hatte die logistisch unvorstellbare Evakuierung des Raums Tokio erwogen: in extremo ein Abmarsch von 45 Millionen Menschen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2012)

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66 Kommentare
 
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Gast: Vortex Generator
11.03.2012 01:53
0 1

Wie blind kann Dummheit machen?

Arnold Gundersen, Nuklearingenieur: im Block 4 stand der ganze Nuklearbrennstoff kurz davor, Feuer zu fangen. Daher hielt auch die US-Atomaufsichtsbehörde Reaktor 4 für den gefährlichsten, weil es dort keine Ummantelung mehr gab. Hätte der Nuklearbrennstoff dort Feuer gefangen, hätte es bis zu 200 000 Tote gegeben!

http://videos.arte.tv/de/videos/fukushima_die_wahrheit_hinter_dem_super_gau-6439122.html" target="_blank">http://videos.arte.tv/de/videos/fukushima_die_wahrheit_hinter_dem_super_gau-6439122.html

Gast: Blankenstein Husar
10.03.2012 18:41
2 1

Nach wie vor wird von der Systempresse krampfhaft versucht,

eine "Atom-Katastrophe" herbei zu schreiben,

die, sehr zum Leidwesen der Kernkraftgegner, einfach nicht stattfand.

16.000 Menschen wurden durch die enorme Zerstörungskraft der Tsunamiwelle getötet und KEIN EINZIGER durch Strahlung.

Das ist Fakt.

und nix anderes zählt....


Gast: Konservativer
10.03.2012 14:51
5 2

Fukushima und Freude der linken Anti-Atom-Szene

Die Bilder sind noch lebhaft in Erinnerung, als freudig erregte linke Berufsdemonstranten die Tragödie in Japan zum Anlass nahmen, ihrer Steinzeit-Propaganda gegen die Atomenergie wieder einmal freien Lauf zu lassen.

Man konnte die Freude der Atomkraftgegner über das Unglück in ihren Gesichtern ablesen.

Re: Fukushima und Freude der linken Anti-Atom-Szene

Only for Y----http://videos.arte.tv/de/videos/fukushima_die_wahrheit_hinter_dem_super_gau-6449302.html

Re: Fukushima und Freude der linken Anti-Atom-Szene

Dümmling!!

3 0

Gut geschriebener Artikel!

Informativ, kurzweilig, anschauliche Zahlen.

Gast: aabua
10.03.2012 14:06
2 2

Unglaublich, was für panische Angsthasen hier kommentieren...

Zumindest im Presse-Forum hätte ich mir bez. Atomkraftwerke rationalere, weniger von gutmenschlicher Hysterie geprägte Reaktionen erwartet.
Grüne Kampfposter? Ich hoffe.

Für weniger Atomophobe: http://www.science-skeptical.de/

Gast: JT1980
10.03.2012 13:22
3 1

uns selbst verstrahle arbeiter gesundenten

was für ein schmarrn, in 3 Jahren bitte noch mal überprüfen wer davon noch lebt und nach 10 jahren könnens vielleicht sagen das diese Arbeiter (beinahe alle, bisher 5000) gesundet sind!

4 6

Zum Glück

Die Welt hat Fukushima ganz gut überlebt.
Dank westlicher Technologie, konnte ein zweites Tschernobyl verhindert werden. Obwohl es sich dabei um ein veraltetes Kraftwerk handelte.

Insgesamt könnte man also der Meinung sein, dass selbst ein solch extremes Beben und solch verheerende Zunamis, keinen Supergau verursachen konnten.

Die Hysterie in Deutschland (Angst vor dem Zunami ?) war ein wenig verständlich, aber es ist eben nur Hysterie gewesen.

Re: Zum Glück

deshalb können in Zukunft weitere Reaktoren gebaut wwerden da man die Kernkraft bis ins kleinste Deatail im Griff hat - oder ?

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Re: Re: Zum Glück

Es ist keine Technologie, die ich haben möchte.

ABER die letzten 50 Jahre zeigten (realistisch), dass trotz veralteter Technologie "relativ" wenig passierte.
Mit neuer Technologie wird das Risiko nochmals deutlich reduziert.

