Abendmahl als Sex-Orgie: Hrdlicka-Bild abgehängt

09.04.2008 | 16:03 |   (DiePresse.com)

Bereits am Gründonnerstag ließ Schönborn die Radierung "Leonardos Abendmahl" jedoch selbst entfernen. Er "bedauert ausdrücklich", dass diese in die Ausstellung gelangt ist.

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Kardinal Christoph Schönborn hat nach den Anfeindungen gegen die Ausstellung "Religion, Fleisch und Macht - das Religiöse im Werk von Alfred Hrdlicka" im Wiener Dommuseum den Künstler selbst zwar verteidigt, bedauert jedoch, dass dessen Version des "Letzten Abendmahls" in die Ausstellung gelangt ist. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es: "Die Ausstellung bedeutet nicht, dass das Dommuseum sich mit allen Werken Hrdlickas identifiziert. In einzelnen seiner Werke beachtet er die unbedingte Schwelle der Ehrfurcht vor dem Heiligen nicht."

Schönborn hat die Radierung des Künstlers Alfred Hrdlicka "Leonardos Abendmahl, restauriert von Pier Paolo Pasolini" aus der Ausstellung entfernen lassen. Das Bild von 1984 war in der Hrdlicka-Ausstellung an der prominentesten Stelle beim Eingang positioniert. Es zeigt das letzte gemeinsame Mahl als eine Sex-Orgie unter Männern, ergänzt von einer Kreuzigung. "Es gab ja keine Frauen", erläuterte Hrdlicka bei der Presseführung im März. "Schon Leonardo war der Meinung, dass die Apostelrunde von Homoerotik zusammengehalten wurde."

Hätte nicht zugestimmt

Schönborn ist mit dieser Interpretation des letzten Abendmahls von Hrdlicka offenbar nicht einverstanden: "Unter seinen Werken sind auch solche, die vom Standpunkt des gläubigen Christen klar abzulehnen sind. Selbstverständlich hätte ich der Präsentation von Werken, die blasphemisch oder pornografisch sind, nicht zugestimmt. Ich bedauere es daher ausdrücklich, dass ein Bild dieser Art - ohne mein Wissen - in der Ausstellung zu sehen war. Dieses - Menschen in ihrem Glauben verletzende - Bild wurde auf meine Veranlassung hin am 20. März entfernt."

Weiters stellt sich der Wiener Erzbischof jedoch klar hinter den Künstler: "Hrdlicka ist einer der bedeutendsten lebenden Künstler Österreichs. Wie kaum ein anderer Künstler hat er sich mit dem leidenden und geschundenen Menschen befasst und zur 'Compassion' mit der 'Passion' eingeladen. Dieses Mitleiden drückt er in seinem Werk in erschütternder Weise aus", heißt es. „Deshalb habe ich auch einer Ausstellung im Dommuseum zugestimmt, ohne im einzelnen die auszustellenden Werke zu kennen."

Fundamentalistische Christen

Der Direktor des Wiener Dommuseums Bernhard Böhler spricht von "massiven verbalen Anfeindungen" gegen die Ausstellung "Religion, Fleisch und Macht - das Religiöse im Werk von Alfred Hrdlicka" von verschiedenen Medien und Websites im In-, vor allem aber im Ausland. Er zeigt sich "erstaunt über die Hitze der Gefechte". "Die Proteste kamen in erster Linie von fundamentalistisch christlichen Kreisen aus den USA und sind schließlich nach Deutschland übergeschwappt", erzählte Böhler, "also von Menschen, die weder eine Kenntnis von der Ernsthaftigkeit des Schaffens von Alfred Hrdlicka haben, noch die Ausstellung gesehen haben."

Dort wo Hrdlicka anerkannt sei, habe es auch für die Ausstellung fast ausschließlich Lob gegeben. "Es gibt in Österreich einen langen Dialog zwischen Kunst und Kirche, der vor allem unter Otto Mauer geführt wurde", so Böhler. Ausschlaggebend für einen kirchlichen Auftrag an die Kunst sei die Qualität, nicht die Frömmigkeit der künstlerischen Arbeiten.

Nicht schnell genug abgehängt


Kritik an der Ausstellung kam auch aus Italien: Die Mailänder Tageszeitung "Il Giornale" im Besitz der Familie des italienischen Medientycoons Silvio Berlusconi attackierte den Künstler. Insbesondere "Leonardos Abendmahl, restauriert von Pier Paolo Pasolini" löste die Empörung des rechtsorientierten Blattes aus.

