Florida: Todesschütze Zimmerman kommt vor Gericht

12.04.2012 | 18:50 |  Von Ansgar Graw (Die Presse)

Der Fall des ermordeten Afroamerikaners Trayvon Martin spaltet Amerika. Der mutmaßliche Täter und Nachbarschaftsschützer in Sanford (Florida), George Zimmerman, wurde nun verhaftet und wegen Mordes angeklagt.

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Washington. Es hat zähe 46 Tage gedauert, aber nun nimmt die Gerechtigkeit wohl ihren Lauf. George Zimmerman, der 28-jährige Nachbarschaftsschützer in Sanford (Florida), der am 26. Februar den unbewaffneten 17-jährigen Schwarzen Trayvon Martin erschoss, muss sich wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz verantworten. Ihm droht lebenslange Haft.

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Für Donnerstag war eine erste Anhörung in dem Fall angesetzt, der in den USA zu Demonstrationen und erbitterten Debatten über Rassismus und Waffengesetze geführt hat: Dabei wurde entschieden, dass Zimmerman zunächst nicht auf Kaution freikommt. Dies würde nur die Gemüter anheizen, sagte sein Anwalt.

Am Mittwoch war Zimmerman, der sich auf Notwehr beruft und zunächst auf freiem Fuß geblieben war, nach wochenlangen Protesten in Haft genommen worden. Der Sohn eines weißen Amerikaners und einer peruanischen Mutter, für den die Medien den Begriff des „weißen Hispanic“ kreierten, hatte sich auf eine entsprechende Aufforderung selbst gestellt, sagte Sonderermittlerin Angela Corey. Sie war vom republikanischen Gouverneur Rick Scott mit dem schlagzeilenträchtigen Fall betraut worden.

Schüsse angeblich aus Notwehr

Zum tödlichen Schuss kam es an einem regnerischen Abend in einer bewachten Wohnanlage. Der schwarze Teenager, dessen Eltern geschieden sind, hat dort seinen Vater besucht und war nach dem Einkaufen in einem Supermarkt auf dem Heimweg. Weil er Zimmerman mit seinem „Hoodie“, einem unter Jugendlichen populären Kapuzenpullover, verdächtig erschien, rief der den 911-Notruf der Polizei. Der „Kerl sieht aus, als führe er nichts Gutes im Schilde“, sagte Zimmerman in dem aufgezeichneten Telefonat. Der Polizeibeamte sagte, er schicke einen Streifenwagen, und forderte Zimmerman auf, dem jungen Mann nicht nachzugehen. Doch kurz darauf kam es zur tödlichen Konfrontation: Laut Zimmerman griff ihn der Jugendliche an, als er auf dem Weg zurück zu seinem Auto war, schlug ihn nieder und hämmerte seinen Kopf auf den Asphalt. Er, Zimmerman, habe Martin daraufhin in Todesangst in die Brust geschossen.

Polizeivideos, die den zunächst in Handschellen abgeführten Zimmerman rund anderthalb Stunden nach der Konfrontation auf der Polizeiwache zeigen, lassen allenfalls mit Mühe leichte Hautabschürfungen am Hinterkopf erahnen. Von der gebrochenen Nase, die Zimmerman angegeben hat, ist darauf nichts zu erkennen. Augen- und Ohrenzeugen der abendlichen Ereignisse äußerten sich widersprüchlich. Doch die nun erfolgte Verhaftung und der Vorwurf des Mordes zweiten Grades sprechen dafür, dass den Ermittlern nun weitere Details bekannt sind. Generalstaatsanwälte erheben in der Regel erst dann Anklage, wenn sie zuversichtlich sind, ihre Position beweisen zu können.

Wäre er eines Mordes ersten Grades angeklagt worden, hätte Zimmerman die Todesstrafe gedroht; als Mord ersten Grades gilt eine Tötung, die im Voraus überlegt und geplant war. Doch auch die Mutter von Martin geht nicht von einer derart absichtlichen Tat aus: „Ich glaube, es war ein Unfall, es geriet einfach außer Kontrolle“, sagte Sybrina Fulton im TV.

Weiße: Tötung gerechtfertigt

Die Bevölkerung der USA ist tief gespalten über den Fall: Nur ein Drittel der Weißen hält die Tötung Martins für ungerechtfertigt, während 91 Prozent der Afroamerikaner dieser Ansicht sind.

