[Peking] Eigentlich haben Vertreter der chinesischen Regierung wiederholt angekündigt, bei der Ein-Kind-Politik nicht mehr ganz so rigoros vorgehen zu wollen. Bei manchem Provinzkader scheint das aber noch nicht angekommen zu sein: Immer wieder kommt es zu grausamen Zwangsabtreibungen, weil Frauen mit einem zweiten Kind schwanger sind und die drakonischen Bußgelder nicht aufbringen können.
In der Stadt Zhengjia in der nordwestlichen Provinz Shaanxi haben die Behörden eine junge Frau zur Abtreibung gezwungen, die im siebten Monat schwanger war. Die 23-Jährige hatte die Strafe von umgerechnet 5000 Euro nicht zahlen können, die sie wegen Verstoßes gegen die Ein-Kind-Politik hätte zahlen müssen.
Der Ehemann berichtet gegenüber chinesischen Medien, dass Polizisten seine Frau daraufhin festnahmen, mit verbundenen Augen an einen unbekannten Ort schleppten und drei Tage lang gefangen hielten. Anschließend hätten fünf Männer sie geknebelt und gewaltsam Gift in den Fötus injiziert. Zwei Tage später gebar sie in einem Spital das Kind. Es war tot.
Fotos der Frau und des blutverschmierten Kindes im Internet zeugen von der grausamen Tat. Die Bilder lösten landesweit eine Welle der Empörung aus. „Ich schäme mich, in so einem brutalen Staat zu leben“, schrieb eine empörte Frau in einem Kommentar im Internet. Eine andere Nutzerin forderte harte Strafen für „diese Mörder“ und verglich sie mit „japanischen Teufeln“ und „Nazis“.
Die Behörden der Provinz haben inzwischen reagiert: Sie erklärten den Vorgang für illegal und kündigten Untersuchungen an. Tatsächlich sind Abtreibungen in einem so fortgeschrittenen Stadium auch in China seit 2001verboten. Die Verantwortlichen vor Ort hingegen behaupten, die 23-Jährige hätte ihr Einverständnis gegeben. Ihr Mann widerspricht: „Sie haben ihre Hand genommen und sie gezwungen, zu unterschreiben.“
Seit 1979 gilt die Ein-Kind-Politik. Sie erlaubt in Städten ein Kind, auf dem Land zwei, sofern das Erstgeborene eine Tochter ist. Bei Verstoß muss man hohe Strafen zahlen und Benachteiligungen etwa bei Kinderbetreuung oder Wohnungsvergabe in Kauf nehmen. Nach staatlichen Angaben sind dadurch etwa 400 Millionen Geburten verhindert worden. Waren die Behörden in den ersten Jahren vor allem auf dem Land etwas weniger streng und in den Städten rigoros, hat sich das in den vergangenen Jahren umgekehrt.
Demografische Zeitbombe
Längst wird die Ein-Kind-Politik auch innerhalb der KP in Zweifel gezogen. Das Geschlechterverhältnis, das in der Regel bei 106 Buben auf 100 Mädchen liegt, ist in China auf eine Proportion von 118 zu 100 gestiegen. Zudem stellt die Volksrepublik schon jetzt eine demografische Bombe dar, die in absehbarer Zeit explodieren wird. 2030 wird mehr als ein Drittel der Bevölkerung älter als 60 Jahre sein.
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