Eigentlich wollte er es sein, der in diesen Tagen in den Élysée-Palast in Paris einzieht, und nicht Francois Hollande. Doch die Vergewaltigungs-Vorwürfe gegen ihn, machten Dominique Strauss-Kahn einen Strich durch die geplante Kandidatur bei den Präsidenten-Wahlen in Frankreich. Auch wenn das Strafverfahren damals eingestellt wurde, ein Zivilprozess in dieser Causa steht in den USA kurz bevor. Außerdem wächst der Druck auf den früheren IWF-Chef in Sachen Callgirl-Ring. Denn die Staatsanwaltschaft im nordfranzösischen Lille ordnete am Montag Vorermittlungen gegen den 63-Jährigen wegen des Vorwurfs der gemeinschaftlichen Vergewaltigung an. Gegen den einstigen Hoffnungsträger der französischen Sozialisten läuft außerdem bereits ein Ermittlungsverfahren wegen organisierter Zuhälterei.
Konkret wird Strauss-Kahn vorgeworfen, von einer belgischen Prostituierten bestimmte Sex-Praktiken erzwungen zu haben. Die Frau hatte "DSK" sowie drei seiner Freunde zusammen mit einer weiteren Prostituierten im Dezember 2010 in Washington getroffen. "Ich habe nicht geschrien, aber ich habe klar und mit lauter Stimme gesagt, dass ich nicht wollte", sagte die Frau, die keine Anzeige erstattete, im Dezember der belgischen Polizei. Laut belgischer Polizeiprotokolle soll der Unternehmer David Roquet die Frau an den Handgelenken festgehalten haben.
DSK: "Nie Verkehr unter Zwang"
Strauss-Kahn bestreitet die Vorwürfe. Er sprach bereits vor mehreren Wochen von "Lüge" und versicherte, es habe "nie Verkehr unter Zwang" gegeben. Sein Anwalt Richard Malka kritisierte nun die Vorermittlungen: "Ich kenne den Brauch nicht, Vorermittlungen wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung aufzunehmen, wenn die betroffene Person, die lange verhört wurde, keine Anzeige erstattete." Nach den Vorermittlungen kann die Staatsanwaltschaft den Fall entweder zu den Akten legen oder ein Ermittlungsverfahren beantragen. Ein solches Verfahren läuft bereits seit Ende März gegen "DSK" wegen organisierter Zuhälterei.
Strauss-Kahn hat zwar zugegeben, an einer Reihe von Sex-Partys in Paris, Brüssel und Washington teilgenommen zu haben. Er versichert aber, nicht gewusst zu haben, dass es sich bei den eingeladenen Frauen um Prostituierte handelte. Die Partys wurden von Geschäftsmännern bezahlt. Unklar ist, ob sich Strauss-Kahn über die Herkunft des Geldes im Klaren war.
Zivilprozess in den USA
Und auch der Vergewaltigungsvorwurf des New Yorker Zimmermädchens holt den 63-Jährigen noch einmal ein. Das Strafverfahren wurde zwar im August aufgrund Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Hotelangestellten eingestellt, doch nun steht der Zivilprozess bevor. Das Zimmermädchen Nafissatou Diallo wirft ihm vor, sie in einem New Yorker Luxushotel zum Oralsex gezwungen zu haben. Strauss-Kahn bestreitet den sexuellen Kontakt mit dem Zimmermädchen nicht, erklärte aber wiederholt, er sei einvernehmlich gewesen. "DSK" wurde deshalb vor einem Jahr in New York festgenommen und musste als IWF-Chef zurücktreten. Und statt Dominique Strauss-Kahn zog Francois Hollande für die Sozialisten in den französischen Präsidentschafts-Wahlkampf.
(APA)
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