"Titanic": Chronologie einer tragischen Jungfernfahrt

10.04.2012 | 11:42 |   (DiePresse.com)

Vom umjubelten Auslaufen in Belfast bis zum Untergang.

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Sie galt als unsinkbar, war der ganze Stolz ihrer Bauherren und sollte ihre Passagiere sicher von der Alten in die Neue Welt bringen. Dass ein Eisberg der "Titanic" ein dramatisches Ende setzen würde, damit rechnete niemand.

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Eine Chronologie der Ereignisse vom verschobenen Abfahrtstermin bis zum Untergang in eisiger See: 

Der 20. März 1912 ist als eigentlicher Abfahrtstermin vorgesehen. Doch wegen Reparaturen an der zuvor mit der HMS Hawke kollidierten "Olympic" in der gleichen Werft kann die "Titanic" nicht rechtzeitig fertiggestellt werden. Außerdem muss noch Kohle aus umliegenden Bunkern gesammelt werden - ein Kohlestreik in Großbritannien legt fast die ganze Schifffahrt lahm. Elf Tage später werden die Bauarbeiten in Belfast in Belfast abgeschlossen. Am 1. April verlässt das Schiff die Werft in Belfast für eine Testfahrt und anschließende Überfahrt in den Passagierhafen in Southampton (England).

(c) APA

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Reederei überschätzt den Ansturm

Neun Tage später, am 10. April 1912, ist die "RMS Titanic" bereit zum Auslaufen. Die Kapelle spielt den White Star March, wie es zur Ausfahrt großer Schiffe üblich war. Zuerst dürfen Passagiere der dritten Klasse an Bord gehen. Sie haben keine Rückfahrkarte und wollen ihr Glück in der "Neuen Welt" Amerika finden. Zuallerletzt betreten die Herrschaften der ersten Klasse die Rampe. Für sie ist die Reise nach New York ein prestigeträchtiger Ausflug und eine nette Gelegenheit, mit anderen Persönlichkeiten zusammenzutreffen.

Dabei ist das "größte Schiff der Welt" nicht einmal ausgebucht. Der Kohlestreik verunsichert viele, überdies überschätzt die Reederei den Ansturm bei weitem. Zu Mittag werden die Leinen losgemacht. Fast alle Passagiere stehen an Deck und winken den Menschenmassen am Pier. Beim Auslaufen geschieht der erste Zwischenfall: Die "Titanic" erzeugt einen derart großen Sog, dass die Taue der umliegenden Schiffe "New York" und "RMS Oceanic" reißen. Die zwei Schiffe treiben auf die "Titanic" zu, nur mit "voller Kraft zurück" kann der Zusammenstoß verhindert werden. Die "Titanic" verlässt Southampton mit einer Stunde Verspätung.

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"Wende" soll Eismeer umgehen

Nachdem noch weitere Passagiere an der Küste bei Cherbourg in Frankreich mit kleinen Booten zugestiegen sind, nimmt die "Titanic" Kurs auf Queenstown (ab 1922: Cobh) in Irland, wo am 11. April fast nur Auswanderer zusteigen, außerdem werden jede Menge Postsäcke verladen. Um 13.30 Uhr lichtet die "Titanic" ihre Anker zum letzten Mal.

Wie zu der Jahreszeit üblich, steuert sie nicht direkt auf New York zu. Durch den sogenannten Corner, eine Wende in der Mitte des Atlantiks auf dem 42. Breitengrad, soll das Eismeer vor Neufundland gemieden werden.

Erste Warnung verschwindet in Hosentasche

Drei Tage später hat die "Titanic" rund 1500 Meilen auf offener See zurückgelegt, als am 14. April um 9 Uhr die ersten Eisbergwarnungen eintreffen. Fast fünf Stunden später erreicht die erste konkrete Warnung der Kommandantur Bruce Ismay. Der Direktor der White Star Line schenkt der Meldung allerdings nur wenig Beachtung und verstaut sie in seiner Hosentasche.

14. April, 23.40 Uhr: Ein Matrose sichtet einen Eisberg und schlägt Alarm. Der Kurs wird geändert - doch ist es bereits zu spät. Die Matrosen erkennen einen neuen, etwa 20 Meter hohen Eisberg und melden dies an die Brücke. Offizier Moody bestätigt die Meldung und gibt sie weiter. Obwohl die entsprechenden Befehle den Maschinenraum erreichen, ist ein Ausweichen nicht mehr möglich - es kommt zur Kollision: Die "Titanic" wird an Steuerbord an fünf verschiedenen Stellen beschädigt, was auch von vielen Passagieren bemerkt wird.

