US-Teenager erschossen: Polizei wollte Haftbefehl

29.03.2012 | 10:15 |   (DiePresse.com)

Ein 17-jähriger Schwarzer wurde in Florida Ende Februar von dem Mitglied einer Bürgerwehr erschossen. Die Polizei beteuert nun, den Fall als "mögliches Tötungsdelikt" eingestuft zu haben.

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Ende Februar wurde im US-Bundesstaat Florida ein afroamerikanischer Teenager von einem weißen Privatsheriff erschossen. Weil der Schütze danach weder verhaftet noch angeklagt wurde, sorgt der Fall seither für massive Proteste. Die Polizei entgegnet nun der öffentlichen Kritik an ihrem Vorgehen: Sie hätte sich zunächst - entgegen früheren Berichten - doch um einen Haftbefehl gegen den Schützen bemüht und den Fall ursprünglich als "mögliches Tötungsdelikt" eingestuft, berichtet die Zeitung "Miami Herald". Die Staatsanwaltschaft habe die Verhaftung aber nicht angeordnet.

Der 17-jährige Trayvon Martin war am Abend des 26. Februar in Sanford von dem 28-jährigen George Zimmerman, einem Weißen mit hispanischen Wurzeln, erschossen worden. Der Jugendliche war unbewaffnet, Zimmerman befand sich als Mitglied einer Bürgerwehr auf privater Patrouille. Der Schütze gab an, aus Notwehr gehandelt zu haben, nachdem der Jugendliche ihn niedergeschlagen habe. Die genauen Umstände sind unklar, der Fall löste aber eine landesweite Kontroverse um Rassismus im US-Justizsystem und laxe Waffengesetze aus. Tausende Menschen forderten bei Kundgebungen die Festnahme Zimmermans.

Grand Jury entscheidet nun über Anklage

Polizei und Justizbehörden sind wegen ihres zögerlichen Vorgehens in dem Fall heftig in die Kritik geraten. Die von Floridas Gouverneur ernannte Sonderstaatsanwältin Angela Corey verwies im Gespräch mit dem "Miami Herald" darauf, dass eine sogenannte Grand Jury am 10. April über eine Anklage Zimmermans befinden werde.

Die Zeitung zitierte Justizkreise, wonach bei der Staatsanwaltschaft "ständig" Anträge auf Haftbefehle eingingen. "Das bedeutet nicht, dass wir umgehend Anklage erheben. Wir ermitteln, um zu sehen, ob es angemessen ist", sagte ein Justizvertreter dem "Miami Herald".

Ermittler zweifelte an Zimmermans Version

Ein leitender Ermittler in dem Fall, Chris Serino, sagte unterdessen dem TV-Sender "ABC News", er habe noch am Abend des Vorfalls eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, dass er Zweifel an Zimmermans Schilderung habe. Der Schütze hatte ausgesagt, dass der Teenager ihn mit einem Fausthieb zu Boden gestreckt habe. Dann habe der Jugendliche sich auf ihn gesetzt und sein Gesicht mehrmals auf den Boden geschlagen. Erst dann habe Zimmerman zur Waffe gegriffen.

Der Anwalt von Martins Familie wirft Zimmerman dagegen vor, den Teenager "kaltblütig" ermordet zu haben.

Debatte erreicht Repräsentantenhaus

Der 65-jährige demokratische Abgeordnete und Bürgerrechtler Bobby Rush ist am Mittwoch vor das US-Repräsentantenhaus getreten, um gegen das Vorgehen in dem Fall im Speziellen und das "Racial Profiling" der Polizei generell zu protestieren. Während seiner Rede entledigte sich Rush seines Jacketts und streifte die Kapuze seines Pullovers über den Kopf. Er musste die Rede schließlich abbrechen. 

AP Photo/House Television

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Kapuzen wurden zum Symbol der Proteste gegen das Vorgehen der Behörden im Fall Trayvon Martin. Martin trug eine Kapuze, als er erschossen wurde. Eine der größten Kundgebungen war der "A Million Hoodies (deutsch: Kapuzen-Sweater) March" in New York.

(Ag./red.)