Es ist letzten Endes eine Frage des sehr kleinen Restrisikos, das man tragen möchte oder nicht. Auch die langfristige Entsorgung des Restmülls ist ein Problem, keine Frage.

Aber wir haben diese Werkeln jetzt und müssen sie vermutlich noch ein paar Jahrzehnte nutzen, bis wir genügend Alternativen haben, bzw. effizienter werden.

Aber bei der Effizienz habe ich so meine Zweifel. Jede Maßnahme diesbezüglich wid wieder kompensiert. Z.B. weniger Spritverbrauch, schwereres Auto, mehr gefahrene km.

Alte, unsichere KKWs sollte man zumachen, richtig. Aber ob wir ganz ohne Neue auskommen werden bezweifle ich einmal. Siehe Probleme in Deutschland, weil man daran geht, einige zuzusperren.
Jetzt laufen halt wieder alte Kohlekraftwerke (echte CO2 Schleudern).

Re: Zum Glück

Sie sind nur zur bedauern-quasi ein "echter AUSTRIAK".

Sponsored by Depp&Co?

Haarsträubender Artikel. Wird Zeit mein Presse-Abo ab zu bestellen. Frage mich ernsthaft wie solches Zeug publiziert werden kann.

Antworten Gast: Gustol
10.03.2012 14:01
2 0

Re: Sponsored by Depp&Co?

Kündigung Abo, gute Idee!
Das Niveau ist leider massiv gesunken, ausserdem wird online massiv geblockt und gelöscht. Von freier und unabhängiger Zeitung ist nicht viel zu merken.

Re: Sponsored by Depp&Co?

tun Sie das, wenn Sie abweichende Meinungen vom Mainstream nicht ertragen können...

Antworten Antworten Gast: Hans Raum
10.03.2012 13:30
1 0

Re: Re: Sponsored by Depp&Co?

selten so gelacht! Die Presse weicht vom mainstream ab? hahaha

Re: Re: Sponsored by Depp&Co?

Tepco hat mittlerweile zugegeben, dass 2 Arbeiter an den direkten Folgen der hohen Strahlung an Leukämie verendet sind.
Klingt nach mainstream, oder? Information war immer schon eine Holschuld, das was einem an die Tür gebracht wird sollte schon hinterfragt werden. Zumindest ist dieser Artikel schlecht recherchiert.

Gast: auch zu beachten!
10.03.2012 10:30
0 1

etwas weiterführende informationen,wenn auch manchmal hysterisch und uninformativ...

aber im gegensatz zu "presse"-dahastundfrißdasundseizufrieden-infos doch intensiver,allerdings nur für englischsprechende:

www.enenews.com

sowie

http://ex-skf.blogspot.com

Gast: Kaspar Hauser
10.03.2012 09:21
0 2


Gast: cheffee
10.03.2012 09:13
0 3

....Stimmt nicht....

"Ein Umkreis von 20 km um Fukushima ist bis heute evakuiert, da lebten 80.000 Menschen, sie mussten gehen, da die Strahlenbelastung höher als 20 bis 50 Millisievert pro Jahr war; der Strahlenhintergrund in Japan ist im Mittel 0,4 Millisievert/Jahr."

Wir reden hier von 20 - 50 Microsievert/Stunde....

20 -50 Millisievert/JAhr ist eh wenig...
In europa haben wir durch Untergrund, Kernwaffenversuche, Tschernobyl, Kosmische Strahlung eine Strahlenbelastung von ca. 1500 -3000 Microsievert/Jahr <=> 15 - 30 Millisievert/Jahr

...Tuts mal richtig recherchieren... lauter halbwahrheiten in der Presse.....

Antworten Gast: Analyst 829
10.03.2012 11:53
2 1

Re: ....Stimmt nicht....

