22.05.2013 06:55 Merkliste 0

Toulouse: Tod des unterschätzten Gotteskriegers

22.03.2012 | 18:29 |  Von unserem Korrespondenten RUDOLF BALMER (PARIS) (Die Presse)

Die Polizei stürmte am Donnerstag die Wohnung in Toulouse, in der sich der Attentäter Mohamed Merah verschanzt hielt, und erschoss ihn. Behörden hatten seine Gefährlichkeit seit Jahren falsch eingeschätzt.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Am Donnerstag, kurz nach elf Uhr Vormittag, war die Jagd auf den „Motorroller-Killer“ von Toulouse vorbei: Elitepolizisten stürmten jene Wohnung in Toulouse, in der sich Mohamed Merah seit dem Vortag verbarrikadiert hatte, nachdem er binnen zweier Wochen sieben Menschen in Toulouse und Montauban, darunter drei jüdische Kinder, von einem Roller aus erschossen und Südfrankreich in Angst versetzt hatte.

Merah setzte sich, aus Maschinenwaffen feuernd, zur Wehr, sprang dann aus einem Fenster und wurde beim Sprung von einem Scharfschützen erschossen. Er hatte zuvor die Verantwortung für die Taten übernommen, mit denen er sich für Frankreichs Militäreinsatz in Afghanistan und „das Leid der palästinensischen Kinder“ habe rächen wollen.

 

Anzeigen nicht ernst genommen

Seine Gefährlichkeit hätte der Polizei längst auffallen müssen. Wegen wiederholter Aufenthalte bei den Taliban in Afghanistan und Pakistan hatten ihn afghanische Beamte Frankreichs Geheimdienst gemeldet. Nach einer Pakistan-Reise war er im November 2011 verhört worden: Da machte er glaubhaft, als Tourist dort gewesen zu sein. In der bretonischen Zeitung „Le Télégrame“ erzählt eine Ex-Nachbarin aus Toulouse, sie habe Merah 2010 zwei Mal vergeblich angezeigt, weil er ihren Sohn und andere Jugendliche im Bezirk Les Izards mit al-Qaida-Propaganda indoktrinierte. Merah habe sie darauf mit einem Säbel bedroht. Ihr Anwalt bezeugt, dass man ihre Klage wegen dieses Vorfalls nicht ernst genommen hat.

Frühere Bekannte sagen, Merah sei oft reizbar und gewalttätig gewesen. Er habe ihnen Angst gemacht, weil im Handschuhfach seines Autos immer eine Pistole lag. Er war bereits wegen kleinerer Delikte verurteilt worden, als er 2008 wegen gewalttätigen Diebstahls 18 Monate Haft bekam. Im Gefängnis könnte er erstmals Kontakt zu religiösen Fundamentalisten geknüpft haben.

Merah machte eine Lehre als Autospengler, war Sportautofan und nahm an illegalen Wettrennen teil, Videos davon zirkulieren schon.

 

Woher kam das viele Geld?

Anscheinend war er seit Jahren arbeitslos, was Fragen aufwirft, wie er seinen Lebensunterhalt, seine Reisen und Waffen, darunter Sturmgewehre, finanziert hat. Auch die Rolle seines älteren Bruders, Abdelkader, ist interessant: Er wurde verhaftet, in seinem Auto waren Waffen und Sprengstoff. Er soll seit Langem islamistische Ideen verteidigt haben, etwa des Salafismus und Jihadismus, und Mohamed darin unterwiesen haben. Er trägt den Vollbart der Religiösen und traditionelle Kleidung, seine Gattin ist vollverschleiert. Merah hat sich darauf berufen, im Namen al-Qaidas gehandelt zu haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr zum Thema:

Mehr aus dem Web

309 Kommentare
 
12 3 4 5 6 7
Gast: EKO
23.03.2012 19:14
2 0

Ja aber

alle Journalisten die laufend die Polizei weltweit kritisieren, die waren doch immer alle dabei!