Auf einen Blick
George Zimmerman, ein 28-jähriger Nachbarschaftswächter in Sanford (Florida), erschoss am 26. Februar den schwarzen Teenager Trayvor Martin auf einem Parkplatz. Zimmerman war zunächst auf freiem Fuß ge-blieben und erst nach landesweiten Protesten verhaftet worden. [ Reuters ]

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29 Kommentare
 
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Gast: iamtrayvon
22.04.2012 03:29
0


Dar man sich nicht wehren

weil er sich den Schädel nicht einschlagen ließ soll er jetzt verurteilt werden! Das ist Gerechtigkeit?

Antworten Gast: Jemand
14.04.2012 19:07
1

Re: Dar man sich nicht wehren

Mit was denn den Schädel einschlagen, der Junge hatte keine Waffen, mit bloßen Fäusten wollte er ihn wohl nicht den Schädel einschlagen. Dass Rechte ständig die Afrikaner als Böse haben wollen, zeigt wohl, dass zb. die Nazis rechts und nicht links waren, Al Kaida auch rechts und nicht links war etc.

Daß die Presse sogar bei diesem Thema zensuriert...


....ist beschämend und besorgniserregend, was die Presse von der Meinungsfreiheit hält.


Interessant...

...finde ich, dass nur 1/3 der Weissen in den USA die Tötung für ungerechtfertigt halten aber hingegen 91% der Schwarzen. Wenn diese Zahlen stimmen dann erinnert mich das an die Zeit des Kuklux Clan. Armes Amerika

Gast: Na und?
13.04.2012 12:42
1

Umgelegt auf Österreich:

Eine Siedlung macht eine private Sicherheitsgruppe auf. Jeder hat einmal in der Woche Dienst, von 22-04 Uhr.

Einer meldet der Polizei eine verdächtige Person. Die Polizei sagt: Bleib weg von der Person, wir kommen!

Als die Polizei eintrifft, ist die verdächtige Person vom Sicherheits-Ösi umgelegt worden.

Hinzu kommt: Der Erschossene war Einwanderer aus X, der Täter ein normaler Ösi.

Also da ist schon einiges Potential drin in so einem Fall...


Antworten Gast: iamtrayvon
22.04.2012 03:37
0

Re: Umgelegt auf Österreich:

total lustiger getroffene vergleich - echt geniale analogie - aber nedamal in ösiland is es möglich solche sicherheits privat sherriff gruppen zu günden
by the way
der cartoon hats in sich
damit man sich vorstelln kann was geschah - mit original 911 call
http://www.youtube.com/watch?v=j3MKB91MyYQ

Daß die Amis hysterisch alles aufpeitschen ...


....und das Ganze ein Wahlkampfthema ist, ist Faktum.

Warum aber in unseren Breitengraden diese Tat in den Medien so hochgekocht wird, ist nicht nachvollziehbar.

Irgendein Grund wird schon dahinterstecken, daß man einen Mord/Notwehr? zwischen Afro-Amerikaner und Hispano-Amerikaner so hochkocht.

Gast: Kibietz
13.04.2012 10:33
0

Der hat kurze Haare?

Dann ist er eindeutig ein "eh schon wissen" und natürlich schuldig!

1

REALITÄT

Den Rassisten fehlt aus lauter Verbissenheit, der Bezug zur Realität.

Immer wieder,

was für jämmerliche Vorzeigenation ist doch diese U.S.A.

Antworten Gast: Pensador
12.04.2012 12:16
7

Re: Immer wieder,

Wieso eigentlich? Warst schon einmal in den USA? Oder meinst Du so wie einige Deinesgleichen, man könne dauernd von
"Verhetzung" faseln, aber gegen ein bestimmtes Land und seine Bewohner ungehemmt hetzen?
Abgesehen davon dürfte der angeblich
"harmlose" Teenager doch irgendwie aufgefallen sein. Nur aus "Rassismus" wäre er wohl kaum als verdächtig gemeldet worden. Und ob einer tatsächlich bewaffnet ist oder nur so tut,
weiss man auch nicht immer, auf keinen Fall im nachhinein, wenn man nämlich schon erschossen wurde.
Bürgerwehren sind in den USA legal.
Dort ist eben ein freies Land und auch bei der Kriminalitätsbekämpfung haben die Bürger was mitzureden, etwas anders als bei uns.
Und dass die Ermittlungen in dem Fall aufgenommen wurden, nämlich nach den Fakten (und nicht nach Zurufen von
"Rassismus"-Schreiern, auch da gibts Unterschiede zu Ö.) kannst Du ja lesen.