14. April, 23.50 Uhr: Hektisches Treiben auf der Brücke, während sich die ersten fünf Kammern des Schiffes immer mehr füllen und der erste Heizraum fast vollständig geflutet ist. Die ersten Besatzungsmitglieder im Rumpf sterben. Kapitän Smith ist wenig später auf der Brücke und bespricht sich mit dem Konstrukteur des Schiffes, Thomas Andrews. Nach dessen Einschätzung wird sich das Schiff wohl nur noch eine bis eineinhalb Stunden über Wasser halten. Daraufhin gibt der Kapitän den Befehl, ein Notsignal zu senden und die Rettungsboote zu bemannen. Kurz nach Mitternacht werden Crew und Passagiere mit Schwimmwesten ausgestattet. Doch die Rettungsboote bieten nicht allen Menschen an Bord Platz.

15. April, 0.10 Uhr: 20 Meilen entfernt soll die Mannschaft der "California" Lichter eines unbekannten Schiffes entdeckt haben. Man versucht, mit Morsezeichen Kontakt aufzunehmen, bekommt aber keine Antwort. Die Notsignale der "Titanic" werden auch von anderen Schiffen empfangen, die jedoch viel zu weit entfernt sind. Auch die am nächsten gelegene "Carpathia" (58 Meilen) wird erst nach dem Untergang eintreffen. Auf der Titanic lässt der Kapitän unterdessen die Musikkapelle spielen.

15. April, 0.45 Uhr: Das erste Rettungsboot (Nr. 7) legt ab - jedoch nur mit 28 Menschen an Bord statt der möglichen 65. Denn viele Passagiere vertrauen auf die Unsinkbarkeit der "Titanic" und ziehen es vor, auf dem Schiff zu bleiben. Etwa zeitgleich werden die ersten Notraketen abgesetzt. Der vierte Offizier Boxhall glaubt, die Lichter eines anderen Schiffes zu sehen und versucht, Kontakt per Morsezeichen aufzunehmen. Welches Schiff es gewesen sein könnte, kann jedoch nie geklärt werden.

Viele haben den Ernst der Lage nicht erkannt, weshalb auch in den nächsten Rettungsbooten viele Plätze unbesetzt sind.

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Panik, Chaos und Warnschüsse

Um 1.15 Uhr reicht das Wasser bis zum Schiffsnamen und die Schräglage wird immer dramatischer, was zu einer ersten Panik führt. Die Crew bleibt Herr der Lage und die Boote sind endlich besser besetzt. Als Rettungsboot 14 mit 60 Passagieren zu Wasser gelassen wird, muss Offizier Lowe zur Waffe greifen und mit Warnschüssen verhindern, dass weitere Menschen an Bord springen und es womöglich zum Kentern bringen. Der Reeder Bruce Ismay bringt sich auf einem der Klapprettungsboote in Sicherheit. Die letzten Boote werden besetzt, während das Vorderdeck bereits überflutet ist. Panik und Chaos nehmen zu.

Kurz vor 2 Uhr empfängt die "Carpathia" den letzten Notruf der "Titanic". John Jacob Astor, der reichste Mann an Bord der ''Titanic'', verabschiedet sich von seiner schwangeren Frau. Er darf sie nicht begleiten, weil ein Offizier nur Frauen und Kinder an Bord des Rettungsboots duldet. Das Wasser ist nur noch drei Meter vom Promenadendeck entfernt. Das letzte Rettungsboot verlässt kurz nach 2 Uhr das Schiff, es ist Notboot D. Wieder muss mit Warnschüssen verhindert werden, dass es gestürmt und überlastet wird. Noch immer sind etwa 1500 Menschen an Bord, während der Bug bereits vollständig überflutet ist.

Kapitän und Konstrukteur erwarten Untergang

Die beiden Funker Bride und Phillips werden um zehn Minuten nach zwei Uhr vom Kapitän aus den Dienst entlassen. Letzterer setzt jedoch weiterhin Notrufe ab. Jeder ist auf sich allein gestellt. Der Kapitän erwartet auf der Brücke das Ende der "Titanic". Der Schiffskonstrukteur Thomas Andrews soll ebenfalls keinen Versuch unternommen haben, sich zu retten.

Ein Pater erteilt über tausend Menschen die Absolution. Auch die Kapelle hört zu spielen auf. Auf dem Oberdeck bricht das Wasser ein, während viele Passagiere ins eiskalte Wasser springen - der endgültige Untergang hat begonnen.

Hilfeschreie verstummen

Auf der "Titanic" gehen die Lichter um 2.18 Uhr aus. Die ungleich im Inneren verteilten Wassermassen zerstören den Schiffsrumpf. Kurz vor dem Ende richtet sich das Schiff steil auf, es zerbricht in zwei Teile, wobei der Bug als erstes versinkt. Der Sog reißt viele im Wasser treibende Menschen in die Tiefe, die anderen erfrieren im 0 Grad kalten Wasser. Nur ein Rettungsboot kehrt zurück, um nach Überlebenden zu suchen. In den anderen ist die Angst zu groß, zu kentern.

3.00 Uhr. Die letzten Hilfeschreie verstummen.

4.10 Uhr. Die "Carpathia" trifft ein und nimmt die Überlebenden an Bord.

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(Ag./red.)

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