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„Konnten ihn nicht nur wegen Gesinnung verhaften“

23.03.2012 | 19:18 |  RUDOLF BALMER (Die Presse)

Die Angriffstaktik der Raid-Truppe und Behörden, die den Attentäter seit Langem kannten, kommen unter Beschuss. Sie hätten trotz vieler Alarmsignale Merahs Gefährlichkeit gewaltig unterschätzt.

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Wie die Regierung wollte am Freitag auch die Zeitung „Le Figaro“ befriedigt über den Ausgang der dramatischen Ereignisse von Toulouse einen Schlusspunkt setzen: „Mission accomplie“ (Mission erfüllt) stand groß auf Seite eins.

Am Vortag, gleich nach dem tödlichen Ausgang der Jagd auf den algerischstämmigen „Motorroller-Killer“ Mohamed Merah (23), der in den zwei Wochen zuvor sieben Menschen (darunter drei Kinder) in Toulouse und Montauban von einem Roller aus erschossen hatte, haben nicht nur Präsident Nicolas Sarkozy und sein Innenminister, sondern auch Oppositionelle wie der linke Präsidentschaftswerber François Hollande den Polizei- und Nachrichtendiensten Anerkennung ausgesprochen. Doch wenig später werden in den meisten Medien Fragen zum taktischen Vorgehen der Polizei vor Ort gestellt. Und ganz grundsätzlich wird Kritik an den Behörden laut, weil diese, vom Geheimdienst abwärts bis zur lokalen Polizei, offensichtlich trotz vieler Alarmsignale Merahs Gefährlichkeit gewaltig unterschätzt hätten.

 

Wieso kein Massiveinsatz von Tränengas?

Fachliche Kritik am Vorgehen der Polizei-Elitetruppe „Raid“, die Merahs Haus mehr als 30 Stunden belagert und dann gestürmt hatte, wobei dieser im Zuge einer wilden Schießerei aus dem Fenster sprang und im selben Moment von einem Scharfschützen getötet wurde, übt etwa Christian Prouteau: Er hat in den 1980ern die Gendarmerie-Spezialeinheit GIGN gegründet und selbst mehrere Einsätze geleitet. Er bemängelt an der Belagerung von Toulouse eine „gewisse Improvisation“, denn die Operation von Raid habe kein „klares taktisches Schema“ gehabt. Wie für viele Laien sei ihm unklar, wieso die angeblich besten Polizisten Frankreichs unfähig waren, einen einzelnen Mann lebend zu fassen.

Prouteau zufolge hätte man Tränengas hoch konzentriert einsetzen müssen: „Das hätte der keine fünf Minuten ausgehalten.“ Stattdessen haben die Belagerer den gefährlichen Islamisten mit Lärmgranaten noch aggressiver gemacht. „Man hat ihn nicht lebend geschnappt, das ist ein Misserfolg.“

Innenminister Guéant und Raid-Kommandant Amaury de Hauteclocque rechtfertigten den Einsatz mit Merahs extremer Gewalt und Entschlossenheit. „Es war das erste Mal, dass uns jemand angriff, obwohl wir ihn gerade angreifen.“ Merah war vor seinem Fenstersturz noch auf den Stoßtrupp schießend zugestürmt. Hauteclocque ergänzte, seine Leute hätten zuerst nicht tödliche Waffen eingesetzt und geplant, Tränengas anzuwenden, doch sei ihnen der Terrorist mit seinem Ausfall zuvorgekommen.

In mehreren Zeitungen wird gefragt, warum Merah beim Fenstersprung vom Scharfschützen erschossen wurde, obwohl die Devise galt, ihn lebend zu fangen. Er nimmt damit sein Wissen über eventuelle Komplizen und Verbindungen zur Terrorgruppe al-Qaida, auf die er sich berief, mit ins Grab.

Bereits Dienstag war Merah identifiziert und lokalisiert worden. Das verwundert nicht, da er für den Polizeigeheimdienst DCRI kein Unbekannter war. Auch bei den US-Behörden, die ihn 2010 nach seiner Gefangennahme in Afghanistan verhört hatten, galt er als terrorverdächtig und hatte in den USA Flugverbot. Verdachtsmomente auf eine islamistische Radikalisierung existierten, wie man jetzt weiß, schon ab seiner ersten Haft in Frankreich im Jahr 2006.

 

„Merah wurde nicht adäquat überwacht“

Der Strategieexperte François Heisbourg meint, Merah sei nicht adäquat überwacht worden. Dabei wurde er November 2011 an seinem Wohnort von der DCRI kontaktiert und zur Befragung wegen einer Pakistanreise vorgeladen, die er glaubhaft als Tourismus darstellte. Danach scheint die DCRI ihn aus den Augen verloren zu haben. Für Heisbourg steht fest, dass Merah ein gefährlicher, erstaunlich kaltblütiger Islamist war, der für genau solche Untaten ausgebildet worden sei.