Die sehr niedrige Hintergrundstahlung in Japan ist neben der Tatsache, dass Japaner in Japan viel länger als Europäer in Europa viel intensiver am Arbeitsmarkt gefordert werden - Arbeit ist im Grunde offensichtlich gesund, das zeigen viele Studien, aber träge Menschen vermeiden diese genauso wie manche eben Sport vermeiden - ein Hauptgrund, dass Japaner in Europa, wo JAPANER, genauso hart arbeiten wie in Japan und sich auch nicht ungesünder ernähren als in Japan, viel häufiger an Krebs erkranken.

Die Hintergrundstahlung in Europa ist seit Millionen von Jahren höher als in Japan und egal wann Menschen nach Europa kamen, so waren diese immer viel höherer Strahlung ausgesetzt als in Japan und floglich setzen sich in Eurpa Menschentypen eher durch, die trotz hoher Hintergrundstrahlung relativ selten an Krebs erkranken.

In Japan muss man aber für Japaner die Grenzwerte meiner Meinung nach niedriger ansetzen. Die Japaner sind zwar intelligenter als der Durchschnitt der Europäer, aber dafür weniger an Strahlung angepasst, da offensichtlich ein Neandertaler der sehr intelligent war leichter Krebs durch Strahlung bekam als ein anderer Neandertaler, der in Europa mehr Gene hinterlassen hat, der dafür weniger leicht durch Strahlung an Krebs erkrankte.

Weltweit einheitliche Normen sind nicht sinnvoll, da verschiedene Menschen verschieden leicht durch Strahlung erkranken. Alles ist sehr komplex und doch ganz einfach und jeder hat irgendwie recht und doch nicht recht.

Antworten Gast: Strahler80
10.03.2012 10:19
0 0

Re: ....Stimmt nicht....

SoSo:

Deutsche Richtwerte für eine langfristige Umsiedlung

100 Millisievert pro Jahr[3

2 mSv pro Woche

Durchnschnittliche natürliche Hintergrundbelastung in D pro Jahr:
2,3 Millisievert.

Re: ....Stimmt nicht....

lernen Sie mal die Umrechnung von "micro" auf "milli"... und die Kernwaffenversuche IN Europa belegen Sie auch bitte und verbreiten Sie nicht unnötige, unwahre Propaganda.

Antworten Antworten Gast: cheffee
10.03.2012 11:00
0 0

Re: Re: ....Stimmt nicht....

http://landkartenindex.blogspot.com/2008/02/radioaktives-europa-oberbayern-und.html

http://www.bmu.de/strahlenschutz/ueberwachung_der_umweltradioaktivitaet/doc/38049.php

...es gibt gute infos diverser Ämter...

...sorry für meinen milli micro tippfehler... is mir eh auch ein bissi peinlich, da ich solche fehler selbst immer kritisiere....

Antworten Antworten Gast: cheffee
10.03.2012 10:36
0 0

Re: Re: ....Stimmt nicht....

1500Micro = 1,5 Milli.....

sorry ...war leider ein Tippfehler....

..aber die Kontamination durch Kernwaffenversuche auch in Europa (das heißt nicht das sie hier stattgefunden haben) kann man überall nachlesen...
....brauchst nur mit googel suchen....

Antworten Antworten Antworten Gast: Analyst 829
10.03.2012 12:08
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Re: Re: Re: ....Stimmt nicht....

Noch heute und auch in den nächsten 240.000 Jahren kann man Isotope in Wien von den Atomversuchen der 1950er und 1960er Jahre, die die Franzosen in der Sahara durchführten, nachweisen. Offensichtlich wird das so unter den Tisch gekehrt, dass es kaum jemand weiß.

Der durch Atombomben aufgewirbelte Staub senkte sich regelmäßig über Europa. Nur weil diese Verbrechen an der Menschheit nicht von Hitler erfolgten, sondern von den Siegermächten, werden diese Verbrechen totgeschwiegen.

Kein einziger amerikanischer, russischer, frazösischer oder britische Politiker ist wegen der oberirdischen Atomtests je wegen Verbrechen gegen die Menschheit angeklagt worden, obwohl es sich ganz eindeutig um schwerste Verbrechen gegen die Menschheit handelt, die auch noch in 240.000 Jahren Opfer fordern wird.

 
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