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Neues Kloster: "Es ist nicht zu fassen"

17.06.2012 | 18:38 |  CHRISTINE IMLINGER (Die Presse)

Zum ersten Mal seit vielen Jahren wurde ein Kloster geweiht: Die "Kleinen Schwestern vom Lamm" sind in die Dammstraße gezogen - nahe dem umstrittenen Islam-Zentrum.

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Mit dem großen Straßenfest hätte er nicht gerechnet. „Ich dachte, da wären vielleicht 20 Leute“, sagt einer. „Na, wenn der Kardinal kommt!“, meint ein anderer. Tatsächlich, trotz mehr als 30 Grad herrscht am Samstagnachmittag in der Brigittenauer Dammstraße Gedränge. Erwartet wurden 1000 Gäste, gekommen sind wohl mehr, um auf der Straße eine Messe zu feiern.

Schließlich ist so ein Anlass rar: ein neues Kloster in der Stadt – jenes der „Kleinen Schwestern vom Lamm“. „Es ist nicht zu fassen, dass wir das erleben dürfen“, sagt Kardinal Christoph Schönborn vor dem schmucken kleinen Kloster zwischen hohen Wohnbauten, herausgeputzt mit bunten Blumen, in dem neun Schwestern leben können. Das Grundstück wurde von der Diözese zur Verfügung gestellt, der Bau durch Spenden finanziert.

 

„Ein Zeichen der Freundschaft“

Es ist die erste Klostergründung auf dem Grund der Stadt in diesem Jahrtausend, im 20. Bezirk haben seit zehn Jahren keine Ordensleute gelebt. In Summe gibt es in Wien derzeit 65 Männer- und 75 Frauen-Kommunitäten. Nicht alle davon leben freilich in einem eigenen Kloster. Trotz eines solchen – die Schwestern des Bettelordens leben aus Solidarität mit den Armen bescheiden. Zum „kleinen Kloster“ gehört auch eine kleine, öffentlich zugängliche Kapelle. Willkommen seien Menschen jeder Herkunft, betont man in der Erzdiözese. Schließlich leben in dem Viertel Menschen mit den unterschiedlichsten kulturellen und religiösen Wurzeln. Gerade der 20. Bezirk biete ein „weites Feld für Freundschaft und Begegnung“. Die Schwestern, so versichern sie, möchten in der multikulturellen Umgebung „ein Zeichen der Freundschaft und des Friedens Gottes“ setzen und freuen sich auf die neue Nachbarschaft.

Die „Kleinen Schwestern“ sind ein Zweig des Dominikanerordens, aus dem auch Kardinal Schönborn stammt. Seit 1996 ist er kirchenrechtlich für den Orden verantwortlich, seither ist die Gemeinschaft in Wien präsent. Bisher waren die Schwestern in der früheren Karmeliterkirche an der Taborstraße zu Hause, nun im 20. Bezirk. Während auf der Dammstraße am Samstag vor dem Kloster ein Chor aus Schwestern in ihrer schlichten blauen Ordenstracht samt blauem Schleier singt, tappen auf der anderen Straßenseite, auf dem Gehsteig, Frauen mit Kopftüchern und ihren Einkäufen auf Zehenspitzen vorbei. Flüstern, bleiben stehen, schauen sich die Messe eine Weile an.

 

„Wirkt beruhigend“

Den Chor hört man auch ein paar hundert Meter weiter. Dort, wo eine andere Religion dominiert, auf dem Gelände des Islamischen Kulturzentrums, entspannen an diesem Nachmittag Männer in der Sonne. Dieses Kulturzentrum hat schon für große Konflikte gesorgt, schließlich soll es um drei Etagen, samt Kindergarten und Wohnungen, aufgestockt werden. Ursprünglichen Plänen nach sollte der Bau längst beginnen. „Der Ausbau kommt sicher. Der Baubescheid ist da, es geht nur noch um die Finanzierung“, sagt ein Sprecher des Trägervereins Atib. Über die neuen Nachbarn freut er sich: „Es wäre schön, wenn man etwas zusammen machen kann.“