Gast: Da Bese
12.04.2012 09:36
7

Anklage oder Nichtanklage - in den USA eine Frage der Religion?

Die Justiz war verwirrt. George Zimmermann bezeichnet sich selbst als "Hispanic". Er ist Sohn eines amerikanischen Richters und einer Peruanierin.

Nun gilt in der US-Justiz für Juden aber, dass sich diese nicht gegenseitig über die Justiz vermeidbaren Schaden zufügen dürfen. Das heißt, wenn George Zimmermann Jude wäre, wäre er natürlich nicht angeklagt worden.

Erst als klar war, dass Zimmermann kein Jude ist, konnte die Justiz in dem Fall Anklage erheben.

So sieht es zumindest eine Bekannte aus N. Y.

Antworten Gast: ido
12.04.2012 13:17
2

Re: Anklage oder Nichtanklage - in den USA eine Frage der Religion?

klingt so als solltest du mit deiner Bekannten mal ein ernstes Wörtchen reden...

Re: Anklage oder Nichtanklage - in den USA eine Frage der Religion?

Na Sie kennen aber Leute...

Antworten Gast: VorsichtigerWurm
12.04.2012 11:11
5

Re: Anklage oder Nichtanklage - in den USA eine Frage der Religion?

Auch wenn ich absolut gegen zionistisches Gedankengut bin sollte man solche allgemeine Aussagen über Juden nicht tätigen! Wir sind alle Menschen und es gibt überall gute, weniger gute und böse Exemplare! Im Allgemeinen "den Juden" etwas zu zuschreiben oder zu unterstellen finde ich gefährlich und eines denkenden Menschen unwürdig!

MfG

Anklage


heißt nicht verurteilt!

Nachdem er sich an das Gesetz gehalten hat, ist eine Verurteilung auch nicht möglich!


Antworten Gast: ido
12.04.2012 13:19
3

Re: Anklage

da weiß schon wieder jemand Dinge, die gar niemand wissen kann...
"nachdem er sich an das Gesetz gehalten hat" - hat er das? Woher wiss ma das?

Warum werden Beiträge gelöscht?

Einfach weil es lustig ist? Oder ist die Langeweile durchgebrochen? Den rassistischen Beitrag von Global-Observer, den lässt man stehen, der ist ok?

Antworten Gast: Besetztzeichen
12.04.2012 09:54
3

Re: Warum werden Beiträge gelöscht?

Wo genau ist sein Beitrag rassistisch? Weil er schreibt, dass das Opfer auf dem Bild wie ein 11-jähriger aussieht? Weil er die Tatsache aufzeigt, dass US-Waffen den Weg nach Mexico finden? Bitte klären Sie mich auf.

George Zimmerman...

...wird laut Wahlkarte offiziell in seiner Heimat als "Hispanic" geführt. Ein Blick auf das Photo reicht, um das zu bestätigen. Warum wird das Ganze dann als "Weiss gegen schwarz Konflikt" gehandelt?

Antworten Gast: Assistent
12.04.2012 10:27
2

Re: George Zimmerman...

Weil er genau will dass das nicht geschieht. Nachdem er aus rassistischen Motiven gemordet hat will er sich ("Ich bin ja auch eine Minderheit") mit dieser Ausrede befreien - übrigens so gesehen noch ein Indiz für Zimmermans Rassismus.
Er will die Fakten verdrehen und die Justiz so mundtot machen...

auf dem Foto glaubt man

ja wirklich, dass das ein 11 jähriger Junge war -so werden Tatsachen manipuliert...nachdem Eric Holder und Obama Waffen zu den Drogenkartellen in Mexico schicken um zu Hause den Waffenbesitz zu dämonisieren ist diese Story doch ein gefundenes Fressen!

Re: auf dem Foto glaubt man

echt hinterhältig vom Opfer! Sich sogar postum noch so darzustellen, wie er tatsächlich ausgesehen hat.

Re: Re: auf dem Foto glaubt man

ja der war 17 und 2 Köpfe größer, warum zeigt man nicht ein Babyfoto von ihm...?

Antworten Antworten Antworten Gast: Assistent
12.04.2012 11:35
2

Re: Re: Re: auf dem Foto glaubt man

Und 50kg leichter und unbewaffnet. Zimmerman muss sich ja zu Tode gefürchtet haben. Ich wette er hat bei dem angsteinflößenden Anblick sein ganzes Leben an sich vorbeiziehen sehen [...]. Alles Crap... Zimmermann ist ein Mörder... ENDE!

 
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