Hrdlickas Werk im Dommuseum zu zeigen, sei eine "verheerende Wunde für den christlichen Glauben", hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht, der vom Vatikan-Experten des Blatts, Andrea Tornielli, verfasst wurde. Die Zeitung kritisierte die Unterstützung, die die Ausstellung von den lokalen Behörden erhalten habe.

Für "Il Giornale" wurde das Bild nicht schnell genug entfernt. "Acht Tage sind vergangen, bis die kirchlichen Behörden die Ernsthaftigkeit der Situation wahrgenommen haben und das Werk entfernen ließen. In Europa müsse man höchsten "Respekt für alle Religionen haben, mit Ausnahme jener, die am stärksten zur europäischen Zivilisation beigetragen hat", kommentierte die Zeitung.
(APA/Red.)

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142 Kommentare
 
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Judas

Einer von Euch wird mich verraten! ......Judas warf die Sil berlinge in den Tempel,ging hinaus und erhängte sich an einem Strick.

Heute frage ich mich: wie lautet die Mehrzahl von Judas?
Von jenen, die fröhlich und reuelos weiterleben, nachdem sie ihren Herrn und Meister so infam beleidigt haben.

So liefert man dem "Fragenden" Professor Munition für seine Beiträge.

Kniefall vor der ultrakonservativen christlichen Lobby in den USA

...und ich dachte, wir buckeln bloß vor der ostküste!?!

Warum traten letztes Jahr allein in Österreich über 36.000 Katholiken aus der Kirche aus?


.

Re: Warum traten letztes Jahr allein in Österreich über 36.000 Katholiken aus der Kirche aus?

weil sie mit der in diesem Beitrag beschriebnen Haltung kirchlicher Würdenträger nich einverstanden sind.

Antworten Gast: ASVG-Sklave
12.04.2008 08:23
0

Re: Warum traten letztes Jahr allein in Österreich über 36.000 Katholiken aus der Kirche aus?

DAS soll ein Argument sein? Klingt eher nach einem intellektuellen Furz in der Stammtischrunde.

Antworten Antworten Gast: Bösewicht
13.04.2008 00:51
0

"Keine Antwort", Sklave, ist auch eine Antwort


“Schönborns „Bedauern“ über die Schau im Dommuseum ist ein Kniefall vor der ultrakonservativen christlichen Lobby in den USA.“


Austritt - zuständige Behörde:

die BEZIRKSHAUPTMANNSCHAFT (in Städten mit eigenem Statut: der Magistrat, in Wien: das Magistratische Bezirksamt)

erforderliche Unterlagen:

1. amtlicher LICHTBILDAUSWEIS
2. NACHWEIS DER MITGLIEDSCHAFT in der Glaubensgemeinschaft z.B.:

* Taufschein
* Trauschein, Firm- oder Konfirmationsbestätigung etc.
* sonstige Bestätigung der Glaubensgemeinschaft über die Mitgliedschaft
* Zahlungsnachweis
* Zahlungsaufforderung

für den Austritt fallen KEINE GEBÜHREN an.

Quelle: http://www.help.gv.at/Content.Node/82/Seite.820003.html (Homepage der Bundesregierung)


Antworten Gast: Thomas M.
12.04.2008 19:49
0

Re: “Schönborns „Bedauern“ über die Schau im Dommuseum ist ein Kniefall vor der ultrakonservativen christlichen Lobby in den USA.“


Sind das nicht gerade die braven Katholiken, die Schönborn letztes Jahr besucht hat? Und war es nicht genau diese USA-Reise als er sich in der New York Times für Religion im Biologieunterricht ausgesprochen hat?

Völlig irre, der Spinner!


Antworten Gast: DDR
12.04.2008 14:29
0

Re: “Schönborns „Bedauern“ über die Schau im Dommuseum ist ein Kniefall vor der ultrakonservativen christlichen Lobby in den USA.“

ICH trete nicht aus, denn es ist MEINE Kirche, in deren Ritus ich getauft bin, und es ist MEIN Christus, heiliger Sohn Gottes, Mensch und Erlöser. Aber ich fordere den Rücktritt oder die Ablösung des Wiener Topmanagements wegen konzernchädigenden Verhaltens durch Förderung der Konkurrenten, geheimer und verbotener Absprachen mit den Mitbewerbern, Verrat an der Unternehmensphilosophie, Vergeudung von Firmenkapital, falscher Unternehmerentscheidungen, mangelnde Kontrolle des mittleren Managements und Führungsschwäche.