Seit den großen Protesten ist es in der Straße ruhiger geworden „Es gibt die üblichen Nachbarschaftskonflikte: Lärm, Parkplätze“, sagt Bezirksvorsteher Hannes Derfler. Das neue Kloster „wirkt beruhigend. Im Sinne der Optik.“ Die Schwestern beschreibt der SP-Politiker als fröhliche und lebenslustige Erscheinungen, die im Bezirk seit einer Weile präsent seien. Größere Konflikte habe es in der Dammstraße schon länger keine gegeben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2012)

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47 Kommentare
 
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meine kleinen Geschwister

ihr super-heinis!! Die haben schon vor dieser Gründung so geheißen, das ist ein Orden in einem Orden. Also die kleinen Schwestern und Brüder vom Lamm sind Dominikaner und ein Bettelorden wie es in den Statutten steht. Sie haben nichts, und müssen TÄGLICH um ihr BROT bitten!! Etwas mehr respekt wenn ich bitten darf. Überhaupt und sowieso: Es gibt keine Provokation. Die Entsteht nur in den Köpfen. Die Lämmer ;) haben genommen was sie bekommen haben, und wollten niemand "provozieren". Aber sie werden "PRODUZIEREN", und zwar Freude und Segen.

Gast: Hammelbraten
18.06.2012 17:17
4 7

Ich bin gegen Kopftücher, egal ob christlich oder vom Islam motiviert

Erfreulich ist die Ansiedlung christlicher Gemeinschaften an den sozialen Brennpunkten einer Großstadt. Nur sollten diese zeitadäquate Lösungswege aufzeigen und nicht an alten Äußerlichkeiten klebenbleiben. Schleier haben in einer modernen Gesellschaft ohne schattenloser Wüstenhitze nichts mehr zu suchen. Warum gibt es keine geistreich-provokanten, fortschrittlichen katholischen Gemeinschaften?


Antworten Gast: Konservativer
18.06.2012 22:05
6 9

Re: Ich bin gegen Kopftücher, egal ob christlich oder vom Islam motiviert

"Ich bin gegen Kopftücher, egal ob christlich oder vom Islam motiviert "

Der typische kulturrelativistische Standardsatz.

Erde an Hammelbraten.

Christliche Kopftücher werden freiwillig angelegt.

Zu islamischen Kopftüchern wird gezwungen.

Unterschied jetzt klar?

Oder immer noch nicht?

Re: Re: Ich bin gegen Kopftücher, egal ob christlich oder vom Islam motiviert

"Zu islamischen Kopftüchern wird GEZWUNGEN." würd' ich so halt net ganz sagen.
Ich glaub es geht immer um die Haltung, und aus welchem Grund man Schleier trägt.
(Immerhin gibt es ja Orden die keinen Schleier führen.)

Meine Oma hat auch "Kopftuch" getragen, weil das die Haare beim Feldarbeiten geschützt hat und praktisch war.

Das alles ist ein sehr sehr sensibles Thema, aber im Gegensatz zum Weltgeschehen ein Sack Reis der in China um fällt.

10 6

Neue Orden

sind die Zukunft einer Kirche, die nicht protestiert sondern sich engagiert.

Schleier?

War da nicht was?

Gast: willi fredi
18.06.2012 12:31
25 10

Ich freu mich

Endlich eine durchwegs erfreuliche Nachricht. Schön, dass es zur Abwechslung auch mal so was gibt. Und die blödem Kommentare hier im Forum schmälern meine Freude überhaupt nicht.

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Re: Ich freu mich

Ich freu' mich auch und denke daran, daß Freude etwas ist daß sich vermehrt, wenn man es teilt.

Re: Re: Ich freu mich

+1

1 1

Re: Re: Re: Ich freu mich

Ebenso.

Lamm Gottes

ad etlichen Postings weiter unten: Es ist betrüblich zu erleben, dass offensichtlich sehr sehr viele mit dem Begriff "Lamm Gottes" nichts mehr anzufangen wissen bzw. die Allgemeinbildung schon derart verkümmert ist.

Antworten Gast: Konservativer
18.06.2012 22:07
4 9

Re: Lamm Gottes

Tja, das kommt eben davon, wenn eine Gesellschaft das christliche Erbe nicht als Leitkultur festlegen will.