Hat die DCRI also grob fahrlässig warnende Vorzeichen übersehen und versagt? Nein, antwortet Premierminister François Fillon: „Es gab keinerlei Indizien für seine Gefährlichkeit.“ Nur wegen seiner Gesinnung habe man ihn ja nicht verhaften können.

 

Verdächtiges Paket  gesprengt

Im Zentrum der südfranzösischen Stadt Toulouse haben Spezialisten am Freitagabend indes mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen gehabt: Ein verdächtiges Paket wurde gesprengt. Wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur AFP berichtete, wurde der Kapitol-Platz zuvor geräumt und abgesperrt. In Toulouse und Umgebung gilt weiterhin erhöhte Alarmbereitschaft für die Sicherheitskräfte.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2012)

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28 Kommentare
 
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Warum kein Tränengas?

Die Antwort ist klar. Man wollte den Mann nicht befragen (müssen), aus welchen Gründen auch immer.

Konnten ihn nicht nur wegen Gesinnung verhaften

das stimmt nicht ganz. es wird auch in frankreich vielen menschen wegen ihrer gesinnung der prozess gemacht. in der regel sind das so wie in österreich leute die den islam kritisieren.

http://ripostelaique.com

Gast: pfff...
24.03.2012 12:52
0 0

...

mag sein, aber als der erste soldat getötet wurde, hätte man an seiner tür schon bereits klopfen müssen.
rätselraten eine woche lang weeeer könnte es denn sein, dabei stand er auf der verbotsliste für usa einreise etc., 2 jahre zuvor anzeige wegen al kaide videos.
weeeer könnte der täter sein
1 toter
2 tote
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über seinen motorroller sind sie auf ihn gekommen.
es wurde offensichtlich keinerlei liste für terrorverdächtige durchgegangen.
so wie der aufgerüstet war, hätte man offensichtlich zu jeder zeit, auch lang vor seinen aktionen feststellen können bei einfachen hausbesuchen dass geklärt werden muss ob er mitsamt seinem bruder ins gefängnis oder auf die psychiatrie gehört.
eine gesinnung zu haben ist eines, aber daneben -obwohl seine gesinnung bekannt war- ein waffenarsenal unbemerkt anhäufen zu können, frei in der wohnung herumliegend, 2 autos voll, und dann noch gewalt ausüben, eine woche lang töten...
ich muss gestehen, ich werde das gefühl nicht los, man hat ihn bewusst wirken lassen.

0 0

Re: ...

... bewusst wirken lassen um auf die spur einer islamistischen zelle zu kommen. aehnliches dachte ich mir auch ueber 9/11, dass es leicht geschehen kann dass die lange leine an dem man ein beobachtugsobjekt hat, zu lange ist oder reisst.

wieso werden hier laufend postings gelöscht?

wieso werden hier laufend postings gelöscht?

"thoughtcrime" ...

... wie orwell das nannte istin österreich schon lange strafbar.

Gast: Pensador
24.03.2012 12:35
2 0

In Ö. gibts auch Verhaftung nur wegen der Gesinnung

So? Wegen blosser Gesinnung konnte der nicht verhaftet werden?
Da hätte sich Frankreich aber Österreich zum Vorbild nehmen können.
Da sind schon viele wegen ihrer Gesinnung angeklagt worden, ohne irgendwas angestellt zu haben. Was natürlich nicht bedeutet, diese Gesinnung wäre OK oder harmlos gewesen.
Rechtsstaatlich ist sowas aber nie, wie man in Frankreich richtigerweise sagt.

Re: In Ö. gibts auch Verhaftung nur wegen der Gesinnung

habe mir genau das gleiche gedacht ... in österreich wird man zb wegen "verhetzung" verurteilt, wenn man darauf hinweist, dass gerade in solchen fällen ein zusammenhang zu einer bestimmten "gesinnung" - die nicht weiter genannt werden darf - besteht.

Gast: French dressing
24.03.2012 12:14
0 0

Wenn die Gesinnung

das abmaxeln anders gesinnter ist,kann,konnte oder wollte man nicht.Eine wirklich feine grande Nation.

Gast: schonwiedereingast (dauerzensuriert)
24.03.2012 12:09
1 0

der dürfte

ja ganz schön herumgekommen sein,
Passeintragungen:
Israel,
Syrien, Irak, Jordanien, Afghanistan

http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2012/03/warum-war-der-attentater-von-toulouse.html


Gast: Kibietz
24.03.2012 12:01
0 0

Ist ja wieder für die Polizei und die Geheimdienste super, dass er nichts mehr gegen die Vorwürfe sagen kann

In Weissrussland hat man das auch eingesehen. Da hat man auch den Beschuldigten letztgültig das Wort entzogen.
Jetzt können uns wieder Behörden und Politiker ihre beruhigende Wahrheit sagen.

