Washington. Im Feldzug gegen das Rauchen hat New York längst Schule gemacht. Mit Ausnahme von einer Handvoll Lokalen sind Zigaretten aus dem öffentlichen Raum verbannt, das Verbot erstreckt sich inzwischen selbst auf Parks. Eine ähnliche rigorose Kampagne kündigte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg jetzt in seiner Mission als Gesundheitsapostel an: Er sagt den übergroßen Softdrink-Bechern den Kampf an, die viele Amerikaner gewohnheitsmäßig in die Kinos und Sportarenen mitnehmen, um Eimer an Popcorn hinunterzuspülen.
Das Verbot von zuckerhaltiger Limonade in Getränken von mehr als 0,47 Litern (16 ounces) – von Cola über Energy-Drinks bis gesüßtem Eistee – soll im März nächsten Jahres in Kraft treten. Es betrifft Restaurants, Kinos, Sportstätten, mobile Verkaufsstände, nicht jedoch Supermärkte.
Die Verfechter individueller Freiheitsrechte und Weltkonzerne wie Coca-Cola oder Pepsi heulten auf, als Bloomberg seine Initiative vorstellte. Doch der 70-jährige Milliardär, politisch unabhängig und in seiner dritten und letzten Amtsperiode, muss auf niemanden Rücksicht nehmen. Widerstand fürchtet er nicht, Kontroversen wie die Homosexuellen-Ehe beflügeln ihn eher. Er ist vom Ehrgeiz getrieben, als jener Bürgermeister in die Annalen einzugehen, der New York seinen Stempel aufgedrückt hat. Die Präsidentschaftskandidaten Obama, ein gelegentlicher Golfpartner, und Romney buhlen um seine Unterstützung.
Jeder dritte US-Bürger ist fett
Nun setzt sich Bloomberg an die Spitze im Kampf gegen die grassierende Fettsucht. Laut Untersuchungen gilt ein Drittel der US-Amerikaner als fett, ein weiteres Drittel als übergewichtig. Überproportional in Mitleidenschaft gezogen sind Minderheiten wie Afroamerikaner und Latinos, die sich in Fast-Food-Ketten gern mit einem „Refill“ bedienen – dem Gratisnachfüllen des Cola-Bechers. Fettleibigkeit ist paradoxerweise oft ein Symptom für Armut. Wohlhabende legen dagegen Wert auf gesunde Ernährung und Fitness, Softdrinks sind in ihren Haushalten vielfach verpönt.
Thomas Farley, New Yorks Gesundheitsstadtrat, macht Softdrinks als Hauptübel für den Anstieg der Fettsucht in den vergangenen 30 Jahren verantwortlich. Jeder dritte New Yorker trinke täglich zumindest eine Limonade. „Fettleibigkeit ist ein nationales Problem. Überall in den USA schlagen Gesundheitspolitiker die Hände über den Kopf zusammen: ,Oh, das ist fürcherlich.‘ New York ist anders, wir tun etwas“, sagte Bloomberg vollmundig in der „New York Times“.
Ganz so einfach liegen die Dinge indessen nicht. In vielen Schulbezirken, insbesondere in der von der Mittelschicht besiedelten Vorstädten, haben Elterninitiativen die Entfernung von Softdrinks aus den Getränkeautomaten der Schulen erreicht. Das Bewusstsein um die langfristigen Folgen der Fettsucht ist kontinuierlich gewachsen, und dies ist nicht zuletzt ein Verdient der First Lady.
First Lady als „Vorturnerin“
Michelle Obama dürfte hellauf begeistert sein vom Vorstoß Bloombergs. Als Vorreiterin der „Let's-Move“-Bewegung, als „Vorturnerin“ der Nation, hat sie sich dem Kampf gegen die Fettleibigkeit verschrieben, unermüdlich macht sie in öffentlichen Auftritten darauf aufmerksam. Gerade erst brachte sie ein Buch über ihren Gemüsegarten im Weißen Haus heraus.
Limo-Bann. Ab März 2013 will New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg in Restaurants, Kinos und Sportarenen ein Verbot von zuckerhaltige Limonaden im XL-Format (mehr als 0,47 Liter) einführen. New York würde damit landesweit ein Beispiel setzen. Manche Schulbezirke haben Softdrinks bereits verbannt. Ein Drittel der Amerikaner gilt als fettleibig.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2012)

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