Man erntet, was gesät wurde.

Antworten Gast: Aristokritos
18.06.2012 17:00
8 10

Re: Lamm Gottes

Dies ist nicht so sehr ein Zeichen verkümmerter Allgemeinbildung, als vielmehr ein Zeichen des in den letzten Jahrzehnten völlig missglückten Religionsunterrichtes. Wenn nicht gerade Hausübungen für andere Fächer mit Duldung des/der Religionslehrers/-lehrerin angefertigt werden, gibt es entweder Psycho-gewäsch oder es wird etwas von Weltreligionen ("wir sind ja sowas von tolerant und weltoffen....") gefaselt, jedenfalls alles mögliche kommt zur Sprache, nur konkretes "Wissen" über das Christentum wird nicht vermittelt.

Fällt kaum auf,

dass die erste Klostergründung des Jahrtausends genau dort stattgefunden hat, wo so viele wegen des islamischen Zentrums "um ihre Lebensqualität fürchten" mussten.

Lamm kommt sicher vom "Lamm Gottes" welches Jesus ist.

Wurden nicht mit Lämmerblut die Türpfosten in Ägypten bestrichen ?

Re: Lamm kommt sicher vom "Lamm Gottes" welches Jesus ist.

Korrekto! ;) Betet man ja auch in der Messe: LAMM Gottes, DU nimmst hinweg die Schuld der Welt!

Is aber halt typologisch auch mit dem 1. Testament zu sehen wo Abraham seinen geliebten, einzigen Sohn Isaak auf dem Steinaltar opfern will/ "soll" wie man damals eben Lämmer geopfert hat.

daher kommt auch das Sprichwort: "unschulds Lamm"

3 1

Und was haben hier

die roten Striche zu bedeuten?

Re: Und was haben hier

Ablehnung, was sonst. Grün bedeutet übrigens Zustimmung. Aber kümmern Sie sich nicht darum, es ist nämlich vollkommen wurscht, wie Sie von anderen Usern beurteilt werden, solange Sie sich selbst treu bleiben.

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Ja, das verstehe ich schon.

Aber das Posting ist in der Überschrift eine Tatsachenfeststellung. Wertfrei. Was lehnt man da ab?

Der Text ist eine Frage. Was lehnt man da ab?

Ja, alles, wo christlich draufsteht, wird abgelehnt. So kann man es verstehen.

Gast: aladin55
18.06.2012 09:51
2 2

Kann man hoffen dass in der Dammstraße niemanden langweilig wird!


Lämmereien - ein ewiges Rätsel im Zeitalter der Aufklärung

Was sagt der Vatikan eigentlich zur Bankenkrise in Anbetracht der Normative: "Du sollst nicht stehlen !"


vom Lamm

klingt nach eine Fleischerei.

Gast: joseph
18.06.2012 08:39
11 5

vom lamm

in hinblick auf die muslimischen nachbarn hat die benennung " kleinen schwestern vom LAMM" eine sehr eigenartige bedeutung.

Antworten Gast: bergziege
18.06.2012 20:07
3 0

Re: vom lamm

Der richtige Gegenpol!

Gast: Bürger01
18.06.2012 07:26
9 25

Das wir das noch erleben müssen ......

Was passiert da ? Inmitten einer Stadt , wo der Pachtwucher Klosterneuburgs sein unseliges Wesen treibt , wird für seinesgleichen gespendet und dies gefeiert ? Die Solidarität der Klöster ist Null (ausser verbal, aber damit lässt sich ja nichts bauen) und da spenden Erzkonservative , vermeintlich Gläubige?

Re: Das wir das noch erleben müssen ......

Sie wollen Kritik üben. Ok, das habe ich Ihrem Posting entnommen. Aber was genau wollen Sie uns sagen? Dass nur vermeintlich glaubt, wer spendet? Dass Sie zu viel Pacht an Klosterneuburg zahlen (relevant?)? Dass die Klöster untereinander (oder etwa mit Ihnen) zuwenig solidarisch sind? Oder einfach nur, dass Sie sich schlecht fühlen und jemánd schuld sein muss?

 
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