Gast: Be-obachter
24.03.2012 10:01
2 0

Hätten sie ihn lebend gefasst,

so wäre er ja doch von Gesinnungsgenossen wieder freigepresst worden.

Gast: freund?
24.03.2012 09:52
4 0

na, DAS ist in österreich anders...



wenn es die 'richtige' gesinnung ist, natürlich nicht der warmherzige islamismus, dann kann man dafür zehn jahre und mehr kriegen.

Gast: beschwerer
24.03.2012 09:04
8 0

Gesinnung?

Sorry, aber wegen gewisser anderer Gesinnungen kommt man etwa in Ö durchaus in den Häfen. Und wer laut Wissen der Geheimdienste in Afghanistan Sprengfallen gebastelt und mit einer weltweit als solchen anerkannten Verbrecherbande namens Taliban gepackelt hat, gehörte auch daheim in Frankreich in den Knast.

Gast: b754
24.03.2012 08:39
1 11

wenn man nach gesinnung verhaftten könnte müsste die hälfte derr fpöler sitzen


Antworten Gast: Pensador
24.03.2012 12:39
2 0

Re: wenn man nach gesinnung verhaftten könnte müsste die hälfte derr fpöler sitzen

Oder viele Rote, die bis heute nicht bereit sind, das verbrecherische Element in ihrer sozialistischen Verwandtschaft zuzugeben, mit der sie einen ganzen Berg von ideologischen Gemeinsamkeiten haben.
(Sh. Stalin, Pol Pot, N-Korea, Kuba etc. etc.)

Antworten Gast: freund?
24.03.2012 09:54
8 0

Re: wenn man nach gesinnung verhaftten könnte müsste die hälfte derr fpöler sitzen




du bist so GSCHAAIID !

dein nick ist sicher die formel für ein mittel gegen krebs, und KEINER begreift es .

Re: Re: wenn man nach gesinnung verhaftten könnte müsste die hälfte derr fpöler sitzen

LOL

mit allem Respekt:

wenn es zu Ereignissen oder Themen einen
Medienrummel gibt sieht es vielleicht für einen
Moment lang aus als würde es dieses Thema
nun ewig geben, nur um dann ganz unvermittelt
zu verschwinden.
Jetzt gibt es vielleicht noch ein paar Nachzucker
dazu und dann ist wohl Schluss damit.
Und irgendwie ist es wohl auch richtig so,
es fehlt ganz einfach gar nichts wenn derlei ungustiöse Themen mit dem ganzen Narrenhaus-
effekt nicht länger fortzusetzen sind.

Im übrigen kann man sich solche Rummelthemen, auch längst vergessene, recht bequem im Nachhinein ansehen. Lange nachher sieht dann alles ganz anders aus.
Suchwort: Medienrummel.

„Nur wegen seiner Gesinnung konnten wir ihn doch nicht verhaften“

Bei uns geht das schon. Zwar nur bei einer einzigen Gesinnung, aber immerhin.

Re: „Nur wegen seiner Gesinnung konnten wir ihn doch nicht verhaften“

Und das ist gut so!

Re: Re: „Nur wegen seiner Gesinnung konnten wir ihn doch nicht verhaften“

Komisch, aber Anhänger der größten Massenmörder der Geschichte, der Ideologie, die vorsätzlich weltweit hunderte Millionen Tote ganz ohne Krieg verschuldet hat und noch verschuldet, die bekommen kein Problem.

Gast: Karl Huber
24.03.2012 00:09
0 1

Also das mit dem Scharfschützen versteh ich auch nicht.

Der müßt doch gut genug ausgebildet sein das der ihm eine ins Bein verpaßt und der geht nirgends mehr hin. Oder. Der hat den vielleicht gar nicht umlegn wollen? Also daneben geschossen?
Wie auch immer. Den könnens einäschern und der Schaden isch gschätzt!

Tote reden nicht...

warum hat man Osama Bin Laden nicht lebend gefangen und gefragt wie er die Instruktionen aus Tora Bora für 911 gegeben hat???

Antworten Gast: Be-obachter
24.03.2012 10:03
3 0

Re: Tote reden nicht...

In Ried im Innkreis läuft einer frei rum, der hat 15 Vorstrafen und kürzlich einen jungen Mann umgebracht.
Ich nenne sowas politisch korrekte duale Justiz.

Re: Tote reden nicht...

Ja, warum hat der CIA Agent Tim Osman alias Osama Bin Laden das nicht gemacht?
Warum waren die Attentäter schon geheimdienstlich bekannt - so wie bei den London 7/7 Attentaten...

 
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