Re: Re: “Schönborns „Bedauern“ über die Schau im Dommuseum ist ein Kniefall vor der ultrakonservativen christlichen Lobby in den USA.“

In meiner Kirche werden die Nachfolger der Apostel vom Papst ernannt und abberufen, nicht durch Forderungen der getauften Christen!
Meine Kirche ist nämlich eine göttliche Stiftung und das ist der Wille des Stifters!
Und das ist gut so!

Gast: Bösewicht
11.04.2008 13:47
0

Ein Skandalkünstler ist auch ein Künstler

Ich halte das Werk Hrdlickas für Dreck und Schund. Man hat es mit Recht aus dem Dommuseum entfernt.

Antworten Gast: ASVG-Sklave
13.04.2008 00:55
0

Ein Schwachkopf ist auch ...

Ich halte ihre Kommentare für Dreck und Schund.


Antworten Gast: michel maik
11.04.2008 15:22
0

Re: Ein Skandalkünstler ist auch ein Künstler

Die Radierungen von Hrdlicka gehören jedenfalls zum besten überhaupt, sie stehen auf einer Stufe zB mit den kaftvollsten Radierungen von Goya.
Angesichts des Erfolges von Hrdlicka als Bildhauer tritt die - überragende - Bedeutung seines graphischen Werkes leider zu sehr in den Hintergrund. Es spricht für das Diözesanmuseum, diese Werke von Hrdlicka zu zeigen. Und die von Anbeginn eingeplante Kontroverse (mit dem zweifellos auch von Anfang an geplanten "Rückzieher" des Herrn Dr. Schönborn) war eine nicht unübliche, dennoch clevere Werbestrategie, die voll aufgegangen ist und wieder einmal zeigt, dass die kath. Kirche weiß, wie man sich heutzutage erfolgreich am Markt bewegt und Breitenwirkung schafft. Hut ab, ich freue mich über diesen Erfolg für Kunst. Darum geht es hier.

Antworten Antworten Gast: Bösewicht
11.04.2008 18:23
0

Re: Re: Ein Skandalkünstler ist auch ein Künstler

Sie haben völlig recht mit Ihrer Darstellung, dass es hier um effektvolle Werbung geht - Werbung für die Werke des Herrn Hrdlicka. Nur ist das sicher nicht Aufgabe einer kirchlichen Einrichtung. Wie es um die Attraktivität der Kirche steht, kann man an der Statistik der Austritte deutlich ablesen. Eine Kirche, die ihren Sinn darin sieht, Werbung für derartige Machwerke und Künstler zu machen, braucht tatsächlich niemand, denn das können Museen und gewerbliche Galerien tausendmal besser.
Meine Aussage zum Werk des Herrn Hrdlicka bezieht sich auf den dargestellten Inhalt und den kann man wohl gut mit Schund (Gerbereiabfall) und Dreck charakterisieren. Natürlich geht es auch dabei um den Werbeeffekt. Herr Hrdlicka hat sich überlegt, ob er ein ausdruckstarkes H_tlerbild oder etwas blasphemisches darstellen soll. Der Marktwert der blasphemischer Darstellungen ist höher und also traf Herr H. seine Wahl.

Antworten Antworten Gast: A. Bouteflika
11.04.2008 16:19
0

Re: Re: Ein Skandalkünstler ist auch ein Künstler

Ich finde auch: das malerische und graphische Werk von Hrdlicka ist großartig und wird in der Kunstgeschichte vielleicht einmal den höheren Stellenwert einnehmen als seine Skulpturen; unter diesen, scheint mir, ist doch auch vieles, das weniger gelungen ist (etwa am Albertinaplatz).
Der Vergleich der Radierungen mit jenen von Goya liegt tatsächlich nahe, was Aussagekraft und künstlerische Intensität betrifft.
Die Werbung für diese Ausstellung ist nur zu begrüßen. Clever gemacht!

was sagt die bibel

gemäß der bibel fragt jesus einen jünger, ich denke es war petrus, ob dieser ihn liebt. und der gefraget anwortet mit ja. also....

wenn man sich liebt, und die bibel sagt ja angeblich immer die totale wahrheit und ist wortgetreu auszulegen, dann kann man wohl annehmen, dass die damals mehr gemacht haben als nur reden. das betreffende bild ist also biblekonform

Antworten Gast: Nun ja
12.04.2008 06:46
0

Re: was sagt die bibel

Ihre Phantasie in Ehren. Doch: Wo lassen sie denken? Oder anders gesagt: Wie der Schelm denkt, ...