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26 Kommentare
 
12
Gast: Blankensteiner Husar
29.03.2012 18:47
0 0

man sollte bitte auch einmal die sogenannten "Weißen" in den USA fragen und die werden auch alle für die Verurteilung des Schützen sein


Gast: Free
29.03.2012 16:26
2 6

Verbrecher tot.

Das Jammern der Verbrecherfreunde nutzt nicht mehr und das ist gut so.

0 0

Re: Verbrecher tot.

Dupfbacke!

Antworten Gast: Ichlacheüberdich
29.03.2012 23:46
2 1

Re: Verbrecher tot.

Was haben deine Eltern bloß falsch gemacht? Anscheinend alles!

Antworten Gast: ATTACK
29.03.2012 19:55
4 1

Re: Verbrecher tot.

Sie sind-EIN DUMMER RASSIST-und mehr- fällt mir zu Ihnen nicht ein!!

Antworten Gast: Tony Blake
29.03.2012 17:05
6 1

Re: Verbrecher tot.

Tirfft die Überschrift auch auf ihr Hirn zu?

Gast: George Bush
29.03.2012 16:13
3 2

Die Diktatur des Kapitals

Gesetze die Mord erlauben, wie das gegenständliche in den USA, sind ein direktes Ergebnis der illegalen Einflußnahme der Waffenlobby auf die amerikanische Politk.
Wer sich gegen den freien Verkauf von Waffen stellt, wird lächerlich gemacht bzw. als unamerikanisch hingestellt.
Nicht das Volk macht Gesetze, sondern die Waffenindustrie mit ihren Marionetten in den amerikanischen Parlamenten.
Ein trauriges Beispiel des Desasterkapitalismus.

Gast: plebs potus
29.03.2012 16:01
2 2

Wer einen unbewaffneten erschiesst

muss dafür büssen. Notwehr heisst nicht dass dies auch Tötung gerechtfertigt. Auch hierzulande erschiesst die Polizei flüchtende Unbewaffnete.

Soetwas passiert ungebüßt nur in Diktaturen.

Antworten Gast: Free
29.03.2012 16:25
1 3

Re: Wer einen unbewaffneten erschiesst

Langsam wirds eng für die von den linksrotgrünen hofierten Verbrecher.
Die Justiz würde ja wegsehen dank Parteibuch aber wenn der Verbrecher vorher schon eine Kugel einfängt ist der Bürger sicher.
Und in den USA geht das noch viel schneller!

Gast: Pensador
29.03.2012 15:25
4 4

Was zählt, sind die Tatsachen.

Was tut das auf einmal zur Sache, dass der Sheriff weiss war, hispanische Wurzeln hatte und der Gewalttäter "afroamerikanisch"?Übrigens, wieso heissen eigentlich die Weissen in den USA nicht "Euroamerikaner"?
Wenn das in den liberalen und demokratischen USA in der Berichterstattung irgendwie von Belang ist, warum dann eigentlich nie bei uns, wenn z. B. der Täter kein Einheimischer ist?

Ein jugendlicher Gewalttäter schlägt einen Sheriff nieder und bringt ihn durch Aufschlagen des Kopfes auf den Boden beinahe um.
Der Sheriff erschiesst ihn darauf in Notwehr, was verschiedentlich angezweifelt wird.
So lauten die Tatsachen.
Und das einzige von Bedeutung dabei ist, ob
sie so waren oder nicht.

4 3

Re: Was zählt, sind die Tatsachen.

Was Sie da schreiben sind keine "Tatsachen", sondern die Aussage von einem der zwei Beteiligten (der andere kann aus bekannten Gründen seine Version nicht mehr erzählen).

Laut obigem Artikel zweifelt einer der leitenden Ermittler diese Version des "Privatsheriffs" an. Und von "bringt ihn beinahe um" ist übrigens auch nicht die Rede.

Sie sollten mal nachschlagen was das Wort "Tatsache" bedeutet.

Mit dem Hinweis

auf die "hispanischen Wurzeln" (sprich Latinomutter, welcher Hautfarbe auch immer) soll die Tragödie in Bezug auf ihren schwarz-weißen Sprengstoff neutralisiert werden, anstatt dass man die Frage nach der Sinnhaftigkeit solcher offensichtlich rassistisch unterwanderter Bürgerwehren stellt.