Ganz vorne! Und sie hätten ja die Terroristen, die mit Messern bewaffneten Tobenden, etc sehr leicht eigenhändig ohne Gewalteinsatz überwältigen können, wenn man es ihnen nicht ausdrücklich verboten hätte.

Und die Erfahrung die sie haben! Alle Journalisten sind doch täglich bei allen heiklen Polizeieinsätzen weltweit dabei, ganz vorne!

Da weiß man wovon man spricht und schreibt.


2 3

terroristen

dann war der US-Soldat der vor paar Tagen 16 Menschen massakrierte auch ein Terrorist!!

Re: terroristen

nei, eine arme Kreatur, der den ganzen Kriegswahnsinn nicht mehr ausgehalten hat. anzuklagen sind die Kriegsherren.

Gast: uburoi
23.03.2012 15:48
6 1

ein polizist hat in erster linie sein leben, und das leben seiner kollegen zu schützen.

gegen nicht ansprechbare bewaffnete individuen (die erkenntlich bereits "konto voll" haben), wäre fast jede andere reaktion der exekutive nicht nur sebstgefährdent und bar jeder verantwortung.

Sieben Menschen soll der mutmaßliche Serienmörder von Toulouse getötet haben.

Seid ihr Redakteure noch zu retten? Seienmörder? soll mutmasslich? wass soll dieser Stuss? wann werdet ihr wahrheit schreiben? erst nach der Gerichtsverhandlung?

Was kommt?

Oje, oje, was alles noch kommt?

Möglicherweise war Louis de Funès ...

... der Gendarm von Saint Tropez Einsatzleiter. Dann kann mich mir dieses Ergebnis gut vorstellen.

saudischer Grossmufti

fordert Zerstörung von Kirchen
http://www.erzdioezese-wien.at/content/news/articles/2012/03/23/a27448/
gibt es schon eine Stellungnahme von
AM Spindelegger ?

Gast: blacky100
23.03.2012 13:54
5 2

Viele Moslemische Mörder bezeichnen sich als Gotteskrieger!

Ich versteh nicht wie diese kranken Mörder, Gewalt Hass und Töten mit Gott verbinden!


Antworten Gast: baro palatinus
23.03.2012 14:47
12 0

ganz einfach

Sie gehen davon aus, dass jede religion einen "hippie"propheten wie jesus hat, der nächstenliebe und ähnliches verkündet.

im islam ist dies jedenfalls nicht der fall:

ein tötungsverbot beispielsweise, wie es unter anderem dem christen- und judentum, dem buddhismus oder den bahai bekannt ist gibt es dort nicht.

auch für das funktionieren unserer gesellschaft so wichtige prinzipien, wie jene nicht zu stehlen oder nicht zu lügen sind im islam unbekannt.


Re: Viele Moslemische Mörder bezeichnen sich als Gotteskrieger!

Hat er sich wirklich selber so bezeichnet, oder war das die Journaille?

Gast: schnucki
23.03.2012 13:42
16 3

Wie ruhig doch die Politiker sind!

Hätte in irgend einem Europäischen Land drei Kinder und Erwachsene Moslemischen Glaubens erschossen, würden sie Sturm laufen , und die Tat aufs schärfste verurteilen!

Doch so Schweigen sie wieder einmal!


Re: Wie ruhig doch die Politiker sind!

a) die Tat wird von jedem französischem und europäischen Politiker von Rang „aufs Schärfste“ verurteilt, wer behauptet was anderes?

b) die drei ermordeten Soldaten waren Muslime

Re: Wie ruhig doch die Politiker sind!

ja, unglaublich, aber wahr... es wären hunderte Lichterlketten und Trauerveranstaltungen abgehalten, was auch richtig wäre, nur warum jetzt still?
Tja...