Antworten Gast: Homo
11.04.2008 13:03
0

Re: was sagt die bibel

Schlechter Scherz, oder?
Wie standen Sie zum Skandal im Priesterseminar St. Pölten? Hoffentlich unterstützen sie die Priester jetzt, sie haben doch biblisch geliebt oder?
Wenn wir als Christen unsere Überzeugung nicht mehr achten, dürfen wir dies wohl auch von anderen nicht erwarten.
Nur weiter so! Wo haben Sie Ihr theologisches Wissen erworben?

Antworten Gast: Südafrikaner
11.04.2008 13:03
0

Wörtliche Auslegung

dann haette es in der Bibel "erkannt" geheissen.

Zu Kunst: Bin fuer die Freiheit der Kunst, solange man sich als Privatperson dagegen erwehren kann. Solange das Bild in einer Galerie haengt ist alles in Ordnung; es ist allerdings nicht mehr in Ordnung wenn irgendein umstrittenes Kunstwerk in den oeffentlichen Raum gepflanzt wird und man jeden Tag daran vorbeigehen muss.

Die ganze Geschichte wiederum ist ziemlich entlarvend fuer die katholische Kirche. Statt das Bild weiterhin zu zeigen oder von vornherein nicht zu zeigen wird die schlechteste Loesung gewaehlt.

Der eigentliche Schmerz,

der jeden Christen erfassen müßte, ist, Proteste hin oder her, daß dieses Machwerk im Dommuseum EINE WOCHE LANG hängen konnte.

Ich bin für die Freiheit der Kunst...

...solange es sich wirklich um Kunst handelt. Das Bild zeigt Christus, die Verkörperung all unserer moralischen Prinzipien, beim Gruppensex mit seinen Jüngern.

Hmmm.... Ist das Kunst? Wenn die moralische Grundlage unserer Kultur in den Schmutz gezogen wird? Hat es da was mit Fanatismus oder Dogmatismus zu tun wenn man sich daran stößt?

Ich finde nicht. Das Bild ist im wahrsten Sinne des Wortes eine "Schweinerei", sowas hat nichts in einer modernen Kultur zu suchen... Gruppensex mit Christus... Unglaublich! Manche haben offensichtlich jeden Anstand verloren! Es macht wohl Spass die Werte zu denen man selbst nicht fähig ist mit Füßen zu treten um sich selbst in ein besseres Licht zu stellen.

DAS ist ekelhaft!

Und eigentlich leid tut mir der Schönborn, er lässt diese Abartigkeit entfernen und muss sich dann auch noch entschuldigen dafür... Was für eine Hochkultur!

Re: Ich bin für die Freiheit der Kunst...

sollte hier der islam übernehmen, kann man nur für die abbildung mohammeds ermordet werden.

traut sich jemand, herr hrdlicka, sie sind gefragt, mohammed mit der kleinen aisha abbilden?

denn das ist tatsache.

daß christus schwul war, entspringt nur der kranken phantasie dieses "künstlers". daß er die grundlagen unserer zivilisation, und das ist nun einmal das jüdisch-römisch-christliche erbe, sagt alles über ihn aus.

ich verwette alles, was ich besitze, daß der herr sich nicht einmal ein stricherl gegen den islam malen traut.

mfg
mc

Welche werte meinen Sie?

30 Mio Indios abschlachten? Hexen verbrennen? Es ist ein Segen dass das Religionsmenetekel nach 2000 Jahren endlich in seine Schranken gewiesen wurde.
Die so oft beschworenen Werte unserer Gesellschaft haben wir der Aufklärung zu verdanken. Die Theokraten haben nichts zustande gebracht, ausser Ablasszahlung und Berechnungen wieviele Engel auf einer Nadelspitze Platz haben, während Epidemien, Seuchen und Hungersnöte grassierten.
Abgesehen davon bestimmen nicht irgendwelche Moralisten und Kerzlschlucker was kunst ist, sondern jene die die Bilder kaufen.

Antworten Antworten Gast: digi merk!
12.04.2008 20:55
0

Re: Welche werte meinen Sie?

bei unserem Blutschütter tut es mir aber leid, daß jene, die Kunst kaufen, bestimmen was Kunst ist

Re: Welche werte meinen Sie?

wie recht Sie haben !
Zum Bild selbt, über Geschmack lässt sich streiten.
Krenn, Groer und Konsorten lebten bzw. leben die Scheinheiligkeit noch nach 2000.
Nur diese Pharisäer haben ein Problem damit.

Re: Welche werte meinen Sie?

Verbreiten Sie hier nicht schon wieder Ihre Geschichtsluegen.

 
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