Die älteste U-Bahnlinie Wiens legt eine Pause ein. Von 7. Juli bis 26. August wird der Abschnitt der U1 zwischen dem Schweden- und dem Reumannplatz zur "längsten Baustelle Wiens", wie es die Wiener Linien formulieren. Notwendig ist die Sanierung aus zweierlei Gründen: Erstens sind Gleise und Unterboden schon arg in Mitleidenschaft gezogen worden, zweitens wird die rote U-Bahnlinie damit fit für die südliche Verlängerung nach Oberlaa gemacht. Die Fahrgäste müssen für diese sechs Wochen auf Ersatzverkehr umsteigen.
Was wird gearbeitet?
Der südliche Teil der U1 hat schon fast 34 Jahre Fahrbetriebs-Alter auf dem Buckel, dementsprechend große der Sanierungsbedarf. So werden während der Sperre rund acht Kilometer Gleise herausgerissen und neu verlegt. Die Elektrik wird erneuert und 10.000 Quadratmeter Schalldämmplatten verlegt. Auch zwei zusätzliche Weichenverbindungen zwischen den Fahrtrichtungen werden verlegt. Bei Störfällen können die U-Bahn-Züge dann "die Seite wechseln" und eingleisig an Problemstellen vorbeigeführt werden. Damit sei die U-Bahn flexibler und ein liegengebliebener Zug bringt nicht das ganze System zum Erliegen. Pro Jahr legt die U1 2,84 Millionen Kilometer zurück, eine Distanz mit der die U-Bahnlinie rund 68 Mal die Erde umrunden könnte. 117,5 Millionen Fahrgäste nutzten die U1 im Jahr 2011.
Wo fährt der Ersatzverkehr?
Einen Großteil der U1-Route sollen die Straßenbahnlinien 66 und 68 übernehmen, die in fünf-Minuten-Intervallen fahren sollen. Die Linie 66 wird zwischen Oberlaa und Oper unterwegs sein, die Linie 68 fährt vom Otto-Probst-Platz zum Schwedenplatz. „Der 68er wird auch in den Nächten vor Samstag, Sonn- und Feiertagen neben den Nachtbuslinien im Einsatz sein“, versichert Steinbauer. Parallel dazu würden einige Buslinien im Umfeld verstärkt geführt werden. Die neuen Linien böten für so manchen Wiener eine interessante Direktverbindung in die Innenstadt, so Steinbauer. Es soll schon Anrufe gegeben haben, mit der Bitte, die beiden Linien doch nach der Sperre weiter bestehen zu lassen.
Die beiden Ersatz-Straßenbahnlinien ersetzen während der U1-Sperre die Linie 67. Der 66er fährt den östlichen Ast des 67ers von der Therme Wien bis zum Reumannplatz und folgt dann den Gleisen der Linie 6 bis zum Matzleinsdorferplatz und biegt auf der Strecke der Linie 1 auf die Wiedner Haupstraße bis zum Karlsplatz.
Der 68er startet auf dem Westast des 67ers am Otto-Probst-Platz und rollt via Quellenplatz, Laxenburgerstraße, Südtirolerplatz, Prinz-Eugen-Straße und Ring in Richtung Schwedenplatz.
Auch die S-Bahn, die die U1-Stationen Südtiroler Platz und Praterstern verbindet, kann in der Zeit eine gute Alternative sein. Die Wiener Linien empfehlen auch ein großräumiges Ausweichen über andere U-Bahnlinien.
Trotz aller eingeleiteten Maßnahmen gab Steinbauer allerdings zu bedenken, dass die Fahrgäste auf den Ersatzlinien mit einem Zeitverlust von rund 15 Minuten rechnen müssten.
Was kostet das Projekt?
Die Kosten der U1-Modernisierung betragen rund 100 Millionen Euro. Ein Viertel dieser Summe investieren die Wiener Linien allein in der siebenwöchigen Sommerpause.
Wie läuft die Fahrgast-Information ab?
Vom 2. bis 15. Juli steht ein eigener Info-Bus der Wiener Linien am Schwedenplatz, bei dem Mitarbeiter Fragen aufklären und Infomaterial verteilen. Auch am Reumannplatz wird ein U1-Info-Stand eingerichtet. Während der Dauer der Arbeiten ist entlang der eingestellten Strecke Info-Personal zugegen, um Fahrgäste über ihre Reisemöglichkeiten zu informieren.
Vor Beginn der Streckensüperre werden in allen Fahrzeugen und in den Stationen die Durchsagen adaptiert, versprechen die Wiener LInien. In den U-Bahnen wird auch in englischer Sparche auf die U1-Modernisierungsarbeiten hingewiesen. Flyer, Plakate und Info-Screens weisen auf die Sperre hin. Auf der Homepage der Wiener Linien stehen Info-Folder, eigens angefertigte Pläne für den Ersatzverkehr und Ausweichrouten zum Download zur Verfügung. In allen Zügen werden die Schnellverbindungs- und Nachtpläne adaptiert. Der U1 Blog berichtet aktuell über Baufortschritt und andere interessante Dinge rund um die U1-Sperre.
Wie werden Anrainer informiert?
Die riesige Baugrube beim Theresianum bei der Station Taubstummengasse zeigt, dass die Anrainer nicht nur ihre täglichen Wege ändern müssen, sondern auch mit Baustellenproblemen konfrontiert sind. Für sie ist der Ombudsmann der Wiener Linien, Christian Nebois, der richtige Ansprechpartner. Eine eigene U1-Anrainerzeitung hält die rund 90.000 Bewohner entlang des südlichen U1-Abschnitts auf dem Laufenden.
Warum eine Totalsperre?
Eine Totalsperre sei unumgehbar, erklärt Wiener Linien-Ombudsmann Christian Nebois im U1-Blog der Wiener Linien: "Das bestehende Gleis liegt in einem Betonbett. Um die Weichen einzubauen, ist es notwendig, einen gewissen Teil des Betons zu entfernen. Erst danach können die Weichen eingebaut werden – dazu ist aber neuer Beton notwendig, der vorher trocknen und fest werden muss. In dieser Zeit darf und kann keine U-Bahn fahren."
Außerdem sei der Zeitpunkt der Sperre gut gewählt, erklärt Geschäftsführer Steinbauer. Im Sommer seien rund ein Viertel weniger Fahrgäste in der U1 zu transportieren.
(klepa)
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