Obwohl

natürlich auch der (mutmaßlich) rassistische Hintergrund der Tat beleuchtet gehört, befürchte ich, dass gewisse Lobbies (Waffen, etc.) das mediale Interesse nur in diese Richtung drücken werden, um einen großen Faktor - die liberalen Waffengesetze der Staaten - aus der öffentlichen Wahrnehmung zu drängen.

Einen Weißen schlechter zu behandeln,

... als einen Schwarzen ist auch eine Form von Rassismus.

Ein weißer mit hispanischen Wurzeln....


....ist das nicht doch das gleiche wie ein Hispano mit weißen Wurzeln?

Die Tat ist schrecklich und die Schuld/Unschuld ist zu ermitteln.

Aber das alles in einen rassistischen Kontext zu zerren, ist absurd.

4 3

Re: Ein weißer mit hispanischen Wurzeln....

Es glaubt eben kaum jemand, dass ein 17-jähriger weißer Jugendlicher mit Zuckerln und Eistee in der Hand wegen irgendetwas verdächtigt und verfolgt worden wäre.

Mit dieser naiven Einstellung sollten sie in den Staaten nicht unterwegs sein...


.....in manchen Gegenden sind sie als Weißer Freiwild.

Und zur Berichterstattung. Der "Teenager" war 6" (1,83m) und Zeugen sprechen von Notwehr.

Aber das muß das Gericht entscheiden.

Faktum ist jedoch, daß manche Gegenden in den USA ethnisch "besetzt" sind.

Eine Entwicklung die wir auch in Europa zusehends bekommen.

Antworten Antworten Antworten Gast: idijäger
29.03.2012 13:38
2 5

"Zeugen sprechen von Notwehr"


Angriff mit einem Packerl Zuckerln ...

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: b754
29.03.2012 13:51
2 1

Re: "Zeugen sprechen von Notwehr"

... auf einen Diabetiker.

4 1

Re: Mit dieser naiven Einstellung sollten sie in den Staaten nicht unterwegs sein...

Natürlich, und offenbar ist man als Schwarzer auch in manchen Gegenden Freiwild. Wie soll man so etwas dann NICHT im rassistischen Kontext sehen?

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Pensador
29.03.2012 15:29
1 0

Re: Re: @pck0 Mit dieser naiven Einstellung sollten sie in den Staaten nicht unterwegs sein...

Interessiert mich, da ich oft in den Staaten war:
Wo in den USA sind Schwarze Freiwild?

1 0

Re: Re: Re: @pck0 Mit dieser naiven Einstellung sollten sie in den Staaten nicht unterwegs sein...

Offenbar in Florida, aber meine Aussage war an Enrico II gerichtet, Weiße sind ja auch nicht buchstäblich Freiwild.

4 0

ein Weißer?

Wollte gerne wissen wie groß das Tamtam gewesen wäre, wenn das Opfer ein Weißer ist?!

Antworten Gast: Kibietz
29.03.2012 11:10
1 2

Re: ein Weißer?

Sie feiern also auch dieses jahr das Karl-May-Jubiläum mit?
Weisser, Rothaut, ......

Gast: aufgedckt
29.03.2012 10:25
5 11

Auch hier droht ein Propaganda-Debakel

Zimmerman ist selbst "hispanic" und hat wie Obama einen "weißen" Elternteil. Wenn Obama der "erste schwarze Präsident" ist, ist auch Zimmerman "schwarz". Die Neonazi-Keule ist damit gescheitert.

Zimmerman war nach dem Geplänkel selbst verletzt und blutete. Vermutlich hat er in Notwehr gehandelt.

Nach Toulouse das zweite riesige und peinliche Propaganda-Debakel in kurzer Zeit.

Gast: Kibietz
29.03.2012 09:57
3 2

Ojeoje! Zimmerrrrman hat einen Migrantionshintergund. Ganz schlecht für die Chancen vor Gericht

Besonders die Hispanier, die haben von Haus aus einen Minuspunkt bei der Tschuri.
Und in einem Jahr lesen wir, dass die Hispanier alle auf die Straße gehen und demonstrieren.
Supi!

 
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