"Organisierte Zuhälterei": Anklage gegen Strauss-Kahn

27.03.2012 | 11:47 |   (DiePresse.com)

Der Ex-IWF-Chef muss sich wegen der Teilnahme an Sex-Partys mit Prostituierten verantworten. Nun ist er unter Polizeiaufsicht auf freiem Fuß.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

In der Affäre um Sexpartys hat die französische Justiz am Montag Anklage gegen den früheren IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn erhoben. Die Vorwürfe lauteten auf "organisierte Zuhälterei", erklärte die Staatsanwaltschaft nach einer stundenlangen Befragung des 62-Jährigen durch Untersuchungsrichter in Lille.

Strauss-Kahns Anwälte teilten mit, dieser habe alle Vorwürfe "mit größter Entschiedenheit" zurückgewiesen. Er habe nichts von Prostituierten gewusst. "Herr Strauss-Kahn befindet sich hier zu einem großen Teil wegen seiner Bekanntheit, er wurde auf einen Scheiterhaufen gestoßen", sagte Anwalt Richard Malka. Laut Staatsanwaltschaft wurde Strauss-Kahn gegen eine Kaution von 100.000 Euro auf freien Fuß gesetzt, aber unter Polizeiaufsicht gestellt. Er darf keinen Kontakt mit anderen Verdächtigen aufnehmen.

Strauss-Kahn sollte eigentlich am 28. März vor die Untersuchungsrichter geladen werden. Es wurde erwartet, dass bei diesem Termin dann ein förmliches Ermittlungsverfahren gegen ihn eröffnet wird, das in eine Anklage münden könnte. Es gab zunächst keine Begründung, weshalb die Befragung vorgezogen wurde. Der einstige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) hatte sich Ende Februar wegen der Callgirl-Affäre bereits für zwei Tage in Polizeigewahrsam befunden.

Sex-Partys mit Prostituierten und Top-Polizist

Strauss-Kahn hatte an einer Reihe von Sexpartys in Luxushotels in Paris und in den USA teilgenommen. Für die Prostituierten sollen Unternehmer bezahlt haben. Unklar ist, ob Strauss-Kahn wusste, dass es sich bei den zu den Partys eingeladenen Frauen um Prostituierte handelte. Er bestreitet dies. Außerdem versuchen die Ermittler herauszufinden, ob der frühere IWF-Chef sich über die Herkunft des Gelds im Klaren war, mit dem die Partys bezahlt wurden.

Auf Beteiligung an Zuhälterei stehen in Frankreich bis zu 20 Jahre Haft, für Beihilfe zur Veruntreuung von Firmengeldern drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis. An den Sexpartys hatte auch die Nummer zwei der Polizei für Nordfrankreich, Jean-Christophe Lagarde, teilgenommen.

Anhörung im Zivilverfahren

Am Mittwoch kommt es zudem zu einer ersten Anhörung im Zivilverfahren des Zimmermädchens Nafissatou Diallo gegen Strauss-Kahn. Sie warf dem damaligen Chef des Internationalen Währungsfonds vor, sie in einem Hotel in New York sexuell angegriffen zu haben. Wegen mangelnder Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers stellte die US-Justiz das Strafverfahren ein. Die Zivilklage, in der Diallo Schadensersatz wegen eines "gewalttätigen und sadistischen Angriffs" fordert, blieb davon aber unberührt.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

14 Kommentare

Wen interessierts?

Man muß kein Freund Strauss-Kahns sein, um diesen Scheinmoralismus dumm zu finden.

Sexparties - na, und?
Prostituierte - na, und?

Wenn soetwas ein rechtliches Problem schafft, hat das Rechtssystem ein Problem, nicht das Individuum.

Gast: Till aus dem Haus der Freude
27.03.2012 13:22
0

Es wird wieder einmal mit zweierlei Maß gemessen

Man erinnere sich nur an Berlusconis "Bunga Bunga"-Parties und an die "objektive, seriöse" Berichterstattung der "unabhängigen" Medien.

Was ist er auch bei der falschen Partei, der Silvio...