Gast: Nordlicht
23.03.2012 13:40
14 2

Vom Extremismus der Mitte und von Einzeltätern

Es ist ein kleines Lehrstück über die Funktionsweise von Ideologien. Kaum hatte sich bestätigt, daß die Morde in Toulouse mit ein und derselben Tatwaffe begangen wurden, raunte es in der deutscher Presselandschaft von einem „Extremismus aus der Mitte der Gesellschaft“. Ja, ein zweiter Anders Breivik wurde von deutschen Journalisten per Ferndiagnose ausfindig gemacht. Nun, wo sich der mutmaßliche Täter mit einem Waffenlager verschanzt hält, ist von diesem „Extremismus aus der Mitte der Gesellschaft“ auf einmal nichts mehr zu hören.

Jetzt ist es ein isolierter Einzeltäter, der quasi im luftleeren Raum seine Morde geplant hat. Der plötzliche Umschwung kam, als klar wurde, daß mit Mohammed Merah wohl kein potentieller Anhänger des Front National gestellt wurde. Verallgemeinern, bis es paßt. Und differenzieren, bis es auch paßt. Dann stammt ein isolierter Einzeltäter wie Breivik „aus der Mitte der Gesellschaft“, während der über ein Netzwerk eingebundene Merah nur ein isolierter Einzeltäter ist.

Warum eigentlich nicht einfach mal die Ideologie vom Kopf auf die Füße stellen? Warum nicht bis zum Beweis des Gegenteils von einem „Extremismus aus der Mitte der islamischen Gesellschaft“ ausgehen. Warum nicht bis zum Beweis des Gegenteils von isolierten Einzeltätern der Zwickauer Zelle sprechen. Vielleicht, weil sich das Gegenteil ganz einfach nicht beweisen läßt? Möglicherweise weil es die Wahrheit ist? Aber seien wir still und leise, stören wir die deutschen Ideologieproduzenten nic

War ja klar

dass nun die Spezialeinheit wieder an allem schuld sein soll. An dieser stelle könnte man als ausgleich Fragen wiso stellen sich Islamistische Terroristen nicht ganz einfach einmal? Angst? Schwäche?

Achso verzeihung es ist politsch warscheinlich korrekter die eigenen Landsleute anzugreifen als Feinde.

Gast: Flic
23.03.2012 12:28
4 12

Klares taktisches Schema

Es ist Wahlkampf.

Passt

So soll es sein.....

Ich hätts besser gemacht!

Sag ich jetzt mal so - und wippe sanft mit meinem Bürosessel...

Re: Ich hätts besser gemacht!

Die Papierraschler und Drehstuhlhusaren können immer alles am Besten - zumindest in der Theorie :-)

Antworten Gast: schlÄchter
23.03.2012 13:36
3 1

Re: Ich hätts besser gemacht!

sg rough-rider!
:-)))
ihr posting versüßt den büroalltag.
+

mfg
s.

Gast: Zwergbumsti
23.03.2012 11:32
15 0

Es ist...

... beruhigend zu sehen, daß es selbst nach so einem Vorfall genug Leute gibt, die wissen, wie man es besser machen kann.

Ich schlage vor diese Spezialisten zu einem Personalpool zusammenzufassen sodaß sie bei einer zukünftigen, ähnlichen Situation zeigen können, wie es besser geht.

Das könnte wirklich sehr lehrreich sein.

Re: Es ist...

Ich kann mich dieser Meinung nur anschließen. Wie beim Fußball ist jeder Experte und weiß immer alles besser. Lächerlich!

Wieder mal alles ...

Experten im Forum! Unglaublich!

Der Kerl ist tot. Nächster Punkt.

There's nothing left Toulouse

sehr traurig, das ganze!

Gast: Dürum, mit Olles bitte und extra vüll Soos!
23.03.2012 10:16
3 16

Aha! Eine schwarze Sturmhaube und schwarze Kluft - eine Spezialeinheit

Klaro!
Diesen inkompetenten Kasperl spricht keiner das Recht ab sich "Spezial" zu nennen. LOL

 
12 3 4 5 6 7