Gast: Altemanze
27.03.2012 10:47
0

es hat (noch) fast kein Mann auf dem inneren Radar,

was diese Systematik für Frauen allgemein und im Besonderen wirklich für extrem negative Auswirkungen hat...;-(

also wo da ein

problem sein soll ist mir schleierhaft.
ein paar ältere herren haben sich mit jungen frauen "beschäftigt"....und....sie wurden doch eh dafür entlohnt....was hat der strauss kahn angestellt, dass man ihn so drangsaliert !?


Gast: sdafsdfsd
27.03.2012 08:33
4

Natürlich konnte er nicht wissen, dass es sich um Prostituierte handelte.

So einem feschen Kerl liegen schließlich die Frauen zu Füßen.

Gast: nK
27.03.2012 08:27
2

Organisierte Zuhälterei: Was ist das?

Hat er jetzt teilgenommen oder es organisiert. Und warum ist das überhaupt strafbar?

Wenn es strafbar ist wieso laufen die Damen noch frei herum.

Antworten Gast: ZARA
27.03.2012 08:44
1

Die Frauen laufen noch frei herum?????????

Die Frauen sind die Opfer!
Und was glauben Sie, zu was die jungen unschuldigen Mädchen jetzt noch immer gezwungen werden?
Die müssen weiter für sowas wie SK zuwillen sein!!!!!!!!!
EKELHAFT!!!!!

Antworten Antworten Gast: Arbogast
27.03.2012 11:09
2

Re: Die Frauen laufen noch frei herum?????????

Ihre Empörung ehrt Sie, ist aber leider vergeblich, denn all die ehrbaren & rechtschaffenen Prostitutionskonsumenten leben 1.) in einer eigenen Welt und sitzen 2.) am längeren Hebel. Das war ja auch beim nunmehr in leichten Turbulenzen befindlichen Strauß-Kahn jahrzehntelang so. Dass DSK jetzt Schwierigkeiten hat (samt einiger seiner partners in crime, wie z.B. Oberbulle Lagarde), dürfte politische Gründe haben. Denn Prostitution, Korruption und Kriminalität sind ja eigentlich essentielle Bestandteile von Politik & Wirtschaft - weshalb der arme Strauß-Kahn von allen Ehrbaren&Rechtschaffenen bemitleidet und verteidigt wird. Aus gutem Grund, er ist ja wirklich furchtbar arm, denn: so wie er machen's doch wirklich alle, und die sind nach wie vor in Amt & Würden ... ;-)

Antworten Antworten Gast: nK
27.03.2012 10:41
1

Re: Die Frauen laufen noch frei herum?????????

Wo steht, dass wer gezwungen wurde? Man darf sogar annehmen, dass ihre Täterinnen für wenig Aufwand sehr viel Geld bekommen haben.

Ist diese Opferrolle nicht anstrengend?

Er hat geglaubt

Dass all seine Geschäftfreunde Freundinnen/Gattinnen haben die zwischen 18 und 25 sind, großteils aus dem Osten kommen und kaum ein Wort aussprechen.

Gast: Gasti
27.03.2012 06:58
4

Und solche Leute bestimmen ueber unsere Zukunft!

Da wird einem gleich ganz anders.

Der gute stk ..................

hat aber auch nichts ausgelassen - :O)).........

jaja

"Er habe nichts von Prostituierten gewusst."

da macht man geile sexparties in luxushotels, nackte junge frauen machen das alles freiwillig vor lauter geilheit auf den chippendale-bock DSK.
ist ja so ein feschak.
fast so wie der Clooney, nur ein bisserl älter,

nein, waren keine huren, waren alle auch nicht scharf aufs geld vom DSK und IWF.
sicher keine Prostituierten.
und sicherlich alles unbezahlt.

aber da wird sich diesmal sicher nichts bei der Telekom in dieser sache finden.
ausnahmsweise.

Gast: mysterium
26.03.2012 23:49
2

Jean-Christophe Lagarde???

Heißt so nicht die IWF-Präsidentin, die auch noch ein anderes Verfahren ausständig hat?

Wetter

  • Aktuelle Werte von
    22:00
    Wien
    20°
    Steiermark
    17°
    Oberösterreich
    17°
    Tirol
    13°
    Salzburg
    17°
    Burgenland
    20°
    Kärnten
    17°
    Vorarlberg
    17°
    Niederösterreich
    13°

Jetzt Panorama-Newsletter abonnieren

Der tägliche Überblick mit den wichtigsten Meldungen zu den Themen Chronik, Wien und Umwelt. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden